Das Gemeindezentrum am Ketschendorfer Hang und damit die evangelische St. Lukaskirche sind offiziell einzigartig. Was aber im ersten Moment schön klingt - das ist für das Dekanat ein echtes Problem.

Denn jetzt steht fest: St. Lukas ist ein Baudenkmal. Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude so eingestuft. Damit zerschlagen sich die Pläne, den Gebäudekomplex in der Dr.-Hans-Schack-Straße zu verkaufen. Rainer Mattern, Geschäftsführer des evangelischen Dekanats, hatte vier Kaufinteressenten. Diese hätten das Gemeindezentrum abgerissen und auf dem 4300 Quadratmeter Grundstück Wohnungen errichten. "Bedingung für den Kauf war aber", so Mattern, "dass St. Lukas kein Denkmal ist."

Zurzeit zerbricht man sich im Dekanat Coburg die Köpfe, was mit dem prägnanten Gebäude mit dem großen Pultdach anzufangen ist. Und das unter halbwegs wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Denn leisten kann sich das Dekanat den Unterhalt des Gemeindezentrums am Ketschendorfer Hang nicht. Nach den Worten von Rainer Mattern sind die unabdingbare Sanierung und Umbauten nicht zu finanzieren. Auch ist die Zahl der Gemeindeglieder in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken.

Asbest und Barrieren

Treppen und Stufen bestimmen die Wege im Gemeindezentrum St. Lukas. Fünf Stufen sind nach dem Haupteingang an der Dr.-Hans-Schack-Straße nach unten zu gehen, um den zentralen Platz vor dem Kirchenraum und dem Gemeindesaal zu erreichen. Genauso viele sind es, um zu den wenigen Toiletten und zur Garderobe zu gelangen. Ins Untergeschoss führen weitere Treppen. Zweimal drei Stufen sind im Gang zum Nebeneingang eingebaut. Dort gibt es eine Seitentür in den Kirchenraum, dahinter wieder eine Stufe. Die mangelnde Barrierefreiheit ist also ein Teil des Problems.

"Etwa 1,5 Millionen Euro sind nötig, um die dringendsten Arbeiten machen zu können und den aktuellen Anforderungen zu genügen", sagt der Geschäftsführer des Kirchengemeindeamtes. Dann wären die Stromleitungen, die Sicherungen und der Brandschutz modernisiert. Bislang gibt es im gesamten Gebäude keinen einzigen Rauchmelder. "Damit hätten wir keinerlei weitere Verbesserungen."

Solche aber wären nötig, listet das Sanierungskonzept für das Gemeindezentrum am Ketschendorfer Hang auf. So hat das ausgedehnte Kirchendach eine nur wenige Zentimeter starke Dämmung, die dazu noch Schwachstellen aufweist. Ob eine aktuelle Wärmedämmung nicht auch die Statik des Daches überfordert, das habe bislang kein Statiker ausschließen können. Die senkrechten Abschlüsse an den Dächern sind aus asbesthaltigen und damit gesundheitsgefährdenden Platten gefertigt worden, Teile der Holzverschalung drohen herunterzufallen.

Im Schreiben des Landesamtes für Denkmalschutz an das Dekanat und die Stadt Coburg wird die eingeschränkte Nutzung eingeräumt: "Das Gemeindezentrum entspricht in seiner technischen Ausstattung nicht mehr den heutigen Standards." Allerdings sei es 1969 das erste kirchliche Bauvorhaben des Architekten Hans Busso von Busse gewesen. St. Lukas sei das größte Gemeindezentrum mit diesem Baustil. Das Gemeindezentrum besitze eine hohe künstlerische und vor allem baukünstlerische Gestaltung, der Erhalt sei damit im Interesse der Allgemeinheit.

Noch nicht entwidmet

Entwidmet werden sollte die St.-Lukaskirche bereits beim letzten Gottesdienst an Silvester 2020 durch den EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Wegen Corona fand das aber bislang nicht statt. Der Vater von Heinrich Bedford-Strohm, Albert Strohm, war der erste Pfarrer von St. Lukas und hat seinen Sohn dort konfirmiert. Unter der Ägide von Albert Strohm wurde das Gemeindezentrum errichtet.