Es war ein schreckliches Bild, dass sich den Verkehrsteilnehmern am Samstagnachmittag auf der dreispurigen A2 nahe Magdeburg bot. Nachdem ein 44-jähriger Pkw-Fahrer ungebremst in ein Stauende gefahren war, verletzten sich sechs Menschen schwer, einige lagen nach Polizeiangaben verletzt auf der Straße. Die Wucht des Aufpralls hatte mehrere Fahrzeuge aufeinander geschoben.

Das anschließende Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer hat jetzt eine Debatte über Hilfe im Notfall ausgelöst: Laut Polizeiangaben waren zehn bis 15 Fahrzeuge an den Verletzten vorbeifahren, ohne zu helfen. Sie drängelten sich über den Standstreifen am Unfallort bei Schackensleben vorbei, die Polizei sprach von einem "unbeschreiblichen Verhalten". Einsatzkräfte hätten dies beendet, indem ein Streifenwagen auf den Standstreifen gestellt wurde.

"Hilfe war noch vonnöten"

Die Polizei ermittelt jetzt wegen unterlassener Hilfeleistung gegen unbekannt und sucht nach Zeugen. Laut der Sprecherin der Autobahnpolizei Börde in Sachsen-Anhalt, Doreen Günther, hätten zwar einige Leute angehalten. Aber ihre Zahl habe angesichts der großen Menge der Verletzten nicht ausgereicht. "Hilfe war noch vonnöten."
Unterlassene Hilfeleistung - das kommt in Deutschland jeden Tag viele Male vor. Die amtliche Kriminalstatistik für das Jahr 2013 listet fast 1800 Fälle auf. Die Dunkelziffer dürfte groß sein. Laut Straßenverkehrsordnung müssen Beteiligte nach einem Unfall sofort halten, den Verkehr sichern und Verletzten helfen. Wer nicht hilft, obwohl dies erforderlich und ihm das den Umständen nach zuzumuten ist, wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft.

Entgegen ersten Berichten hat die Polizei bei dem Unfall auf der A2 keine Hinweise, dass Gaffer vom Unglücksort auch noch Handy-Fotos gemacht haben. Wer dies allerdings tut und die Aufnahmen verbreitet, macht sich ebenfalls strafbar. "Auch hier drohen Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr", erklärt Anne Höfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Opfer hätten zudem die Möglichkeit, den Zivilrechtsweg zu beschreiten.

Regeln bei einem Unfall

Für Zeugen eines Unfalls gelten klare Regeln: Zunächst sollte man sofort die Warnblinkanlage einschalten und in sicherem Abstand zur Unfallstelle auf dem Standstreifen anhalten. Anschließend unbedingt die Warnweste anziehen, vorsichtig aussteigen, möglichst hinter der Leitplanke laufen und das Warndreieck mindestens 100 Meter (auf der Autobahn mindestens 150 Meter) vor der Unfallstelle aufstellen. Erst danach soll der Notruf über die Nummer 112 abgesetzt werden.

Bei der Ersten Hilfe sollten zuerst die lebenswichtigen Funktionen des Unfallopfers überprüft werden: Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung den Verletzten in die stabile Seitenlage bringen. Atmet das Unfallopfer nur noch unregelmäßig oder gar nicht, sollte man die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Zudem sollte man starke Blutungen mit einem Druckverband stillen und unter Schock stehende Personen betreuen. Und: Verletzte nicht alleine lassen.

Was die Polizei in diesem Zusammenhang ebenfalls rät: Die Erste Hilfe-Kenntnisse sollten regelmäßig aufgefrischt werden. Hierzu kann man sich an Rettungsorganisationen und Automobilclubs wenden. chp