• Coburg: Susanne Trier hat zweimal Frühchen zur Welt gebracht
  • Erinnerungen an angstvolle Tage: "Mir kommt jetzt noch Gänsehaut."
  • Heute sind Töchter zwei und zehn Jahre alt und "quietschfidel"

Susanne Trier aus Ebersdorf im Landkreis Coburg ist heute 35 Jahre alt und Mutter zweier ehemaliger Frühchen. Damit ist sie laut dem Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V. in guter Gesellschaft. Jährlich kämen deutschlandweit mehr als 60.000 Frühchen zur Welt. "Damit sind Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe im Gesundheitswesen." Für Eltern ist es eine Zeit des Bangens, wie Triers Geschichte zeigt.

Susanne Trier bringt Frühchen in Coburg zur Welt - "war ein Schock"

Vor zehn Jahren sei Trier mit ihrer ersten Tochter schwanger gewesen, berichtet sie inFranken.de. "Für mich als 25-Jährige war es damals ein Schock und ich war total überfordert." Normalerweise dauert eine Schwangerschaft laut dem Bundesverband "Das frühgeborene Kind" etwa 40 Wochen. Wenn ein Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wird, zählt es zu den Frühchen. Ihre Tochter sei in der 29. Woche zur Welt gekommen. "Ab der 17. Woche lag ich die ganze Schwangerschaft über im Krankenhaus, weil mein Muttermund von innen aufgegangen war." Sie habe in dieser Zeit nur liegen dürfen.

Dem Klinikpersonal sei es gelungen, die Geburt weitere Wochen aufzuhalten, bis es "irgendwann nicht mehr ging und die Fruchtblase platzte". Ihr Tochter habe zu diesem Zeitpunkt nur 1100 Gramm gewogen und sei daraufhin auf die Frühchenstation im selben Gebäude der Coburger Regiomed Klinik gekommen. Vier Tage lang habe Trier nur liegen dürfen und ihre Tochter nicht sehen können - immer begleitet von der Unsicherheit, ob sie durchkommt. "Es war schrecklich. Mir kommt jetzt noch die Gänsehaut. Ich hatte Angst, meine Kleine dort zu sehen. Es geht ja um Leben und Tod. Es ist ein kleines Lebewesen, das nichts dafür kann."

"Da sucht man auch die Schuld bei sich", sagt Trier. "Was hätte ich anders machen können? Wieso ist sie so früh auf die Welt gekommen?" Die Fürsorge der Klinikschwestern habe ihr in dieser schweren Zeit sehr gutgetan. "In meiner psychischen Lage war ich dankbar, dass ich eingebunden und mir alles erklärt wurde." Elf Tage lang verbrachte sie nach der Geburt in der Klinik. "Durch das viele Liegen entwickelt man auch Depressionen", schildert sie. Glücklicherweise hätten ihr Mann und ihre Familie ihr immer beigestanden. Ihre Tochter habe ein Gewicht von 2500 Gramm entwickeln müssen, bis sie nach Hause durfte. Das habe vier Monate gedauert. 

Frühchen-Geburt kann jede treffen - Ursachen vielfältig

Eigentlich habe sie erst kein Kind mehr gewollt. Doch gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter sei dann irgendwann doch der Wunsch nach einem weiteren Familienmitglied gereift. "Deshalb haben wir es noch einmal probiert und dann kam meine zweite Tochter auch acht Wochen zu früh in der 32. Woche." Erblich sei diese Tendenz bei der 35-Jährigen nicht. Ihre Schwestern hätten keine Frühchen auf die Welt gebracht.

Eine Frühgeburt könne jeder Frau passieren, sagt sie. Es gibt vielfältige Ursachen wie Vorerkrankungen der Mutter (zum Beispiel Diabetes mellitus, Infektionskrankheiten oder Bluthochdruck). Daneben Veränderungen der Gebärmutter oder der Plazenta (zum Beispiel Fehlbildungen, Myome, Gebärmutterhalsschwäche oder vorzeitige Ablösung der Plazenta) oder auch ein kritisches Alter unter 18 und über 35 Jahren, führt der Bundesverband "Das frühgeborene Kind" auf.

"Beide Kinder sind heute quietschfidel und gesund", sagt die Bürokauffrau stolz. Eine ihrer Töchter sei auch in der Schule wirklich gut - ein mutmachendes Zeichen für andere Betroffene. Der Austausch unter anderen Frühchen-Müttern habe Trier sehr geholfen. Zehn Jahre hielten manche Kontakte bereits.