Wie wirkt sich ein hundertjähriges Hochwasser von Sulz und Lauter auf das Gebiet zwischen Bertelsdorf und Coburg aus, wenn die B 4, einschließlich der Staatsstraße 2205, weiter gebaut wird? Diese Frage versuchte man Mitte der 80er Jahre mit Hilfe eines Hochwasser-Modells zu beantworten.
Die Bundeswehr-Universität Neubiberg hatte dafür eigens ein Hochwassermodell im Maßstab 1:45 entwickelt und auf ihrem Gelände aufgebaut. Auftraggeber war die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium. Das in Wirklichkeit 125 Hektar große Untersuchungsgebiet - 500 Meter breit und 2,5 Kilometer lang - wurde im Modell auf 700 Quadratmeter geschrumpft (19 Meter breit, 57 Meter lang). "Die Geodaten, die das Wasserwirtschaftsamt Bamberg ermittelte, wurden per Computer in die Modellmaße umgerechnet und wiederum per Magnetband auf eine computergesteuerte Laser-Schneideanlage übertragen und vollautomatisch
ausgeschnitten", hieß es in der Berichterstattung im Tageblatt vom 8. August 1989. Das ganze Modell stand letztendlich höhengenau auf 400 Kubikmetern Kies - inklusive der Bahnlinie nach Bad Rodach, der Kleingartenanlage Neuses und der (damals noch) stilisierten Trasse der Stadtautobahn/Nordring.


Beinahe wär's schiefgegangen

Anfang August 1989 reiste erstmals eine Delegation aus Coburg nach Neubiberg, um hautnah bei der Flutung des Modells dabei zu sein. Dass die Vertreter der Stadt Coburg bei diesem Termin durch Abwesenheit glänzten, sorgte für Irritationen - nicht nur bei den mitgereisten Lokalpolitikern aus dem Landkreis und dem Bezirk. Sechs Wochen später besichtigten dann auch der damalige Oberbürgermeister Karl-Heinz Höhn gemeinsam mit 50 weiteren Vertretern der Stadt Coburg das Modell. Beinahe wäre die Demonstration schief gegangen, weil kurz zuvor ein Bagger das Starkstromkabel zerstört hatte, mit dem die Pumpen betrieben wurden. Doch die Bundeswehr improvisierte und es konnte geflutet werden.


Goldbergsee in zwei, drei Jahren

Insgesamt erprobten die Spezialisten 16 Hochwasservarianten. Unterm Strich stand dann das Ergebnis, das auch die Tageblatt-Schlagzeile vom 20. September 1989 war: "Ohne Goldbergsee droht Hochwasserkatastrophe". Beim Ortstermin in Neubiberg war auch angeklungen, dass die "Forcierung der B 4 als vorrangig angesehen" werde und dass sich Bürgermeister Eduard Reichardt bemühen wolle, "eine gleichzeitige oder höchstens um zwei oder drei Jahre verschobene Realisierung des Goldbergsees voranzutreiben".
Bis der erste "Spatenstich" für den Goldbergsee erfolgte, dauerte es noch weitere 14 Jahre (12. Mai 2003). Erstmals angestaut wurde der See 2010.
Im Oktober 1993 war offizieller Baubeginn für den Nordring (B 4), 1998 die Verkehrsfreigabe. 2002 folgte der Anschluss an die Autobahn A 73. Seit 2008 ist die A 73 durchgängig befahrbar. Auf den Ausbau der Staatsstraße 2205 warten insbesondere die Bewohner von Neuses und Beiersdorf heute noch.