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Ein Jahrhundert Kampf um Emanzipation


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, Dienstag, 08. März 2011

Heute ist Weltfrauentag. Vor 100 Jahren wurde er zum ersten Mal in Europa gefeiert - allerdings am 19. März. Dieses Datum haben sich drei Coburger Frauen für eine Aktion in der Fußgängerzone ausgewählt.
Birgit Weber


Der Sinn dieses Tages wird immer wieder missverstanden. Es geht nicht darum, Frauen am 8. März Blumen oder Schmuck zu schenken, ihnen ein bisschen Arbeit abzunehmen oder sie zum Essen einzuladen. Der Weltfrauentag soll daran erinnern, dass vor über 100 Jahren erstmals in den USA Frauen beschlossen, einen Kampftag für ihr Wahlrecht festzulegen. Dieser Tag fand 1909 statt und sandte ein Signal in die Welt hinaus. Am 19. März 1911 wurde auf Initiative der deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker ein Frauentag in Deutschland, der Schweiz, Dänemark und Österreich-Ungarn gefeiert. Seit 1921 hat er seinen festen Platz am 8. März.
In Coburg gibt es seit Jahren den "Aktionskreis Frauentag", der Anfang März eine Reihe von Veranstaltungen organisiert (siehe unten). Birgit Weber, Barbara Kammerscheid und Angela Platsch, die im Dezember zum Gespräch ins Tageblatt gekommen waren und dort beschlossen haben, ihren speziellen Beitrag zu leisten, haben sich für den Ur-Frauentag, den 19. März, entschieden. Sie wollen der Frage nachgehen, welche Rolle Frauen in der Stadt spielen, welche Möglichkeiten sie haben, sich einzubringen, ob ihr Wort gehört wird, wie sie Kommunalpolitik mitbestimmen können.
Am 19. März werden sie mit einer außergewöhnlichen Aktion in der Fußgängerzone präsent sein. "1992 hatte die frühere Gleichstellungsbeauftragte, Petra Wiedemann, schon einmal im Auftrag der Stadt eine Fragebogen-Aktion gestartet, in der es um die Frauen ging. Daran knüpfen wir an", erläuterte Birgit Weber, Ärztin und Vorsitzende der Frauenunion. Zusammen mit Angela Platsch, Betriebsrätin und Stadtratsmitglied der Grünen sowie Barbara Kammerscheid, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) und Vorsitzende des Vereins "Hartz und herzlich" hat sie die Fragebögen erarbeitet. "Die Ergebnisse hängen wir an eine große Litfaßsäule. Die ist pink und nicht zu übersehen", sagt Birgit Weber lachend. Damit sollen Frauen eine Plattform bekommen, auf der sie ihre Vorstellungen von einer lebens- und liebenswerten Stadt und von Mitbestimmung formulieren können. "Gleichzeitig erinnern wir mit Plakaten an Fortschritte für die Frauenbewegung in den vergangenen Jahrzehnten."
Dazu gehören für die Initiatorinnen diese Daten: Seit 1918 gibt es das Frauenwahlrecht, seit 1956 dürfen Frauen im westlichen Teil Deutschlands ein eigenes Konto haben, ab 1977 allein einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Seit 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Von 1978 bis 1984 war Edith Seifarth Dritte Bürgermeisterin in Coburg. Weniger erfreulich: Seit 1946 gab es im Coburger Stadtrat 72 Frauen und 399 Männer. Neben den drei Organisatorinnen werden auch Hildegard Mogalle von der Ehrenamtsbörse St. Moriz, Ute Wallentin vom Caritas-Verband, Brigitte Dürr von den Grünen, Irm Titz von der Frauenunion, Selvet Göksu und Anna Boldt am 19. März in der Fußgängerzone präsent sein.