Schon zwischen 1920 und 1975 hatten die Coburger die Qual der Wahl: Coburg besaß in dieser Zeit bis zu sieben Lichtspielhäuser: Das Union-Theater ("UT") im Hahnweg, ab 1974 mit dem "Atelier im UT", das "Central" in der Badergasse und die Passage-Lichtspiele, dort, wo heute der Kaufhof steht; außerdem gab es das Burgtheater und das Casino in der Rosenauer Straße sowie die Kammerlichtspiele ("Kali") im Kanonenweg.
Mit den Jahren verschwanden die Coburger Kinos, eines nach dem anderen, bis schließlich um das Jahr 2000 nur noch das UT, Burgtheater und Casino übrig blieben; alle drei stark renovierungsbedürftig. 2001 wurden sie durch das moderne "Utopolis Multiplex" am Hahnweg ersetzt. An der selben Stelle, wo 1919 im Saalbau der ehemaligen Vereinsbrauerei das Union-Theater eröffnet worden war und wo man schon seit 1897 sogenannte "lebende Photografien" gezeigt hatte.


Streifzug durch Kinogeschichte

1930 Otto und Auguste Heublein übernehmen mit ihrem Sohn Alfred die Kammerlichtspiele im Kanonenweg - damals, neben dem UT, das zweite Kino in Coburg. Die Heubleins sind kinoerfahren: 1910 hatten sie in Burgkunstadt ihr erstes Kino eröffnet.

1932 Die filmbegeisterte und geschäftstüchtige Unternehmerin Margarethe Birnbaum übernimmt das UT. Sie lässt es umbauen und mit 800 Plätzen ausstatten.

1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg ist das UT zunächst von amerikanischen Truppen beschlagnahmt. Wenige Jahre nach Kriegsende erhält Margarethe Birnbaum ihr Kino zurück. Die Coburger nutzen nun die neu gewonnene Freiheit und leben ihren Nachholbedarf in Sachen Unterhaltung im Kino aus.

1949 Auch die Heubleins profitieren vom Kino-Boom in der Nachkriegszeit und eröffnen kurz vor Weihnachten das Burgtheater mit 1000 Plätzen in der Rosenauer Straße.

1955 bauen die Heubleins das Casino als Schwesterkino neben das Burgtheater. Es hat die damals modernste technische Ausstattung aller Coburger Kinos und wird am 28. Oktober mit dem Cinema-Scope-Farbfilm "Desiree" mit Jean Simmons und Marlon Brando eröffnet.

1959 Margarethe Birnbaum gründet unter anderem mit ihrem langjährigen Mitarbeiter Werner Gutmann die Vereinigte Coburger Lichtspiel-Theater Margarethe Birnbaum OHG. Dazu gehören das UT, das Central und die Passage-Lichtspiele.

1972 Den Coburgern geht ein Stück Kinogeschichte verloren: Das Passage-Kino, Teil der Hofbräuhallen in der Mohrenstraße, wird für den Neubau des Kaufhofs abgerissen. Alfred Heublein stirbt bei einem Autounfall. Seine Ehefrau Adelheid übernimmt die Geschäftsleitung.

1974 Für das etwas anspruchsvollere Publikum richtet Werner Gutmann im Obergeschoss des UT das "Atelier im UT" ein. Mit seinen 78 Plätzen und der plüschig-orangen Ausstattung mutiert es in den 80er und 90er Jahren zum Kult bei den Coburgern.

1978 Ein weiteres Stück Kinogeschichte geht zu Ende: Das Central wird geschlossen.

1979 Margarethe Birnbaum stirbt kurz nach ihrem 80. Geburtstag. Werner Gutmann führt nun die Firma als Alleininhaber weiter.

1982 Das Burgtheater wird zum "Burg Kino Center" erweitert. Es hat nun einen großen Saal und zwei kleinere Kinos.

1988 Noch einmal erhält die Coburger Kinolandschaft Zuwachs: Im ersten Stock des Burgtheaters wird das "Cinema" eröffnet.

1993 Werner Gutmann stirbt. Der Kino-Betrieb im UT läuft unverändert weiter. Die Immobilie gehört einer Erbengemeinschaft. Oskar Heublein, der Enkel Otto Heubleins, übernimmt das UT noch im selben Jahr und verfügt damit über insgesamt drei Kinos mit sieben Spielstätten: das Burg-Kinocenter, das Kali und das UT.

1996
Beide Kinocenter sind stark renovierungsbedürftig: Das "Burg" mit seinem 70er-Jahre-Charme ist nicht mehr zeitgemäß, am UT nagt der Zahn der Zeit. Die Treppe neigt sich, die Säulen am Eingang müssen gestützt werden. Oskar Heublein macht sich Gedanken, wie die Coburger Kinos in die Zukunft gehen könnten. Man brauche aber nicht gleich von "gigantischen Multiplexkinos wie dem Cinecitta in Nürnberg" zu träumen, sagt Heublein in einem Tageblatt-Interview.

1998 "Coburgs Kinolandschaft befindet sich vor dem Umbruch", heißt es im Tageblatt vom 13. März. Der Trend gehe zum Multiplex. Der Stadt liegen Pläne von vier Bewerbern vor: zwei für die Bertelsdorfer Höhe, einer fürs Hofbrauhaus und der vierte Interessent ist Oskar Heublein, der das UT erhalten will.

1999
Am 29. Juli fällt der letzte Vorhang im UT. Gezeigt wird der Director's Cut von "Das Boot".

2001
Am 11. April wird das "Utopolis" eröffnet. Casino und Burgtheater werden Anfang 2004 abgerissen.