Die Spannung war am Samstag riesig: Wer wird neuer CDU-Bundesvorsitzender? Und wer wird damit auch ganz automatisch zu einem potenziellen Kanzlerkandidaten?

Der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach verfolgte den Dreikampf zwischen Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen ebenfalls mit großem Interesse. Das mag auf den ersten Blick überraschen: Denn Michelbach gehört ja "nur" der Schwesterpartei CSU an; außerdem wird er selber bei der Bundestagswahl im September 2021 gar nicht mehr antreten. Doch sein Interesse lag vor allem an der engen Beziehung, die er zu allen drei Kandidaten hat. Um die zu verstehen, muss man ein bisschen in die Vergangenheit blicken.

1994 war es, als Michelbach erstmals den Einzug in den Deutschen Bundestag schaffte, der damals noch in Bonn tagte. Sehr schnell knüpfte der junge Michelbach Kontakte zu anderen Neulingen von CSU und CDU. Später war vom "legendären 94er Kreis" die Rede oder auch von der "Pizza-Connection", denn die Treffen fanden immer in einem italienischen Restaurant statt. "Bei Pizza und Rotwein haben wir über die politische Lage diskutiert", erinnert sich Michelbach im Gespräch mit dem Tageblatt. Schon bald sei man eine "verschworene Gemeinschaft" gewesen. Mitglieder im "94er Kreis" waren unter anderem: Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet; außerdem die heutigen Bundesminister Peter Altmaier und Gerd Müller.

Gemeinsamer Plan: Kohl ablösen!

Der "94er Kreis" hatte speziell 1998 große Pläne: "Wir wollten, dass Kohl nicht erneut als Kanzlerkandidat antritt", erzählt Michelbach. Denn die Runde sei sich sicher gewesen, dass die Bundestagswahl für die Union verloren geht, wenn der seit 1982 amtierende Kanzler nicht Platz macht. "Wir waren für Wolfgang Schäuble als Kanzlerkandidat!" Doch der Rest ist bekannt: Kohl war nicht wegzubekommen - und verlor; Kanzler wurde SPD-Mann Schröder.

22 Jahre später wurden bei der Union erneut wichtige Weichen gestellt. "Ich habe mich herausgehalten", sagt Michelbach. Immerhin traten drei Freunde aus "seinem" 94er-Kreis gegeneinander an. Die Mittelstands-Union, deren stellvertretender Bundesvorsitzender Michelbach ist, hatte aber eine Empfehlung für Merz ausgesprochen.

Merz bei Michelbach-Feier

Merz war es auch, der vor zwei Jahren bei Michelbachs Feier zum 70. Geburtstag in Berlin die Festrede hielt. "Ich habe aber auch zu Norbert Röttgen einen sehr engen Kontakt", sagt Michelbach - denn wie er gehöre Röttgen dem Bundestag seit 1994 ununterbrochen an.

Bei Armin Laschet war das "Kontakt halten" etwas schwieriger. Denn Laschet gehörte dem Bundestag nur bis 1998 an und wechselte dann in die Europa- sowie später in die Landespolitik. "Aber 2019 haben wir das 25-jährige Bestehen unseres Kreises gefeiert", erzählt Michelbach und muss schmunzeln.

Wenn Michelbach über Laschet spricht, gerät er schnell ins Schwärmen: "Armin ist eine rheinische Frohnatur!" Er habe eine freundliche und joviale Art , und bei seiner Parteitagsrede am Samstag habe er gezeigt, dass er "Wärme ausstrahlen" könne. Bei der Frage, ob Laschet oder Söder Kanzlerkandidat werden soll, denkt Michelbach rational: "Es sollte derjenige machen, mit dem die Union die besten Aussichten hat, nach der Bundestagswahl wieder die Führungsrolle zu übernehmen."