Das Coburger "Landestheater" ist nicht mehr zu retten
Autor: Christiane Lehmann
Coburg, Freitag, 22. Februar 2019
Kann "Coburg in Miniatur" noch restauriert werden? Die Schäden sind größer als gedacht. Die Tücke liegt im Rückbau. Aufgeben will jetzt aber noch keiner.
Ausgebombt! Das Wort schießt mir durch den Kopf. Die Ehrenburg ohne Dach offenbart den Blick in die einzelnen Stockwerke. In Blöcke zerlegt, mit roten Nummern besprüht. Die Fassade ist nicht mehr "nur" abgebröckelt, sie hat sich teilweise komplett abgelöst. Am Rand stehen die abgebrochenen Platten.
Der Zustand von den Arkaden und vom Landestheater ist einfach erbärmlich. Erinnert an Nachkriegsdeutschland. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Noch im Oktober schien alles "in trockenen Tüchern": Coburg Stadt und Land aktiv hatte die Patenschaft für die Ausstellung "Coburg in Miniatur" übernommen, die Oberfrankenstiftung Unterstützung zugesagt. Regionalmanager Stefan Hinterleitner war es, der durch unsere aufrüttelnde Berichterstattung im Juni auf den Verfall der Gebäudemodelle aufmerksam geworden war und zusammen mit Annabelle Menzner aus seinem Büro nach einer Lösung suchte - und fand.
Im Winter noch draußen
Tatsächlich hat sich einiges seither getan. Auf den ersten Blick allerdings nichts, was zuversichtlich stimmen würde. Aufgrund langwieriger und ergebnisloser Gespräche mit dem ehemaligen "Bauleiter" konnten die Modelle nicht wie vorgesehen, noch vor dem Winter abgebaut und zwischengelagert werden. Einziger Trost Hinterleitners: "Gut, dass wir keinen strengen Winter hatten."
Im Februar fingen der Coburger Steinmetz Martin Ruggaber und einige seiner Mitarbeiter mit dem Rückbau an. Kein leichtes Unterfangen, wie sich schnell herausstellte. Alle Gebäude wurden auf Fundamenten verklebt. Die Ehrenburg, die in Blockbauweise gebaut wurde, ließ sich leichter davon lösen als beispielsweise das Landestheater, das aus einem großen Teil besteht. Die Rosenauer Burg und das Ketschentor lassen sich gar nicht vom Sockel trennen. "Die halten ein Erdbeben aus", sagt Martin Ruggaber.
Deshalb hat man sich jetzt entschlossen, diese beiden Modelle in Folie einzupacken und zunächst auf der Ernstfarm zu belassen.
Theater aus dem 3D-Drucker?
Das Landestheater und die Arkaden bereiten großes Kopfzerbrechen. Zu verschachtelt und verklebt sind die einzelnen Platten. Jeder angesetzte Meißel richtet nur noch mehr Schaden an. Eine Rettung der Substanz ist nicht in Sicht. Da sind sich Ruggaber und Hinterleitner einig. Hinterleitner überlegt mittlerweile das Theater mit einem 3D-Drucker nachzubauen. Gespräche mit der Hochschule laufen bereits. "Aber so originalgetreu wird das dann natürlich nicht", gibt er zu Bedenken.