Druckartikel: Tuberkulosetest: Das Landratsamt gibt Entwarnung

Tuberkulosetest: Das Landratsamt gibt Entwarnung


Autor: Michael Wehner

Bamberg, Mittwoch, 20. Juni 2018

Die Aufregung über die TBC-Erkrankung in der Geburtshilfe des Klinikums in Bamberg war groß. Doch gefährlicher war 2018 das Grippe-Virus.
Im Klinikum Bamberg war bei einer Krankenschwester Tuberkulose diagnostiziert worden. Nun sind die Untersuchungen an  über 1200 Menschen abgeschlossen.  Ronald Rinklef


Es war der letzte Samstag im April, als der Fränkische Tag erstmals über den Fall einer Infektion mit Tuberkulose (TBC) am Bamberger Klinikum berichtete. Ausgerechnet eine Kinderkrankenschwester der Geburtshilfe hatte sich mit dem gefährlichen Krankheitserreger infiziert.

Für Heinz-Jürgen Wagner, den Leiter des Fachbereich Gesundheitswesen am Landratsamts, begannen stressige Wochen: Er und seine Mitarbeiter mussten in den Tagen danach unzählige Eltern im Gespräch beruhigen, die sich Sorgen über die Gesundheit ihres Säuglings machten. Rund 1300 Menschen hatten in den fraglichen Wochen zuvor Kontakt mit der TBC-Patientin gehabt.


Ergebnis überraschte nicht

Eineinhalb Monate und über 1200 TBC-Tests später kann die Behörde Entwarnung geben. Es gab bislang keinen weiteren Krankheitsbefund. Nachdem bis auf wenige Nachzügler alle bekannten Kontaktpersonen auf TBC getestet wurden, lässt sich sicher sagen, dass weder die betroffenen Mütter und Väter mit Tuberkulose-Bakterien infiziert sind noch ihre Babys. "Glücklicherweise hat sich niemand angesteckt ", freut sich auch Landrat Johann Kalb (CSU), Chef der Behörde. Die anfänglichen Sorgen hätten sich glücklicherweise als unbegründet erwiesen.

Das positive Ergebnis der größten Umgebungsuntersuchung der vergangenen Jahre in Bamberg hat die Experten nicht allzu sehr überrascht. Schon als bekannt wurde, dass ein Tuberkulosefall am Klinikum aufgetreten war, hatten die von uns befragten Mediziner einmütig darauf hingewiesen, dass die Ansteckungsrisiken gering sind, weil Tuberkulosebakterien ausschließlich im direkten Kontakt übertragen werden und nicht über Türklinken oder Kleidung. Für Erwachsene bedeute dies, dass sie mindestens acht Stunden in einem geschlossenen Raum mit einer erkrankten Person sein müssten, um sich anzustecken.

Vorsicht war dennoch angesagt, denn die Folgen einer Erkrankung für Säuglinge können erheblich sein. Ist es zu einer Infektion gekommen, muss in schweren Fällen mit einer systemischen Erkrankung mehrerer Organsysteme gerechnet werden.

"Es war die richtige Entscheidung, über 1300 Menschen auf eine mögliche Infektion zu untersuchen, um den Betroffenen schnell die entstandene Angst zu nehmen", sagt der Landrat angesichts der extremen Zahl von Betroffenen und der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit. Kalb vollzog mit der Untersuchung die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes, das die Tests zur Eindämmung von Anstreckungsrisiken zwingend vorgibt. Dabei ist es unabdingbar, dass sich alle Kontaktpersonen des erkrankten Menschen auf das Bakterium testen lassen. In kleinerem Umfang geschehen solche Untersuchungen am Gesundheitsamt immer wieder.

Doch diesmal war alles eine Nummer größer: Drei Ärzte und vier Angestellte waren mit den Untersuchungen über einen Monat lang befasst. Um das Strahlenrisiko zu vermindern, erfolgte der Test nicht mit Röntgenbildern, sondern mit etwa zehnmal teuereren Blut- und Hauttests. Da in 30 Fällen Antikörper gefunden werden konnten, wurde im Anschluss auch eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht. Bei keiner dieser Untersuchungen zeigte sich ein Krankheitsbefund.


116 Grippetote in Oberfranken

Georg Knoblach war als Betriebsarzt des Klinikums Bamberg für den Test von 130 Mitarbeitern zuständig: "Die teilweise festzustellende Hysterie verstehe ich nicht. Wer Angst vor der TBC hat, der muss sich auch gegen Grippe impfen lassen", sagt Knoblach mit Blick auf den dramatischen Verlauf der diesjährigen Grippesaison. So schlug das Influenzavirus im zurückliegenden Winterhalbjahr mit ungewohnter Wucht zu. Nach Zahlen, die das Robert Koch-Institut erst jetzt vorlegte, starben allein in Oberfranken 116 Menschen am Grippevirus. Dabei verzeichneten die Immunologen deutschlandweit 145 Ausbrüche in Krankenhäusern und 144 Ausbrüche in Kindergärten.

Gemessen daran nimmt sich die Zahl von 50 Tuberkulosefällen im Bamberger Klinikum 2017 eher gering aus. Dazu kommt, dass TBC dank Antibiotika mittlerweile gut behandelbar ist. Dies gilt selbst für solche Stämme von TBC-Bakterien, die mehrere Resistenzen aufweisen wie sie häufig in Osteuropa vorkommen.

Knoblach berichtet vom extremen Fall eines Afrikaners, der zuerst in Bamberg und dann in einer geschlossenen Einrichtung behandelt wurde. Der Mann litt an TBC-Bakterien mit insgesamt 32 (!) Resistenzen. Die Behandlung verlief zum Glück erfolgreich, war allerdings mit 130 000 Euro auch sehr teuer.