Simone Barton, 38, lebt in Ebersdorf, ist verheiratet, hat drei Kinder - und geht einem doch eher ungewöhnlichen Hobby nach: Leidenschaftlich verwandelt sie leckere Torten in echte Kunstwerke.

Begonnen hat alles vor etwas mehr als einem Jahr, als sie mit ihrer Schwester verzweifelt über ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter nachdachte. Beide hatten keine Lust mehr, sich mit der Geschenksuche und dem Aufführen von Sketchen "zum Affen zu machen". Und so dachte sich Simone Barton: Kuchen backen müssen wir sowieso, warum also nicht gleich etwas Aufwendigeres und Einprägsameres?

Essbares Blumengesteck


Kochen und Backen liegen der Ebersdorferin schon immer und kreativ ist sie auch - lange hat sie in einer Werbeagentur gearbeitet. Im Internet stieß sie rasch auf eine kleine Gemeinde ambitionierter Motivtorten-Fans, die aus langweiligen Kuchen alle denkbaren Motive zaubern. Mit selbst gebastelten Ausstechformen und einfachen Lebensmittelfarben aus dem Supermarkt machte sie sich ans Werk und kredenzte eine zweistöckige Torte mit einem essbaren Blumengesteck. "Mutti war baff", erinnert sich Simone Barton, sogar feuchte Augen habe sie bekommen und auch die Gäste waren natürlich begeistert.

Wenn sie sich jetzt die Fotos von ihrer ersten Torte anschaut, schüttelt sie den Kopf und muss lachen: "Damals war noch alles improvisiert und selbst gebastelt.
Ich kannte das ja alles noch gar nicht." Am Anfang ist eben vieles kompliziert und gerade in der Küche kann es auch schnell mal chaotisch werden. So hat sie zunächst Pflanzenfett auf dem Tisch verteilt, um darauf die überwiegend aus Zucker, Glucosesirup und gehärtetem Fett bestehende Modelliermasse - das sogenannte Fondant - zu bearbeiten. Heute weiß sie, dass sich Puderzucker besser als Unterlage eignet und gleichzeitig deutlich weniger Sauerei in der heimischen Küche bereitet.

Golfplatz-Torte


Wenn Simone Barton von ihrer Tortenkunst erzählt, dann funkeln ihre Augen. Es ist kein Wunder, dass sie damals "einfach weitergemacht" hat. Eine ozeanisch anmutende Geburtstagstorte in Anlehnung an den Animationsfilm "Findet Nemo" erfreute ihren Sohn und mit einer Golfplatz-Torte überraschte sie ihren Ehemann, der in der Freizeit gerne Mal die 18 Löcher in Tambach angreift.

Schnell wurde es immer mehr und die Nachfragen aus Familie und Bekanntenkreis häuften sich. Es entstanden unter anderem eine "Shisha-Torte", in der Form einer orientalischen Wasserpfeife, diverse Geburtstags- und Hochzeitstorten und eine Festtagstorte zur 750-Jahr-Feier in Ebersdorf mit dem Eber als Wappentier, die der ehemalige Bayerische Innenminister Günther Beckstein anschneiden durfte.

Aufwendige Verzierungen


So aufwändig und liebevoll wie die Torten verziert sind, könnte man denken, dass diese ja eigentlich zu schade zum Essen sind. Doch die Hobby-Bäckerin sieht es ganz anders: "Das Schöne an den Sachen ist ja gerade, dass sie vergänglich sind. Die Torten werden gegessen, aber die Erinnerung daran bleibt."

Im Frühjahr besuchte Simone Barton ihren ersten Tortenkurs in Köln, um mehr über das Herstellen von Zuckerblumen zu lernen. In einem weiteren Kurs ging es um Eiweißspritzglasuren, im Fachjargon auch "Icing" genannt.
Die Kursleiterin, Bettina Schliephake-Burchhardt, die mancher aus der Fernsehsendung "Die Torten-Tuner" kennen mag, überredete Simone Barton schließlich dazu, auch einmal an einem Wettbewerb teilzunehmen. "Ich wollte eigentlich gar nicht, aber sie hat mich richtig gedrängt", erzählt Simone Barton mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Heute freut sie sich, dass sie sich hat breitschlagen lassen und am vergangenen Wochenende den weiten Weg nach Hamburg auf sich genommen hat, um an der "Torten-Show" teilzunehmen. Es hat sich gelohnt: Ihre zweistöckige Hochzeitstorte mit den Rosina-Wachtmeister-Katzen wurde von der Jury mit einer Bronze-Medaille prämiert. "Ich bin wahnsinnig stolz. Vor allem weil ich ja zum ersten Mal dabei war", sagt die Ebersdorferin.

 Die Torten lassen Simone Barton nun wohl nicht mehr so schnell los. Fast jeden Tag bastelt sie an Zuckerblumen und Figuren aus Fondant oder sammelt neue Ideen. Die Herstellung ihrer prämierten Torte hat sie ungefähr 100 Stunden gekostet, die Planung begann bereits ein Vierteljahr vorher.

Im November reist sie zu einer Torten-Show ins englische Birmingham, "mit lauter Torten-Verrückten im Bus", wie sie sagt. Nächstes Frühjahr will sie in Köln bei einer Tortenmesse ausstellen und die Torten-Show in Hamburg wird sie auch wieder besuchen: "Da will ich auf jeden Fall wieder hin. Hamburg war einfach spitze."