Der Kampf gegen das Coronavirus ist der aktuell wichtigste der letzten Jahrzehnte. Insofern ist es auch keine Überraschung, dass zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Forscher und Forscherinnen und Experten und Expertinnen sich mit möglichen Wegen beschäftigen, das Virus unschädlich zu machen. Ein Unternehmen, das dabei besondere Wege geht, ist das „BioMed“ Center aus Bayreuth.

Das Institut ist nach eigenen Angaben bislang Deutschlandweit das einzige, welches zur Überprüfung auf wirksamen Schutz vor dem Coronavirus mit der menschlichen Virus-Variante arbeite. Nämlich dem sogenannten „Coronavirus 229 E“. Dieses habe laut Angaben des BioMed-Geschäftsführers Daniel Seitz „entscheidende Merkmale von Sars-CoV-2“. Der Geschäftsführer erklärt, dass sich die Coronaviren vor allem in ihrem Aufbau unterscheiden. Genauer gesagt: in ihrem Andockprotein.

Coronavirus: Bayreuther Forscher entdecken Unterschiede

Dieser Unterschied sei wichtig. Der Forscher schildert, dass die Viren zur Unterscheidung in vier unterschiedliche Gattungen untergliedert werden. Das verwendete Coronavirus 229E gehört dabei zu der Gattung des Alphacoronavirus. Dabei habe das verwendete Coronavirus „229E“ einen besonderen Vorteil. Es löse in der Regel nicht mehr als eine leichte Erkältung aus und sei zudem weit verbreitet. 
Geschützt werden die Forscher durch ihre sogenannte Sicherheitswerkbank. Die schützt die Wissenschaftler vor Aerosolen, weil ein Luftstrom die Tröpfchen von den Experten wegführt. Aufgefangen werden die Aerosole in einem Schwebstofffilter.

Die sogenannten „echten“ Sars-Viren gehören laut den Forschern zu der Gattung des Betacoronavirus. Das Institut erklärt auf seiner Website: „Der Menschheit wurde zuerst Sars bekannt, benannt nach seinen fatalen Symptomen: Severe acute respiratory syndrom, den schweren Atemproblemen. Dann kam MERS (Middle East Respiratory Syndrome), und jetzt kämpfen wir mit Sars-2, genau genommen ‚Severe acute respiratory syndrom Human Coronavirus 2‘ – Sars-CoV-2.“

Wie effektiv ein Produkt gegen das Coronavirus ist, testen die Forscher des BioMed-Centers aus Bayreuth nach dem drei-Schritte-Prinzip.

  • Belegung mit Virus: Eine Probe wird entweder mit einem Sprühnebel oder einem Tropfen der Virussuspension beimpft.
  • Probennahme: Das Virus wird einer Lösung von der Probe entnommen.
  • Auswertung: Die Wirkung des Virus auf Zellen in einer Zellkulturplatte wird ausgewertet und daraus die verbleibende Viruslast berechnet.

Bayreuther Forscher mit speziellem Testverfahren

Das Forschungsinstitut BioMed Bayreuth führt nach eigenen Angaben zudem das klassische Verfahren der antiviralen Testung durch. Beispielsweise auch Oberflächen die Antiviral wirken sollen oder die Simulation der Tröpfchen Übertragung. Eine Besonderheit von BioMed Bayreuth ist der sogenannte Sprühnebeltest. Dieser wird vor allem bei Oberflächen eingesetzt. Damit simulieren die Forscher ein Niesen oder Sprechlaute. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärt der Geschäftsführer Seitz: "Mit dieser Eigenentwicklung können wir die Aerosole im Labor erzeugen."

Corona-Selbsttest online kaufen: Angebot bei Aponeo anschauen

Beim Testungsverfahren habe man stets die antivirale Wirkung im Fokus. Außerdem werde das Verhalten des Virus auf Substanzen und Lösungen auf Basis der Leitlinien des Robert Koch-Institutes analysiert. Das beobachtete Verhalten der Viren auf die unterschiedlichen Tests werde dann protokolliert und festgehalten. Wichtige Indikatoren dabei seien unter anderem die Tröpfchengröße, Zeit sowie die „Belegungssubstanzen“ wie unter anderem Proteine oder Fette. Der Oberbegriff, unter dem dieses Testverfahren durchgeführt wird, ist „Antiviral“.

Unter „Antiviral“ verstehen die Experten, dass ein Wirkstoff, eine Materialoberfläche oder ein Verfahren dazu führt, dass das Virus keine Infektion mehr auslösen kann.
Selbstverständlich sei das in der Praxis von vielen Faktoren abhängig und nicht immer eindeutig einer Maßnahme zuzuordnen. Daher habe das Institut die Testpraxis so definiert, dass „die Infektion entsprechend für den Virus empfänglicher Zielzellen durch die Maßnahme verringert wird – und zwar so erheblich, dass dies eine Infektion verhindern würde“.

Coronavirus eindämmen: Bayreuther Forscher testen neues Mittel

Laut BioMed Bayreuth kann eine antivirale Wirkung auf unterschiedliche Art erzeugt werden:

  • Das Virus wird zerstört
  • Wesentliche Bestandteile des Virus werden beschädigt:
    - Das Hüllprotein, sodass er nicht mehr in Zellen eindringen kann.
    - Die Erbinformation, sodass er nicht mehr wirken kann.
    - Wesentliche Proteine, sodass die Infektionskette gestört ist.
    - Die Membran wird gestört, sodass die Hülle oder das Erbgut des Virus signifikant beschädigt werden kann.
  • Retention: Viren werden gebunden oder festgehalten (bis sie zerfallen)
  • Maskierung: die Andockstellen (Hüllproteine) werden belegt

In dem andauernden Kampf gegen das vorherrschende „Coronavirus“ gebe es laut Geschäftsführer Seitz noch viel Raum für neue Lösungen. Er erklärt, dass vor allem mittelständische Unternehmen sowie Hochschulen antiviralen Lösungen arbeiten würden. Doch damit auch weiter effizient geforscht werden könne, sei es genauso wichtig neue Fördermittel zugesprochen zu bekommen, hält Seitz gegenüber dem „BR“ fest.