Druckartikel: Zu Rammstein wird gejodelt

Zu Rammstein wird gejodelt


Autor: Harald Rieger

, Samstag, 18. Juni 2011

Sie nennen sich Global Kryner, sind Österreicher und wirbeln seit 2002 den musikalischen Markt durcheinander. Denn sie kombinieren die volkstümliche Oberkrainer-Musik mit Pop- und Jazz-Elementen oder interpretieren Rammstein-Klassiker wie "Engel" auf alpine Art.


Im Rahmen ihrer Tour durch Deutschland gastieren die Global Kryner mit Stücken aus ihrem neuen Album am 7. Juli beim Bundesbezirksmusikfest des Jugendblasorchesters "Eintracht" Oberhaid. Zuvor jedoch stand der Bandgründer Christof Spörk unserer Zeitung Rede und Antwort. Der Auftritt der Global Kryner ist am Donnerstag, 7. Juli, um 20.30 Uhr im Festzelt in Oberhaid (Einlass 19.30 Uhr - freie Platzwahl)

Karten gibt es an der Avia-Tankstelle in Oberhaid, beim bvd in Bamberg oder im Internet unter www.bvd-ticket.de

Vom Politikwissenschaftler zum Musiker. Ein ungewöhnlicher Weg. Wann haben Sie entdeckt, dass Sie Berufsmusiker werden wollen?
Bandgründer Christof Spörk: Die Liebe zur Musik war eigentlich sehr früh vorhanden. Ich habe bereits mit meiner Familie als Kind schon immer musiziert. Auch hatte ich während meines Studiums bereits eine Band gehabt. Und so hat sich dann auch letztendlich die Musik durchgesetzt. Allerdings hatte ich zuvor mein Studium beendet und habe eineinhalb Jahre bei einem österreichischen Magazin gearbeitet, welches vom Profil her in etwa mit der deutschen Zeitschrift "Spiegel" vergleichbar ist. Es war eine interessante Arbeit, die mich aber nicht so erfüllt hat, wie die Musik. Zumal ich in der glücklichen Lage war, bereits vor und während meines Studiums immer von der Musik leben zu können.
Sie nennen sich "Global Kryner". Ein nicht ganz alltäglicher Name. Wie kam es dazu?
Im Jahre 2002 hat mich eine Veranstalterin gebeten, etwas Lustiges für ein Festival zu machen. Unsere Idee war es, die Oberkrainer-Musik einmal ganz anders darzubieten: nämlich in Kombination mit Popmusik und Jazz. Nach diesem Auftritt haben wir dann sehr schnell gemerkt, dass diese Art der Musik sehr gut beim Publikum ankam. Viele Zuhörer haben sich angesprochen gefühlt. Daher haben wir beschlossen aus dem ursprünglich einmaligen Projekt mehr zu machen. Wir haben uns dann personell neu aufgestellt und 2004 unser erstes Album auf den Markt gebracht, welches auf Anhieb ein großer Erfolg wurde. Der Name selbst war ein logisches Resultat. Denn wir wollten Oberkrainer-Musik globalisieren und daher das Wortspiel.

Warum haben Sie aber gerade die Oberkrainer-Musik gewählt?
Ich habe immer Volksmusik gespielt. Auch in der Musik-Szene, in der ich mich bewegt habe, war die Basis stets die Volksmusik. Wir haben sie allerdings immer kombiniert mit neuen, frischen Ideen. Daher war für mich immer klar, dass egal was ich musikalisch mache, es einen Bezug zur Volksmusik haben wird. Ich war aber nie Rockmusiker genauso wenig wie reiner Oberkrainer. Denn gerade die Oberkrainer-Musik war teils sehr negativ behaftet und wurde als Bierzelt-Musik abgestempelt.
Doch gerade darin lag der Reiz und Spaß für uns, daraus etwas zu machen, was in der intellektuellen Volksmusik-Szene verpönt war: nämlich Oberkrainer zu spielen. Ich muss jedoch gestehen, eine verbotene Liebe zu diesem Sound war immer da.

In welche Stilrichtung würden Sie sich selbst einordnen?
Es wird immer wieder versucht uns in Schubladen zu drücken. Wir haben unserem Stil eine Zeit lang als Alpine Weltmusik bezeichnet. Wir sind aber auch ein stückweit Musikkabarett, weil wir einen starken parodistischen Hang haben und manchmal die Dinge nicht ganz ernst nehmen. Letztendlich bewegen wir uns zwischen Volksmusik, Jazz und Weltmusik. In eine einzige Schublade passen wir, denke ich, aber nicht hinein, wollen wir auch gar nicht.

Sie haben inzwischen sowohl beim Musikantenstadl als auch im Wiener Jazzclub gespielt. Wo fühlt die Band sich mehr Zuhause?
Gerade am Anfang war natürlich der Reiz möglichst breit gefächert aufzutreten. Man kann jedoch nicht sagen, dass wir nun auch überall dort zu Hause sind. Natürlich ist der Wiener Jazzkeller für uns jetzt interessanter als der Musikantenstadl. Die meisten Konzerte spielen wir in Clubs, also auf Veranstaltungen, die all das auffangen, was keine klaren Kategorien hat. Egal, wo wir aber spielen, wir fühlen uns am wohlsten, wo Konzertatmosphäre möglich ist und rüber kommt.

Inzwischen finden sich immer mehr kabarettistische Jazz-Stücke auf ihren Alben wieder. Was hat es damit auf sich?
In der Substanz war diese schon immer da. Selbst bei unserer ersten CD war das Kabarettistische schon vorhanden, wenn auch nicht ganz so offensichtlich. Auf unserem aktuellen Album spielen wir Lieder von Rammstein und den Ärzten. Wenn wir nun diese Lieder interpretieren, hat es automatisch einen satirischen Effekt, ob man will oder nicht. Ich denke es liegt letztendlich am Empfänger wie wir gesehen werden: die einen sehen uns als reine Musikband, andere als Parodiegruppe.

Ihre Homepage ist ins Englische aber auch ins Chinesische übersetzt. Ist dies einer Ihrer Scherze und gar kein echtes Chinesisch? Oder hat es einen anderen tieferen Sinn?
Nein, dies ist kein Scherz, sondern echtes chinesisch. Unser Ziel ist es, eines Tages einmal in China zu spielen und daher haben wir schon einmal vorsorglich die Seite übersetzen lassen. Ob sie allerdings durch die chinesische Zensur durchgeht, kann ich nicht beantworten. Es ist eine Investition in die Zukunft. Denn eines Tages werden wir wohl sicherlich im Reich der Mitte spielen.

Auf was dürfen sich die Fans in Oberhaid freuen?
Es wird ein gemischtes Programm. Wobei der Schwerpunkt des Abends bereits auf unseren neuen Liedern aus dem Album "Cover Storys" liegen wird. Wir werden in Oberhaid unter anderem Rammsteins "Engel" als Jodellied den Fans präsentieren und den Ärztesong "Männer sind Schweine" neu interpretiert darbieten. Ich denke es wird sehr unterhaltsam werden.

Der Auftritt der Global Kryner ist am Donnerstag, 7. Juli, um 20.30 Uhr im Festzelt in Oberhaid (Einlass 19.30 Uhr - freie Platzwahl) Karten gibt es an der Avia-Tankstelle in Oberhaid, beim bvd in Bamberg oder im Internet unter www.bvd-ticket.de