Ein Coburger Familienunternehmen schließt seine Türen nach über sieben Jahrzehnten für immer. Roman Kirsch packte die Leidenschaft zu seinem Beruf schon in den 1950ern, doch jetzt sei es an der Zeit, das Leben mit anderen Dingen zu füllen.
- Coburger Einrichtungsunternehmen "Roman Kirsch Raum und Idee" schließt
- Hotel oder Steuerzentrum: Kirsch blickt auf spannende Projekte zurück
- Neue Einrichtungsgewohnheiten und Onlineshopping bringen Wendung
- Was die Kundschaft für die letzten Tage wissen muss
Die Karriere des heute 75-jährigen Roman Kirsch stand im Zeichen schöner Einrichtung. In der Hindenburgstraße, Coburg, betreibt er sein Geschäft und Einrichtungsunternehmen "Roman Kirsch Raum und Idee". Das allerdings nur noch bis Ende Juli. Es sei an der Zeit, in den Ruhestand zu gehen, sagt er im Gespräch mit inFranken.de. Neben dem Alter habe das veränderte Kaufverhalten der Menschen zu der Entscheidung beigetragen.
Coburger Einrichtungsgeschäft schließt nach 70 Jahren - "haben fast überall gearbeitet"
Schon mit zehn Jahren arbeitete Roman Kirsch im kleinen Coburger Textilladen seiner Mutter mit. Vor allem der spätere Bauboom in den späten 1960ern und frühen 1970ern habe das Geschäft beflügelt, erinnert er sich. Nach einem Umzug in das Wohnbaugebäude in der Heiligkreuzstraße sei mit dem Mauerfall eine weitere erfolgreiche Zeit eingeleitet worden und das Geschäft habe langjährige Kunden gewinnen können. Im Alter von 45 Jahren habe Kirsch den Laden nach einem Schlaganfall seiner Mutter übernommen und sei seit 1996 in der Hindenburgstraße zu finden.
Wie bei seiner Mutter stamme sein Wissen aus Erfahrung. Das angefangene BWL-Studium habe mit der Arbeit im Geschäft nicht mithalten können. Seine Überzeugung wird deutlich, wenn er über den Beruf spricht: "Es ist befriedigend, dass ich zum einen schöpferisch sein kann und zum anderen Verwaltungsaufgaben habe. Alle Register deines Wesens sind gefordert, etwas zu schaffen. Dieser Ausgleich zwischen Schweiß und Kreativität hat vielleicht dazu beigetragen, dass ich gesund bin und etwas länger tätig sein durfte, als manch anderer."
"Wir haben fast überall gearbeitet, ob in Hotels, Büros, Schulen und vielen Wohnhäusern - auch für Pfarr- oder Freudenhäuser waren wir die richtigen Lieferanten", habe er einmal anlässlich einer Mitarbeiterehrung zum Arbeitsjubiläum festgestellt. Kirsch erinnert sich an ein besonderes Projekt in einem mallorquinischen Hotel. "Die Decke des Wellnessbereichs haben wir einem maurischen Zeltdach nachempfunden. Es ist das meistfotografierte Motiv geworden", berichtet er. Das Münchner Steuerzentrum mit etwa 1000 Fenstern habe er zudem mit Vorhängen ausgestattet.
"Viele Kunden sind zu Freunden geworden" - Geschäftsführer aus Coburg spürt Wehmut - dennoch steht das Wohnmobil bereit
Gerade dieser Vorhangtrend sei stark zurückgegangen. Seine Besuche in Online-Portalen führe ihm das immer wieder vor Augen. Das Internetgeschäft sei neben Ikea oder dem früheren Quelle-Katalog zu einer großen Konkurrenz geworden. Manche Kund*innen wollten beispielsweise von der Beratung profitieren, um die Produkte anschließend online zu kaufen. Immer wieder hätten er und seine Frau, die neben nun noch zwei Mitarbeitenden im Rentenalter mithelfe, die endgültige Schließung abgewägt. "Wozu weitermachen?", sei das Fazit gewesen. "Lieber spiele ich mit den Enkeln."
Einen Nachfolger zu suchen, habe Kirsch angesichts der Entwicklungen nicht als sinnvoll angesehen. Seine beiden Kinder hätten sich anderweitig orientiert. Roman Kirsch werde sicher seine Kundschaft vermissen. "Viele sind zu Freunden geworden." Für die restlichen geöffneten Tage stehe ein Räumungsverkauf an, alle offenen Aufträge würden fertig bearbeitet, versichert er.