Der Spaziergang entlang der Wertschöpfungskette "Milch" war interessant, aber verdammt nass. Die Sechstklässler, die zusammen mit einem Team vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Weg von Tambach nach Neundorf auf den Hof von Bauer Kunzelmann einschlugen, mussten zunächst die Regencapes auspacken, die ihnen Gudrun Möckel vorsorglich mitgenommen hatte. Zur Stärkung gab es Vollkornbrot mit Frischkäse, einen Apfel und natürlich eine Packung Milch.
Gestärkt und wissensdurstig kamen die Schüler schließlich am Stall an, in dem nicht nur Familie Kunzelmann, sondern auch 80 neugierige Kühe auf sie warteten. Thomas Kunzelmann, der seinen Betrieb von der konventionellen Haltung derzeit auf biologisch umstellt, überraschte die Jugendlichen mit Zahlen: 40 Kilogramm Futter und über 100 Liter Wasser braucht eine Kuh am Tag, um etwa 25 Liter Milch geben zu können. Dafür staunte der Landwirt nicht schlecht, als die Schüler ihm problemlos die vier verschiedenen Mägen einer Kuh benennen konnten.
Eindringlich machte Kunzelmann, der den elterlichen Betrieb in der vierten Generation führt, dass die konventionelle Landwirtschaft in Zukunft nicht überleben wird. "Ein Umdenken hat bereits stattgefunden", gibt er zu, der selbst vor vielen Jahren anders dachte."Wollen wir wirklich überall die Chemie drin haben?!", fragt er provokant. Mittlerweile baut er am Stall einen Freilauf für seine Tiere, damit er sie an die geplante Weidehaltung gewöhnen kann.
Die Sechstklässler hören genau zu, was der Bauer erzählt. Dass die Kühe während des Fressens ab und zu mit ihrer rauen Zunge an ihren Pullis schlecken, stört sie nicht. Beeindruckt von der Hygiene in der Melkkammer und dem disziplinierten Tagesablauf eines Bauern, geht es schließlich zurück ins Dorf. Dort betreibt Nicole Kunzelmann eine Eisdiele und eine sogenannte Milchtankstelle, an der jeder die 4,5-prozentige Rohmilch zapfen kann.
An vier verschiedenen Stationen im Innenhof teilt Gudrun Möckel Arbeitsaufträge aus. Die Sechstklässler müssen jetzt zeigen, was sie bereits gelernt haben oder selbst mit Milch experimentieren. Während die einen ausprobieren, wie das Homogenisieren funktioniert, dürfen andere den Unterschied zwischen Supermarkt- und Bauernhofeis erschmecken. Und, wer hätte es gedacht: Das Supermarkteis mit seinem wesentlich höheren Zuckeranteil hat auch seine Fans. Was steckt alles in der Milch und wo ist der Unterschied bei den verschiedenen Sorten? Akribisch genau lesen die Zwölf- und Dreizehnjährigen das Kleingedruckte auf den Packungen und testen Schluck für Schluck. Der Unterschied zwischen der pasteurisierten Kunzelmann-Milch und der Bio H-Milch aus dem Coburger Milchhof überrascht viele. Ihr Resümee: "Wir hätten gar nicht gedacht, dass Milch so anders schmecken kann."
Am Ende bekommen sie noch ein frisch hergestelltes Eis direkt aus der Maschine. Von dem Brennnesselhalm, den ihnen Gudrun Möckel am Anfang ihres Spaziergangs gezeigt hat und der Bestandteil des Kuhfutters ist, bis hin zum cremigen Vanilleeis war es ein weiter Weg.