Ein junger Kerl - geschätzt gerade mal 18 - läuft flott über das steinerne Pflaster der Bamberger Altstadt. Sein Kapuzenpulli ist so grau wie dieser Vormittag. Der Blick wirkt verunsichert, und er rutscht fast aus. Die Passanten schauen ihm verwundert hinterher. Seine abgehalfterten Halbschuhe trägt er nämlich in der Hand und versteckt sie schnell hinter einem Blumenkübel auf dem Fenstersims einer Gaststätte. Danach geht's auf grauen Socken weiter in die nächste Gasse, wo der junge Mann verschwindet.

Die Szene stammt aus dem neuen Franken-Tatort, welcher in dieser Woche vor allem in der Bamberger Innenstadt gedreht wird. Eigentlich hätte die Folge "Wo ist Mike"?" von Deutschlands bekanntester Krimiserie bereits im März fertig gedreht werden sollen. Doch die Corona-Pandemie machte der Filmcrew einen Strich durch die Rechnung. Nun also im November mit Hygienekonzept und gutem Willen der nächste Versuch.

Wo ist Mike: Darum geht es im neuen Franken-Tatort

Zum Inhalt sei nur so viel verraten: Der fünfjährige Mike ist verschwunden und drei Tage lang dachten seine getrennt lebenden Eltern, dass ihr Sohn sich beim jeweils anderen aufhält. Erst dann fiel der Irrtum auf. Nun verdächtigt die Mutter den Vater, der Vater die Mutter. Doch wo steckt der kleine Junge tatsächlich?

Mehrere Laster stehen in den Seitenstraßen des Sets, um den ganzen Umfang an Technik mitzubringen: Traversen, Beleuchtung, verschiedenen Arten von Kameras, Mikrofone, Kabelsalat und Klappstühle. Rund 40 Leute sind am Set unterwegs. "Sollen wir die Straße an der Schranne auch sperren?", schallt aus einem der Funkgeräte, mit dem sich die Mitarbeiter in den Warnwesten gegenseitig absprechen, um den nächsten Dreh zu ermöglichen. Anweisungen gehen hin und her. Dann bitten sie den Verkehr darum, anzuhalten. Passanten bleiben stehen und fragen, worum es hier eigentlich geht.

Schulkinder müssen ihren Ritt auf dem Fahrrad aus Richtung Domberg zügeln. "Wie lang dauert das noch hier?", fragt ein Gewerbetreibender aus seinem Transporter ungeduldig. Sind alle Passanten aus dem Bild? "Und bitte!", ruft der Produktionsleiter unüberhörbar und die Szene setzt sich in Bewegung. Männer mit Kamera und meterlanger Mikrofonstange in den Händen wollen schon ausrücken, aber dann kommt gerade ein Paar aus einem Laden samt Einkäufen und damit muss wieder "Alles auf Anfang!"

Das Warten der Statisten

So geht das vier, fünf Mal - mit dem Alten Rathaus und der Karolinenstraße im Blick. Mal als komplette Szene, mal noch als kurzer Take. Zwischen drin schaut Regisseur Andreas Kleinert zusammen mit seinem Team immer wieder auf den Monitor, um das frische Ergebnis zu bewerten. Manche Menschen stehen am Set und schauen sich mehrere Durchgänge an, die immer nur gut eine halbe Minute gehen. Ein paar zücken das Smartphone. Die Statisten sitzen zwischen den Pausen zusammen. Manche kommen aus Bamberg. Andere sind aus Kulmbach oder Bayreuth gekommen. Ursprünglich beworben hatten sie sich schon für März. Der Drehtag an diesem Dienstag ist noch bis 18 Uhr angesetzt. Wenn's am Set länger als zehn Stunden dauert, gibt es immerhin einen kleinen Aufschlag.

Die Weltkulturerbestadt kommt damit zum zweiten Mal in der bekannten Krimiserie vor. Bereits 2017 war das Ermittlerteam Paula Ringelhahn und Felix Voss, gespielt von Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs, in der Folge "Am Ende geht man nackt" in Bamberg im Einsatz. "Wir mussten schauen, dass wir auf der einen Seite Bamberg spezifische Orte einbauen, und andererseits uns natürlich an der Handlung orientieren", meint Regisseur Kleinert zur Auswahl der Drehorte. Schöne Straßen und Gebäude sollten also auf jeden Fall zu sehen sein. Und es bleibt auch bei der bekannten Besetzung. Mit Kommissarin Wanda Goldwasser, gespielt von Eli Wasserscheid, ist auch eine gebürtige Bambergerin vertreten. Und natürlich dürfen auch weitere fränkische Originale wie der Nürnberger Matthias Egersdörfer nicht fehlen.

Aber wie kann der Dreh gelingen, obwohl ursprünglich das Frühjahr angepeilt war? "Die Hauptsache ist, dass wir eine blattlose Zeit haben", erklärt Kleinert. Die Lichtverhältnisse lassen sich dann technisch ausbügeln. Eine Herausforderung sei, dass der Zuschauer der Folge nicht ansehen soll, dass nun die Corona-Pandemie herrscht.

Corona-Pandemie spielt keine Rolle: Krimi-Fans brauchen Geduld

Weitere Drehtage finden am kommenden Samstag - dann werden in der Heiliggrabstraße, am Franz-Ludwig-Gymnasium und am Obstmarkt die Kameras aufgefahren - und am Dienstag, 24. November statt - dann wird auch der Paradiesweg Teil der Kulisse. Die Krimi-Fans müssen sich aber noch ein bisschen gedulden: Die von Thomas Wendrich geschriebene Folge wird erst im Jahr 2021 im Bayrischen Rundfunk zu sehen sein.