Bayreuther Festspiele: Chefin Wagner äußert sich so politisch wie noch nie
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Bayreuth, Samstag, 25. Juli 2026
Die Bayreuther Festspiele sind eröffnet. In ihrer Begrüßungsrede zum Jubiläum der Bayreuther Festspiele äußert sich Chefin Katharina Wagner so politisch wie vielleicht noch nie.
"Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit", sagte die Urenkelin des Komponisten und Festspiel-Gründers Richard Wagner. Darum sei das Jubiläum "weit mehr als ein Anlass, zu feiern". Ziel müsse es sein, "die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären" – "damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet".
Zu ihrem 150-jährigen Bestehen stellen die Bayreuther Festspiele sich entschieden gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Es gehe darum, "hier Nein zu sagen" gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte Festspiel-Leiterin Katharina Wagner beim Festakt zum Jubiläum. Die gelte vor allem "wegen der sehr persönlichen Verknüpfung" ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler. Kurz vor dem Festivalbeginn musste Wagner noch ins Krankenhaus.
Bundeskanzler Merz: "Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung"
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an die dunkle Seite der Festspielgeschichte und auch Wagners selbst, dessen Antisemitismus immer wieder Anlass zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Komponisten gibt.
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Er zitierte Thomas Mann und empfahl bei Wagners Musik: "genießen, aber nicht ohne Misstrauen".
"Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung", sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie bei den Bayreuther Festspielen geschehe: "Spät, aber es ist geschehen".
Wagner entschuldigt sich erneut bei Friedman
Merz dankte den Festspielen, dass "die zwischenzeitlichen Irritationen" um eine zeitweise abgesagte Gedenkveranstaltung für verfolgte jüdische Musiker inzwischen ausgeräumt seien.
Intendantin Wagner entschuldigte sich in ihrer Begrüßung noch einmal explizit bei Michel Friedman, der die Absage und seine Ausladung öffentlich gemacht hatte. Sie sprach von "Unstimmigkeiten und Fehlern im Vorfeld, die wir zu verantworten haben".


