Tausende feierten gestern mit Erzbischof Ludwig Schick das 551. Blutsfest. Eine lebendige Wallfahrt, eine lebendige Tradition. Neben vielen Mitwirkenden im Hintergrund steht immer auch eine Gruppe besonders im Blick, allein schon wegen ihrer Farbenpracht: die Ehreneskorte. Sie bringt den Erzbischof und die Ehrengäste von und zur Kirche und begleitet das Allerheiligste während der Prozession zu den vier Altären.
Es ist eine Ehre, in der Eskorte zu sein, fasst Kommandant Bernhard Kessel (53) zusammen. Gemeinsam mit Manfred Uri (53) ist er seit über 37 Jahren in der Truppe, die 13 gestandene Mann stark ist. Sie ist seit 1969 im Einsatz, erinnert sich der allererste Kommandant Josef Dorn, dessen Söhne selbstverständlich auch schon wieder dabei sind.



Neben Uri und Kessel sorgten gestern Josef Bachinger, Manfred Dorn, Daniel Gimmer, Markus Habersack, Christopher Hollmann, Gerhard und Tobias Hetzel, Marco Keller, Jürgen Linsmeyer, Manfred Loch und Roland Oppel für die Sicherheit der Würdenträger. Auch das hat einen historischen Ursprung: Bekanntlich hat sich Napoleon den Ort einverleibt. Bei Fronleichnamsprozessionen nahe protestantischer Orten wurden oft Hunde freigelassen, so dass Schutz angebracht war, erklärt Markus Habersack. Unter Bürgermeister Josef Zach wurde dieser Gedanke aufgegriffen.

Ehe die Eskorte übernahm, begleitete die reguläre Feuerwehr die Prozession, weiß Sebastian Bachinger (69). Sie stellt seither die Mitglieder der Eskorte und den Kommandanten. Freilich sorgen weitere Feuerwehrleute in regulärer Uniform für Absperrungen etcetera.

Für die ersten der in Bad Kissingen gefertigten Uniformen wurde seinerzeit eine Haussammlung durchgeführt. Rund 7000 Mark kostete die Ausstattung, so Josef Dorn. Nun tragen Gemeinde und Wehr die Kosten. Aufbewahrt werden die Uniformen bei der Wehr, gereinigt in der Ebracher JVA. "Die Hosen gehen ein", sagen die Hetzel-Brüder. Kein Problem. Die Eskorte marschiert nicht nur im Gleichschritt, sie ist auch ein echtes Team geworden: Hosen werden so lange durchgetauscht, bis jeder die passende hat.

"Manchmal muss eben einer auch fürs Blutsfest abnehmen", sagt Daniel Gimmer grinsend. Schwarze Schuhe und Socken sind Pflicht, sie müssen zu den schwarzen Gamaschen passen. Unter dem blauroten Frack trägt Mann ein schwarzes Kragenteil und eine weiße Weste, dazu einen weißen Gürtel, auf den sich schon mal das rund vier Kilo schwere Gewehr stützen lässt.

"Das Stehen ist anstrengend", weiß Manfred Dorn. Zweckentfremdet ist übrigens die Patronentasche - Zigaretten, Geld, Essensgutschein. "Handy ist tabu", betont Markus Habersack. Wäre ja peinlich, wenn es während der Prozession klingelt.


Kommandant dirigiert

Von Jahr zu Jahr werde er aufgeregter, gesteht Kommandant Kessel. "Alle schauen auf einen." Und passen auf, ob er die Kommandos richtig gibt. "Achtung, das Gewehr über, präsentiert das Gewehr, Gewehr ab, rührt Euch, links oder rechts um", Kessel dirigiert die Eskorte, wobei er jeweils den Säbel zückt. Daran, wie er das tut erkennt die Truppe, wann und wie es losgeht. Jeder Griff sitzt, jedes Detail ist verinnerlicht. Trotzdem - ein bisschen Aufregung gehört dazu.Vertan hat man sich bislang erstaunlicherweise noch nicht. Nur einmal hat es einmal eine Kopfbedeckung weggefegt. Das war aber vor Kessels Zeit.

Um nicht Wallfahrern Platz wegzunehmen, geht die Eskorte nicht mit in den Gottesdienst. Per Lautsprecher ist die Botschaft des Erzbischofs auch draußen zu hören: Das Blutsfest, als Glaubensfest ist und bleibt notwendig, ein Muss.

Klar. Dafür nimmt sich jeder Mitwirkende Urlaub. Eine Selbstversändlichkeit für die Männer der Eskorte. Es ist schließlich eine Ehre, hier mitzuwirken. Man wächst von klein auf hinein. Die Eskorte ist was Besonderes. Das erkennt auch Landrat Johann Kalb (CSU) an: "So was hat sonst keiner."