Die Ansiedlung eines weltweit tätigen Automobilzulieferers mit 600 hochmodernen Arbeitsplätzen und eine realistische Aussicht auf weitere Jobs: Die Freude in Bamberg bei der Eröffnung der neuen Verwaltungsgebäude der Brose-Gruppe am Donnerstag hätte nicht größer sein können.

In der nördlichen Nachbarstadt Coburg dürfte der Blick auf die Feierlichkeiten in Bamberg etwas anders ausfallen. Die Rede von Jürgen Otto, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Brose-Gruppe, war eine klare Ansage: "Wenn in Coburg nach der weitgehenden Abkoppelung vom ICE-Netz auch kein neuer Verkehrslandeplatz mit Instrumentenflugregelung gebaut wird, werden wir uns damit beschäftigen, weitere Funktionen, insbesondere solche mit hoher Reisetätigkeit, nach Bamberg zu verlegen", sagte Otto.

Platz genug für eine Erweiterung auf das Mehrfache der jetzigen Kapazitäten wäre in Bamberg vorhanden: Nach dem im Mai 2012 geschlossenen Ansiedlungsvertrag mit der Stadt Bamberg erwarb die Brose-Gruppe 75 000 Quadratmeter, von denen in denen nur ein Teil bebaut ist. Für weitere 37000 Quadratmeter direkt neben dem Flughafen besteht eine Option. Otto bestätigte, dass die Ansiedlung in Bamberg im wesentlichen von der Gunst der Anbindung Bambergs getrieben war: Den Flugplatz im Rücken, die Autobahn in Sichtweise, mit dem Gleis bestens erschlossen biete die Stadt optimale Bedingungen für drei der wichtigsten Unternehmensfunktionen, die seit März hier beheimatet sind. Insgesamt 600 Mitarbeiter kümmern sich in einer hochmodernen Bürolandschaft um den weltweiten Einkauf in Milliarden-Euro-Höhe, sie treiben die Entwicklung neuer Produkte voran. Und hier schlägt auch das "digitale Herz" des weltweiten Unternehmens.

Wie sehr der neue Brose-Standort in Bamberg auf Erweiterung ausgelegt ist, zeigt sich am benachbarten Sozialgebäude. Es beherbert das Firmenrestaurant, bietet jede nur denkbare sportliche Entspannungsmöglichkeit und erscheint für noch 600 Mitarbeiter reichlich überdimensioniert. Die der Terrasse vorgelagerte Teichlandschaft hat Brose-Gesellschafter Michael Stoschek übrigens selbst geplant, ebenso die Außenbeleuchtung der Anlagen und ihre Eingrünung.

Den Festakt zur Eröffnung der 60 Millionen Euro teueren Bürokomplexes verfolgte der 68-jährige Firmenpatriarch mit sichtlichem Wohlwollen. "Es war absolut nicht selbstverständlich, dass der Stadtrat in Bamberg einstimmig dem Vorhaben zugestimmt hat", lobt er im Gespräch die Bamberger Politik. Die Aussichten, dass ein neuer Flugplatz in Coburg gebaut wird, schätzt er indes schlecht ein. "Ich verstehe nicht,warum die Coburger nicht dafür kämpfen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben."