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Ein Coburger in Dar es Salaam


Autor: Redaktion

Coburg, Freitag, 18. Februar 2022

Der Coburger Lukas Kestel engagiert sich in Sansibar für die Umwelt. Für uns berichtet er von seiner Reise. Erster Stopp: Dar es Salaam in Tansania.
Das andere Stadtbild von Dar es Salaam.


Put on your seatbelt and keep your luggage safe, we are about to land in Dar es Salaam!" - der Airbus A380 schwebt im Sinkflug über den Indischen Ozean, die azurblaue Küste Ostafrikas und schließlich über die mit Palmen gesäumten Hüttensiedlungen Dar es Salaams hinweg. Lukas Kestel sitzt voller Vorfreude und Anspannung im Flieger. Für ihn beginnt jetzt das große Abenteuer Tansania.

Der junge Coburger, der sich entschieden hat, acht Monate lang als Freiwilliger zu helfen, das Korallenriff vor der Inselgruppe Sanibars zu retten (wir berichteten). In unregelmäßigen Abständen schildert er uns seine Eindrücke:

"Noch lässt sich nur erahnen, wie heiß es draußen sein wird, doch schon im Flugzeugtunnel spüre ich die Hitze. Sobald wir Freiwilligen alle Sicherheitskontrollen, PCR-Testkontrollen und Visumanträge der Immigrationsbehörde durchlaufen haben, öffnet sich die Drehtür des Julius Nyerere Flughafens endlich nach außen: Wow! - mir kommt ein wahnsinniger Hitzeschwall entgegen, wie ich ihn noch nie zuvor gespürt habe - verrückt! Aus dem kalten Coburg bei drei Grad Celcius hinein in den tropischen Sommer mit Durchschnittstemperaturen von 32 Grad Celcius und einer durchschnittlichen Luftfeuchte von 80 Prozent.

Geblendet von der grellen Sonne kneife ich erstmal die Augen zusammen und halte kurz inne: es ist wirklich wahr, ich bin in Afrika! Wir quetschen uns und all unser Gepäck in einen klapprigen Kleinbus und ab geht's!

Im Msimbazi Center im Osten der Innenstadt Dar es Salaams angekommen, falle ich abends ordentlich kaputt in mein neues Bett (das übrigens wie viele Betten hier breiter als lang ist, sodass ich mich immer schräg legen muss, um unter das Moskitonetz zu passen). Doch vorher mache ich mich daran, mit Panzertape die Löcher zuzukleben.

Katastrophe in der Nacht

Endlich schlafbereit geht um 0.30 Uhr die Party draußen erst so richtig ab: Bongo Flava (eine tansanische Musikrichtung, dem Hip-Hop ähnlich) scheppert so laut durch die Nacht, dass ich froh bin, als Stunden später in halb Dar es Salaam der Strom ausfällt, nichts wissend von der Katastrophe, die sich zwei Kilometer entfernt gerade abspielt: Sokoni la Karume, ein großer Vorstadtmarkt und Handelsplatz von mehr als 3500 Händlern und Marktverkäufern brennt in dieser Nacht zu fast 98 Prozent lichterloh ab. Der Anblick des immer noch rauchenden Trümmerfeldes und der aufgeregten, verzweifelten Händlerschar, die in der Flammenhölle ihre gesamte Existenz verloren haben, berührt mich dabei sehr.

Dar es Salaam, vom arabischen "Bandr-ul-Salaam", was so viel wie "Hafen des Friedens" bedeutet, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom Sultan von Sansibar, Majid bin Said, an der Stelle eines kleinen Fischerdorfs (Mzizima) entlang der internationalen Handelsroute am Indischen Ozean gegründet. Heute gehört die ostafrikanische Metropole mit einer Bevölkerung von 7,4 Millionen Menschen (2022) zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt.

Stadt der Gegensätze

Und das nicht ohne sichtbare Folgen - eklatant sind die gewaltigen Gegensätze in der ehemaligen Hauptstadt und dem heute immer noch wirtschaftlichem Zentrum Tansanias. Neben westlichen Wolkenkratzern der Hafenverwaltung und Bürotürmen lokaler Banken, deren riesige Glasfronten im Sonnenlicht glitzern, ist die Metropole am indischen Ozean auch gleichzeitig von ärmsten Vierteln geprägt, welche überwiegend ohne Genehmigung informell errichtet wurden. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wohnen rund 70 bis 80 Prozent der Stadtbevölkerung in den sogenannten "informal settlements", meist ohne fließendes Wasser oder sonstige Basiseinrichtungen. Beim Eintauchen in diese Viertel wird mir auf tiefe Weise bewusst, in welchem Luxus wir Deutschen eigentlich leben: Trinkwasser ist jederzeit fast überall verfügbar, wir leben in sauberen Häusern und können unseren Müll entsorgen. All das ist in diesen Viertel nicht der Fall: Die ärmlichen Hütten, meistens mit Lehmböden, besitzen keinen Wasseranschluss, ein kleiner Bach gefüllt mit jeglicher Art von Müll und brauner Abwasserbrühe schlängelt sich durch die Siedlung, während der weitere Weg durch ein loderndes Müllfeuer versperrt wird - auch das ist Dar es Salaam.

Eine Stadt, die es wirklich in sich hat - noch nie zuvor habe ich das Leben so pulsieren sehen, wie in dieser ostafrikanischen Metropole. Wie beispielweise in dem zu den größten Märkten Ostafrikas gehörendem Viertel Kariakoo: in den engen, geschäftigen Gassen kann man wirklich alles kaufen, was das Handeln wert ist und so reicht das riesige Angebot von tropischen Früchten, über traditionelles tansanisches Handwerk und Kleidung bis zu Möbeln und Einrichtungen. Aus jeder Ecke dröhnen die Angebote aus den Lautsprechern, oder besser gesagt aus total übersteuerten Billig-Megaphonen. Ein unglaubliches Gewusel, das hier herrscht. Würde man hier verloren gehen, sind die überaus aufmerksamen und freundlichen Tansanier immer bereit, zu helfen. So habe ich nur kurz suchend in eine Richtung geschaut, gleich wurde ich mit wilden Handzeichen Einheimischer auf meine deutschen Freunde am Nachbarstand aufmerksam gemacht - sehr beeindruckend!

Fremd und Freund

Generell sind wir als europäische Gruppe von elf Freiwilligen natürlich schon aufgefallen. Denn Dar es Salaam ist bei Touristen als heiße, laute und staubige Metropole nicht ganz so beliebt wie das restliche Festland und vor allem die Urlaubsinsel Sansibar, sodass Europäer hier nicht ganz so häufig anzutreffen sind und so schlossen sich jeden Tag mehrere Einheimische voller Neugier unserer Gruppe an, was natürlich genial war!

Fasziniert von der Lebensfreude, Offenheit, dem Trubel, der Energie und Dynamik, die das Leben hier prägen, habe ich mich schon jetzt in die Stadt und die tansanische Kultur verliebt. Zu sehen, wie das Leben hier ganz anders ist als in Deutschland, beeindruckt sehr, gespannt auf alles Neue, was mich nun auf Sansibar erwartet."

Das Meeres-Schutzprojekt

Lukas Kestel, 19, aus Coburg, gehört zu einer Gruppe von Freiwilligen, die in den kommenden acht Monaten das Projekt Chumbe Isle Coral Park unterstützt. Zu dieser Hilfsaktion hat er sich nach dem Abitur entschieden.

Chumbe Island Coral Park Der Chumbe Island Coral Park liegt im Indischen Ozean vor der Ostküste Tansanias, zwölf Kilometer vor der Inselgruppe Sansibar. Er umfasst eines der artenreichsten flachen Korallenriffe der Welt .

Laut WWF Meeresschutz besteht die Gefahr, dass in den kommenden Jahrzehnten 70 bis 90 Prozent aller Korallenriffe weltweit verloren gehen. Damit das nicht passiert, wollen Freiwillige und Mitarbeiter des Projekts die Steinkorallen und Fischarten auf Sansibar schützen. Neben dem Erhalt betreiben die Helfer Umweltbildung für die heimische Bevölkerung.

Das Projekt kann mit Spenden unterstützt werden:

Deutsch-Tansanische-Partnerschaft e.V.

GLS Bank

BIC: GENODEM1GLS

IBAN: DE29 4306 0967 2026 3043