Nein, gestorben ist niemand. Doch der mit einem schwarzen Tuch bedeckte Sarg, der da am Samstagvormittag zwischen dem farbenfrohen Angebot aus Gemüse, Obst und Blumen die erstaunten Blicke auf sich zog, sollte zeigen, dass es vielleicht bald einen Toten zu beklagen gibt: den Coburger Wochenmarkt.

Organisiert wurde die ungewöhnliche Aktion von Claudia Hartan (Erster Vorstand der Coburger Marktkaufleute), von der Obst- und Gemüsehändlerin Sandra Barthelmes ("Sunny Fruits" aus Dietersdorf) sowie vom fraktionslosen Stadtrat Alper Hasirci, der sich jüngst im Wahlkampf als "der Kandidat des Wochenmarkts" bezeichnete und dessen Familie seit vielen Jahren ebenfalls einen Stand auf dem Wochenmarkt hat.

Kondolenzliste liegt aus

Hasirci war es auch, der - in Absprache mit den Marktbeschickern - mehrere Anträge eingebracht hatte, die aber fast ausnahmslos abgelehnt wurden (siehe dazu die Auflistung am Textende: "Was fordern die Marktbeschicker?"). Allen voran Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) hatte in der Stadtratssitzung darauf verwiesen, dass ja ohnehin bereits ein Konzept erstellt werde, was genau getan werden könnte, um den dauerhaften Erhalt der Märkte sicherzustellen. Diesem Konzept sehen die Marktbeschicker jedoch skeptisch entgegen. In einem Offenen Brief schreibt Claudia Hartan: "Wir hoffen, dass diese Studie in Zusammenarbeit mit uns verwirklicht wird und nicht über unsere Köpfe hinweg. Denn wir wissen am besten, was wir und die Innenstadt insgesamt brauchen."

Doch zurück zum Sarg auf dem Marktplatz. Neben ihm war auch noch eine "Kondolenzliste" ausgelegt. Besucher wurden gebeten, sich per Unterschrift mit den Marktbeschickern zu solidarisieren und auf diese Weise ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wie Sandra Barthelmes dem Tageblatt auf Anfrage sagte, kamen am Samstag 223 Unterschriften zusammen. Und: An den kommenden Markttagen soll weiter gesammelt werden. Auch der Sarg werde ab sofort jeden Markttag dort stehen - "bis die Forderungen erfüllt sind", so Sandra Barthelmes. Denn wenn der Wochenmarkt keine attraktiveren Rahmenbedingungen bekomme, so die große Sorge, gehe es an die Existenz. "Viele unserer Händler sind im Rentenalter, Nachwuchs ist nicht viel da", gibt Sandra Barthelmes zu bedenken und sagt: "Wir sind das Herz der Innenstadt! Das Herz wurde schon lahm gelegt - nehmt uns nicht noch den Atem. Das Nächste ist ein Infarkt."

Für nächsten Samstag sind laut Sandra Barthelmes noch weitere Aktionen geplant. Um 10 Uhr soll für fünf Minuten das Marktgeschehen ruhen - "als eine Art Trauerminute", wie Sabine Barthelmes erklärt. Außerdem werde sie im Namen alle Marktbeschicker Trauerkarten an Alper Hasirci - "als Vertretung für den Stadtrat" - übergeben.

Heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken

Vor allem auf Facebook wird bereits heftig über die Sarg-Aktion und die konkreten Anliegen der Marktbeschicker diskutiert. Manche empfinden die Sache mit dem Sarg geschmacklos - andere verteidigten sie, weil es nun einmal darum gehe, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Stadträtin Melanie Becker (Grüne) zeigte sich verwundert, dass die Marktbeschicker offenbar ausnahmslos Alper Hasirci als Ansprechpartner haben. "Gerne können alle Stadträte angesprochen oder angeschrieben werden", erklärte sie. "Wir müssen uns nicht vertreten lassen."

In der Facebook-Gruppe "Coburger Stadtgespräche" meldete sich dann auch noch OB Dominik Sauerteig mit einem interessanten Beitrag zu Wort. Er schrieb: "Die Stadtverwaltung arbeitet konzentriert mit einem renommierten Beratungsunternehmen an einem Marktkonzept zum dauerhaften Erhalt der Märkte! Das ist auch den Markthändlern bekannt. (...) Meine Türen stehen allen Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der zeitlichen Zwängen, denen mein Alltag unterliegt, offen. Ich nehme mir auch ohne Terminvergabe Zeit für spontan an der Tür klopfende Bürger. Ich bin hier und auf anderen Kanälen direkt ansprechbar. Eine direkte Kontaktanfrage der Markthändler bei mir gab es noch nicht. Mein Büro wird nun aber selber aktiv und lädt Frau Hartan zu einem Gespräch. Schönes Wochenende!"

Was fordern die Marktbeschicker?

Nicht weniger als sieben Stadtratsanträge hat der fraktionslose Stadtrat Alper Hasirci gestellt. Diese waren in Zusammenarbeit mit den Marktkaufleuten erarbeitet worden. Doch in der Stadtratssitzung im Juli wurden fünf davon abgelehnt, einer wurde zumindest in den Geschäftsgang verwiesen, und einen weiteren zog Hasirci zurück.

Ein Überblick:

  1. "Senkung der Marktgebühren für 2020 um die Hälfte aufgrund der Corona-Krise." - Dieser Antrag wurde im Stadtrat mehrheitlich abgelehnt.
  2. "Bestands- und Marketingkonzept für die Coburger Märkte, um diese zu einer Marke von Coburg aufsteigen zu lassen." - Diesen Antrag zog Hasirci zurück, weil die Stadt ohnehin bereits ein Konzept zum "dauerhaften Erhalt der Märkte" erstellt.
  3. "Schaffung weiterer Kurzzeitparkplätze in der Nähe des Marktplatzes an Markttagen (maximale Parkdauer 30 Minuten, insbesondere in der Ketschengasse)" - Dieser Antrag wurde im Stadtrat mehrheitlich abgelehnt.
  4. "Schaffung von Parkplätzen für die Coburger Markthändler in der Nähe des Marktplatzes (Schlossplatz, Wettiner Anlage wird bevorzugt)" - Dieser Antrag wurde im Stadtrat mehrheitlich abgelehnt.
  5. "Unentgeltliche Parkstunde für die Besucher der Coburger Märkte (Konzepterarbeitung)" - Dieser Antrag wurde im Stadtrat abgelehnt.
  6. "Unentgeltliche Parkstunde in der Innenstadt begrenzt auf das Jahr 2020, um die Gewerbetreibenden in der Corona-Krise zu unterstützen." - Dieser Antrag wurde abgelehnt.
  7. "Unentgeltliche Busbeförderung durch eine einfache Fahrt in die Innenstadt begrenzt auf das Jahr 2020, um die Gewerbetreibenden in der Corona-Krise zu unterstützen." - Dieser Antrag wurde in den Geschäftsgang verwiesen. Das heißt: Die Verwaltung erarbeitet einen Vorschlag dazu.