"Coburger Kloßküche" schließt: Aus für Traditionslokal nach 45 Jahren - "Risiko zu groß"
Autor: Isabel Schaffner
Coburg, Mittwoch, 08. Juni 2022
20 Jahre lang hat Marion Wackenhut für ein kleines Coburger Unternehmen gearbeitet, das seine Kundschaft mit einer besonderen lokalen Spezialität glücklich machte. Nach langen Überlegungen folgt in wenigen Wochen jedoch die unvermeidbare Schließung.
- "Coburger Kloßküche" schließt Ende Juni nach 45 Jahren
- "Risiko zu groß": Verschiedene äußere Umstände zwingen zum Entschluss
- "Es war eine Institution": Chefin und Kundschaft bedauern Entscheidung
- So schaut das Team in die Zukunft
Die "Coburger Kloßküche" im Norden des Stadtzentrums hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Coburger Kloßteig nach einem alten Familienrezept einen Namen gemacht. Die heutige Geschäftsführerin Marion Wackenhut musste für das Jahr 2022 jedoch einen bitteren Entschluss fassen: Ende Juni soll die Schließung erfolgen, teilt sie inFranken.de mit.
"Coburger Kloßküche": Corona, Kundenverhalten und Preispolitik tragen zur Schließung bei
45 Jahre lang habe sich das überwiegende Abholkonzept bewährt. Die Kundschaft findet hier unter anderem Schäufele, Sauerbraten, Rinderroulade, Schweinebraten - jeweils mit zwei "Rutschern" - oder den Klassiker "Kloß mit Soß'". Stolz zeigt das Team auf seiner Webseite Nachrichten begeisterter Kund*innen: "Danke, dass Sie jeden Sonntag für uns Klöße machen. Ein Sonntag mit Mittagessen. Die ganze Familie zusammen. Ohne Klöße undenkbar" und "Ihre Speisen sind ein Hochgenuss! Wir sind immer wieder begeistert", ist zu lesen.
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Wackenhut war mit Gründer Diethard Brödenfeld in zweiter Ehe verheiratet und führt die "Coburger Kloßküche" nach seinem Tod 2016. Dem kleinen Team aus einer Vollzeit-, zwei Teilzeitkräften und Minijobber*innen steht jetzt das Ende der Zusammenarbeit bevor. Verschiedene Aspekte hätten die Schließung herbeigeführt, erklärt sie.
"Corona und die Preispolitik sind nicht ganz unschuldig daran. Das Kaufverhalten der Kundschaft ist die Konsequenz daraus." Aufgrund der steigenden Preise müsse diese sich beispielsweise immer häufiger zwischen Tanken oder Essengehen entscheiden. "Ich kann es ihnen nicht verübeln", sagt Wackenhut verständnisvoll. Dazu käme, dass sich auch das Essverhalten allmählich hin zu vegetarischen Speisen wandele und im Herbst noch dazu der Mindestlohn steige.
"Da gehen wir durch" - Team begibt sich auf Jobsuche
"Der Mietvertrag ist außerdem ausgelaufen. Dadurch standen wir vor der Überlegung, ob wir verlängern oder nicht. Der Sommer fängt erst an, wo es immer etwas ruhiger ist. Wenn ich nicht weiß, wohin sich die Preise entwickeln, ziehen wir lieber die Reißleine und beenden es. Das Risiko ist mir zu groß, mich in etwas hereinzureiten", so die Geschäftsführerin. Dieser Entschluss sei ihr nicht leicht gefallen und sie habe lange überlegt. "Es war eine Institution. Ich bin jetzt 20 Jahre dabei und habe viele Menschen kennengelernt, oft gelacht und Anekdoten gesammelt."
Manche Stammkund*innen und Lokale hätten bestürzt reagiert und sich gefragt, wo sie jetzt ihre Klöße herbekommen. "Natürlich ist es schade und ich bedauere es, aber man muss auch weiter denken und den Schaden begrenzen." Das Personal sei jetzt auf der Suche nach neuen Jobs und auch Marion Wackenhut werde sich einer neuen Anstellung widmen müssen. Sie blickt aber zuversichtlich in die Zukunft: "Eine Tür schließt sich und eine andere macht sich auf. Den Kopf in den Sand stecken, bringt niemandem etwas. Da gehen wir durch. Irgendwas ergibt sich immer."