"Streik in der Schule, Streik im Betrieb - Das ist unsere Antwort auf eure Politik!", rufen die Menschen mit ihren Fahnen und Plakaten in den Händen. Der Demonstrationszug mit Beschäftigten der Sozialstiftung setzt sich mit Abstand und Masken in Bewegung. Ihr Ziel: die Kundgebung an der Promenade. Dort werden sie mit den Kollegen der Stadtwerke zusammenkommen, die ihrerseits am Margarethendamm mit Transparenten und Ratschen ausgerüstet loslaufen. Lautstarke Unterstützung kommt von dritter Seite aus dem nördlichsten Zipfel Oberfrankens in Ludwigsstadt, Lichtenfels und Bad Staffelstein sowie aus Forchheim und Eggolsheim im Süden.

Es ist bayernweiter Streik im öffentlichen Dienst. Und damit der Auftakt für mehrere Streiktage im gesamten Bundesgebiet, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat. Ab Donnerstag geht es in die dritte Verhandlungsrunde mit den Arbeitgeberverbänden.

Auf jene ist Doris Stadelmeyer nicht gut zu sprechen: "Uns werden 3,5 Prozent mehr Gehalt versprochen. Das ist schlicht gelogen!" Die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Oberfranken-West ist sicht- und hörbar unzufrieden über das Ergebnis. Am Freitag hat die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, kurz VKA, nämlich ein Angebot vorgelegt, welches Lohnsteigerungen über die kommenden 36 Monate vorsieht.

Zum 1. März 2021 und 1. März 2022 soll das Gehalt der Beschäftigten im öffentlichen Dienst um jeweils ein Prozent steigen. Zum 1. März 2023 um weitere anderthalb Prozent. Verdi indes fordert 4,8 Prozent mehr Gehalt. Durch die Mehrwertsteueranhebung in 2021 auf den ursprünglichen Satz vor der Corona-Krise werde die Lohnsteigerung aufgezehrt, so die Kritik der Gewerkschafter.

"Und durch die vorgeschlagene Verschlechterung der Eingruppierungen holen sich die Arbeitgeber das Geld wieder durch die Hintertür zurück", kritisiert Doris Stadelmeyer das Angebot. Besonders im Bereich der Pflege steht die Vorstellung von Verdi mit dem Angebot der VKA im Kontrast: Statt den geforderten 300 Euro monatlicher Zulage werden 50 Euro angeboten. Gleichzeitig fallen aber Zulagen für den psychiatrischen Bereich weg und die Bedingungen zur Nachtarbeit würden sich verschlechtern. "Für wie blöd halten die Arbeitgeber uns eigentlich?", ruft Stadelmeyer den Beschäftigten zu. Buhrufe werden laut.

Kritik an "Hungerlohn"

Auch aus Forchheim sind zahlreiche Arbeitnehmer per Zug angereist. "Es wird Zeit, dass es mehr gibt als nur Applaus, sondern einen guten Lohn", findet eine langjährige Mitarbeiterin des Gerhardinger Kinderhauses. Eine jüngere Kollegin ergänzt: "Ich habe Kinder zu Hause. Wie sollen wir von dem Hungerlohn über die Runden kommen?" Die lange unbezahlte Ausbildungszeit zur Kinderpflegerin von fünf Jahren müsse schließlich auch kompensiert werden. Fast die komplette Kita ist da. Der Rest hat aus Solidarität Urlaub genommen. Ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in Lichtenfels weiß zahlreiche Kollegen hinter sich, die auch Teil der Gewerkschaft sind. "Wenn wir nicht zusammenhalten und gewerkschaftlich organisiert sind, dann können die Arbeitgeber unsere Löhne weiter drücken." Ein Mitarbeiter der Stadtwerke Bamberg findet: "Es ist wichtig, sich solidarisch zu zeigen, gerade wenn man sieht, was in der Pflege passiert."

Auf Nachfrage bei den Stadtwerken und der Sozialstiftung Bamberg waren die Einschränkungen durch den Warnstreik nur geringfügig. Zwar sei das Servicezentrum am ZOB und mancher OP-Saal betroffen gewesen, aber die Versorgung und Sicherstellung der Notdienste in beiden Fällen immer gewährleistet.

"Begreift den Streiktag als Feiertag der Solidarität. Ohne politisch organisierte Solidarität wird es keine Verbesserung in der Welt geben", betonte Norbert Jungkunz von der katholischen Betriebsseelsorge des Erzbistums. Es sei unfassbar, wie wenig Wertschätzung durch das Angebot der Arbeitgeber zum Ausdruck komme.

Auch der Personalratsvorsitzende der Sozialstiftung Bamberg, Felix Holland, sprach von einem "vergifteten Angebot", welches den akuten Personalmangel im öffentlichen Gesundheitswesen weiter zuspitze. Die nächste Corona-Welle rolle längst an und die Arbeitgeber würden die Daseinsvorsorge gefährden. Holland ist sich sicher: "Mehr Provokation und Respektlosigkeit geht praktisch nicht."

Kampfbereit

Jessica Braun, Personalratsvorsitzende der Stadt Forchheim, kritisierte ebenfalls, dass es schwierig sei, bei diesen Löhnen neue Beschäftigte zu finden. Dabei hätten die Beschäftigten in den Kitas teils schon am Wochenende vorarbeiten müssen, um die Arbeit unter den erschwerten Bedingungen bewältigen zu können. Es brauche mehr Zeit für einen guten Tarifvertrag, denn: "Wir waren, wir sind und wir bleiben unverzichtbar!"

Die Kundgebungsteilnehmer geben sich kampfbereit. Geschäftsführerin Stadelmeyer rief derweil dazu auf, die Verdi-Warnwesten gleich mit nach Hause zu nehmen: "Sie sind Verpflichtung, beim nächsten Streik dabei zu sein." Denn man "wird sich wahrscheinlich wiedersehen".