Bamberg
Denkmalpflege

Studenten erforschen Bambergs älteste Scheune

Studenten des Master-Studiengangs Denkmalpflege haben ein Aufmaß der wahrscheinlich größten und ältesten Scheune in Bamberg angefertigt und untersucht, aus welcher Zeit das Holz des Dachstuhls stammt.
Thomas Eißing  mit    Tobias Venedey, Susanne Nitschel und Heike Müller (von rechts)  vor dem Südgiebel . Fotos: Barbara Herbst
Thomas Eißing mit Tobias Venedey, Susanne Nitschel und Heike Müller (von rechts) vor dem Südgiebel . Fotos: Barbara Herbst
+10 Bilder
} } } } } } } } } }
Wie alt ist die Scheune, die verborgen hinter dem Haus Memmelsdorfer Straße 2a in zweiter Reihe steht? Erst einmal ein kleiner Streifzug:

Hinweis Nummer Eins: die Jahreszahl 1941 auf dem südlichen Giebel. Schon dem Laien ist klar, dass es sich nicht um die Erbauungszeit, sondern nur um das Jahr einer Renovierung handeln kann. Tatsächlich sieht man im Innern, dass die Gefache mit neuzeitlichem Bimsstein ausgemauert wurden und nicht mit Ziegelsteinen oder Lehm und Weidenruten.

Hinweis Nummer Zwei: stilistische Merkmale der Außenschale. Die Bauweise erweckt den Eindruck, als ob die Scheune um das Jahr 1700 gebaut worden sei.

Auf dem Zweidlerplan schon eingezeichnet


Hinweis Nummer Drei: der Zweidlerplan. Dass das Baujahr in Wirklichkeit viel weiter zurückliegt, zeigt ein Blick auf den ältesten Stadtplan Bambergs, den berühmten Zweidlerplan. Darauf ist die Scheune bereits verzeichnet - und der Plan stammt aus dem Jahr 1602. Das Bauwerk ist also älter als 400 Jahre.

Hinweis Nummer Vier: die dendrochronologische Untersuchung. Studierende des Master-Studiengangs Denkmalpflege fanden in diesem Sommer heraus, dass die Hölzer für den Dachstuhl schon im Winter 1539/40 gefällt worden sind. Damit ist klar, dass das Haus 1540 oder wenig später errichtet worden sein muss. Die Forschungen ergaben auch, dass die Handwerker überwiegend Nadelhölzer und Eiche aus der näheren Umgebung verwendet haben, denn es konnten keine Floß trans portspuren festgestellt werden.

Die Studierenden sind Teilnehmer des Seminars "Historische Tragwerke/Dendrochronologie", das Thomas Eißing leitet. Zwei Wochen lang erforschten sie das Gebäude, zeichneten ein Aufmaß und untersuchten das Holz. Die Ergebnisse stellten Felicitas Nickel, Susanne Nitschel, Astrid Schneck, Tobias Venedey und Heike Müller jetzt der Öffentlichkeit vor.

Alte Scheunen extrem gefährdet


An Hausbesitzer Norbert Köhler, der die Scheune als Lager nutzt und somit dafür sorgt, dass sie unangetastet bleibt, überreichten sie ihre Dokumentation. Eißing bedankte sich bei Köhler nicht nur für die gewährte "Gastfreundschaft", sondern auch, dass er selbst den Kontakt zum Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte der Otto-Friedrich-Universität geknüpft hat.

Eißing war dieses Objekt besonders wichtig: Zum einen entdeckte er die nach seinen Kenntnissen älteste und gleichzeitig größte Scheune Bambergs. Zum anderen hofft er, mit Hilfe der Untersuchungen den Blick der Öffentlichkeit auf Scheunen als die "gefährdetsten Bauten überhaupt" zu lenken. Besonders im Stadtgebiet, wo der Platz knapp sei, stünden die Scheunen im Weg. Niemand wolle und könne sie nutzen und allzu schnell sei man bereit, sie abzureißen. Eißing spricht von einem "Abriss- und Umnutzungsdruck", gegen den bisher zu wenig getan werde, der noch nicht einmal richtig in das Bewusstsein der Bevölkerung gelangt sei. Seine Studenten können sich nicht nur ziemlich genau auf das Baujahr festlegen, sondern verfolgten auch die weitere Baugeschichte der Scheune.

Im Jahre 1705 - auch dieses Datum haben die Holzuntersuchungen ans Tageslicht gebracht - wurde die Scheune mit massiven Bretterwänden in zwei Bereiche geteilt und das Gebäude durch zwei Tore neu erschlossen. Frühestens 1737 wurde dann der Nordgiebel ausgetauscht. Der Südgiebel hingegen zeigt unten noch typische Fachwerkformen des 16. Jahrhunderts. Die einstige Nutzung der Scheune herauszufinden war zwar nicht die Aufgabe des Seminars, einige Hinweise fanden die Studenten dennoch: Laut Tobias Venedey weisen der fugenlose Dielenboden in den Obergeschossen und die ringsum laufenden schräg angebrachten Schüttbretter darauf hin, dass die Scheune (auch) zum Trocknen von Sämereien und Kräutern gedient haben könnte.
Lesen Sie auch