Die roten Verdi-Fahnen flattern im Herbstwind entlang des Margarethendamms. Gut 150 Kolleginnen und Kollegen von Stadtwerken, Stadtbussen, Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt, kurz EBB, sowie Teile von Garten- und Friedhofsamt bilden - gehüllt in Warnwesten - vor dem Verwaltungssitz der städtischen Beteiligung eine Menschenkette hinüber ins Hafengebiet zum EBB. Auf Pappschildern steht "Streiken gegen das Vergessen".

Es ist der zweite Warnstreik innerhalb von zwei Wochen, mit dem die Busfahrer den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt stillstehen lassen. Nun gesellen sich Beschäftigte aus den genannten Abteilungen dazu, um Druck auf die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst zu machen. Bayernweit werden schwerpunktmäßig mittlere und größere Städte bestreikt.

"Ich streike weiter, weil es nicht sein kann, dass Busfahrer weniger verdienen als andere Mitarbeiter bei den Stadtwerken", findet ein Busfahrer, der seit neun Jahren in Bamberg hinter dem Lenkrad sitzt. "Die Verantwortung in unserem Job ist hoch und das wird nicht gewürdigt", meint ein Kollege. Weil die Arbeitgeber noch immer kein Angebot vorgelegt haben, bleibe nichts anderes übrig als weiter zu streiken.

Für Stephan Meyer ist die Lohnerhöhung längst überfällig: "Wir müssen bei jedem Wetter zur Frühschicht raus, damit die Stadt gepflegt ist und der Müll abgeholt wird." Das habe die Belegschaft in der Corona-Krise unter Beweis gestellt, ist sich der Personalratsvorsitzende des EBB sicher. Teil des öffentlichen Dienstes zu sein, sollte nicht täuschen, dass die Bezahlung trotzdem zu wenig sei. Allein 60 Menschen aus seiner Belegschaft sind an diesem Freitag am Start. Das betont auch Johannes Porzelt, Gesamtbetriebsrat der Stadtwerke Bamberg: "Wenn gesagt wird, dass ihr froh sein könnt, einen sicheren Job zu haben, dann ist das ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten!" Damit werde vermittelt, dass die Arbeit der Stadtwerke-Mitarbeiter nichts wert sei. Es brauche unter anderem bei den Busfahrern eine gute Bezahlung auf Facharbeiterniveau, um den Nachwuchsmangel in den Griff zu bekommen. Vor den anstehenden Verhandlungsrunden hält Porzelt ein Einlenken der Arbeitgeber auf die Forderungen von besseren Arbeitszeitregelung, kürzeren Wochenarbeitszeiten und mehr Gehalt für unwahrscheinlich.

Vielfältiger Beistand

Gerade in Sachen Nahverkehr bekommt die Gewerkschaft vielfältigen Beistand: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass uns Fridays for Future und die Organisation Attac im Tarifkampf weiter unterstützen", freut sich Dirk Schneider, Gewerkschaftssekretär bei Verdi.

Auf Nachfrage bei den Stadtwerken waren die Einschränkungen durch den Streik vor allem auf den Busverkehr beschränkt, welcher komplett stillstand. Im Servicezentrum am ZOB und im Bambados sei der Betrieb ohne Einschränkungen weitergelaufen.

"Wir sind gespannt auf das angekündigte Angebot der Arbeitgeberseite", erklärte Verdi-Geschäftsführerin Doris Stadelmeyer. In dem Wissen, dass es kein zufriedenstellendes erstes Angebot werden könnte, stehen bereits jetzt Aktionen im Raum: In der kommenden Woche soll eine symbolische Aktion kleine Abteilungen an Beschäftigten aus allen Bereichen des öffentlichen Dienstes vereinen, um sichtbar zu machen, wie relevant diese Belegschaften sind. Im Vorfeld der Verhandlungsrunde vom 22. bis 24. Oktober könnte eine Demonstration stattfinden, um noch einmal "zu zeigen, womit die Arbeitgeberseite rechnen muss".