• Coburg: "Sonderbar" erlebt geringe Spendenbereitschaft bei Gratis-Konzert
  • Achtköpfige Band aus Hannover verdiente durch Spenden pro Kopf 20 bis 25 Euro
  • Betreiber Oliver Müller erklärt, weshalb er keinen gewöhnlichen Eintritt verlangt
  • "Kunst und Kultur sind Arbeit": Facebook-Diskussion nach Posting entflammt 

Die Coburger "Sonderbar" bietet Livekonzerte, DJ-Sets, Shows und Kleinkunst. Nachdem Betreiber Oliver Müller zuvor immer einen 3-Euro-Zuschlag auf das erste Getränk als Eintritt gefordert hatte, entschied er sich im Mai zu einem ersten Live-Konzert auf Spendenbasis. Mit dem Ausgang, dass er deutlich draufzahlen musste. "Mir ist wichtig, dass die Leute wissen, wie aufwendig so etwas ist", sagt er gegenüber inFranken.de. Um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, beschrieb er einen typischen Konzerttag auf Facebook und regte eine Diskussion über den Wert von Kultur an.  

Coburger Musik-Location erwartet mehr Wertschätzung - "nicht allzu selbstverständlich nehmen"

Seit 18 Jahren führt Müller seine "Sonderbar" - laut eigener Aussage in der Subkultur-Szene mit jungem Publikum die einzige Location Coburgs. 80 bis 100 Gäste fänden maximal in den Räumlichkeiten Platz. Für ein Konzert wie am Freitag (13. Mai 2022) mit der achtköpfigen Band "Passepartout" sei eigentlich ein Eintritt von mindestens 10 bis 15 Euro nötig gewesen, um die Kosten einigermaßen zu decken. Allerdings schrecke ein Eintrittsgeld im Vergleich zum 3-Euro-Aufschlag mehr ab, findet Müller. "Es ging mir darum, auch den Jüngeren zu ermöglichen, vollkommen unverbindlich mal reinzuschauen."

Das Experiment sei jedoch ernüchternd ausgegangen, so Müllers Fazit. Ohne den Aufschlag aus seiner eigenen Tasche hätte jedes Bandmitglied lediglich 20 bis 25 Euro mit nach Hause nehmen können. Insgesamt seien 260 Euro an Spenden zusammengekommen - bei circa 50 Gästen vor Ort. "Einige haben 20 Euro gegeben, da frage ich mich, was der Rest gespendet hat", schreibt Müller nach dem Konzert auf Facebook. "Ich möchte die Zeiten, in denen ich selbst drauflege, nicht mehr haben", betont er im Gespräch mit inFranken.de.

Er habe sich dazu entschieden, die Zeit vor, während und nach einem Konzert detailliert aufzuzeigen. "Man kann nur etwas wertschätzen lernen, wenn man weiß, was dahinter steht. Es ist eben mehr als nur eineinhalb Stunden Konzert." Ihm sei es wichtig, Sensibilität für Kultur vor allem im kleinen Rahmen zu schaffen, hält Müller fest. "Sie ist in der Regel nicht gewinnbringend. Es erfordert viel Engagement und Herzblut von allen Beteiligten und man sollte es nicht allzu selbstverständlich nehmen."

"Beschämend": Netz diskutiert über Wert von Kunst und Kultur

Am Tag des Konzerts habe das Personal die Bandwohnung für acht Personen gereinigt. Müller habe für 80 Euro Frühstück besorgt und dann mit dem Bühnenaufbau begonnen. Nach Eintreffen der Band sei seine Aufgabe dann gewesen, für das (leibliche) Wohl der Musiker zu sorgen. Bis 17 Uhr musste die Bühne fertig vorbereitet sein. Der Mischer sei dann ebenfalls für eine günstige Gage von 50 Euro zugegen gewesen. Nach Soundcheck, Abendessen und Konzert sei es an die Nachbetreuung der Band gegangen. Am nächsten Tag habe dann der Abbau angestanden. Das Konzert habe ihm selbst - inklusive GEMA-Gebühren - 700 bis 750 Euro gekostet, erklärt Oliver Müller. Das notwendige Equipment komme auf etwa 20.000 Euro.

Die Stadt Coburg gewähre ihm als Gewerbetreibendem keine Förderung. Falls auch sein Antrag bei der zentralen Fördereinrichtung der Bundesregierung "Initiative Musik" erfolglos bleibe, denke er über das Ende von Live-Konzerten in der "Sonderbar" nach, sagt Müller. "So kann und will ich nicht mehr weiter machen, ich kann mir das auch nicht mehr leisten", schreibt Müller auf der Facebook-Seite seiner Bar. "Ich mache es sehr gerne, aber nicht um jeden Preis", erläutert der "Sonderbar"-Betreiber inFranken.de. Sein Facebook-Post veranlasste mehrere Menschen, sich grundsätzlich zum Thema "Konzerte auf Spendenbasis" zu äußern.

"Ich bin immer dagegen, dass es freien Eintritt für Spende gibt. Kunst und Kultur sind Arbeit und kann nicht auf Spendenbasis entlohnt werden", schreibt etwa eine Nutzerin. Hierin habe sie zwar recht, sagt Müller. Doch nutze es am Ende auch für die Atmosphäre nichts, wenn zu wenige Leute kommen. Sänger und Liedschreiber Sino Dee kommentiert: "Als Berufsmusiker bekomme ich ständig mit, dass viele Menschen überrascht, sogar echauffiert sind, wenn du für ein ganzes Abendprogramm nicht mit 200 Euro zufrieden bist." Eine weitere Frau schreibt: "Kurz gesagt: Beschämend. Kultur kostet und das muss es uns wert sein".

Spendenfinanzierte Live-Konzerte: Coburger "Sonderbar" wagt zweiten Versuch

Am Samstag (28. Mai 2022) startet Oliver Müller einen zweiten Versuch in seiner Coburger "Sonderbar. "Ich habe jetzt viele Leute erreicht und bin guter Dinge, was das nächste Konzert betrifft. Wir werden noch ein bisschen auffälliger mit unserer Kasse durch die Menschen gehen und dann schauen wir, was passiert."