Darius Miller hätte zum Helden des Abends werden können. Doch erst traf sein Wurf, der beim Stand von 84:84 dem Brose-Team in letzter Sekunde den Sieg über Darüssafaka Istanbul beschert hätte, nur an den Ring. Und auch unmittelbar vor Ende der Verlängerung hatte der US-Amerikaner kein Glück. Sein Dreier beim Stand von 97:99 ging ebenfalls knapp daneben. So war es Brad Wanamaker vorbehalten, zum Matchwinner in diesem Euroleague-Krimi zu avancieren.
Der Ex-Bamberger zeigte an alter Wirkungsstätte eindrucksvoll auf, warum er im vergangenen Jahr zum Bundesliga-MVP gekürt wurde. 30 Punkte, so viele wie noch nie in der Königsklasse, erzielte der Aufbauspieler in Diensten von Darüssafaka und riss - wie bereits beim knappen 72:70-Hinspielsieg - in der entscheidenden Phase das Spiel an sich. Mit einem Korbleger, bei dem er sich auch nicht vom zum Block heranfliegenden Daniel Theis stoppen ließ, und einem Freiwurf sorgte Wanamaker in der letzten Minute der Verlängerung für den siegbringenden Vorsprung der Türken. "Es hat mir richtig Spaß gemacht. Ich bin hier von den Fans mit offenen Armen empfangen worden. Nach der Pause haben wir besser verteidigt, wir wollten unbedingt den Rhythmus des Spiels ändern. Das ist uns gelungen", meinte der 27-Jährige.


32 Mal an der Freiwurflinie

Während die Bamberger die erste Halbzeit dominierten und nach 14 Minuten bereits mit 14 Punkten vorne lagen (33:19), drehte Istanbul mit 55 Punkten alleine im dritten und vierten Viertel die Partie. Dazu verhalfen Darüssafaka auch einige strittige Foulentscheidungen. 32 Mal standen die Gäste an der Freiwurflinie, die Bamberger dagegen nur 17 Mal, was Brose-Coach Andrea Trinchieri zu einer versteckten Kritik an den Unparteiischen nutzte: "Wer auch immer nur ein klein wenig Ahnung von Basketball hat, der hat ein ganz klares Bild vor Augen. Da gibt es Dinge, die wir einfach nicht überwinden können." Am Ende waren es aber wohl nicht die Schiedsrichter, die den Unterschied ausmachten, sondern Wanamaker.


Lob von Gäste-Trainer Blatt

Obwohl es für den deutschen Meister um nichts mehr ging, zeigte er neben einer geschlossenen Mannschaftsleistung (25 Assists) eine gute Einstellung, die auch Gäste-Trainer David Blatt hervorhob: "Sie haben Herz gezeigt und wie Champions gespielt." Von den fünf Bambergern, die zweistellig punkteten, ragten Nicolo Melli (12 Punkte/10 Rebounds) und Nikos Zisis (11/11 Assists) mit "double doubles" heraus. Der griechische Routinier zog damit an Pablo Prigioni vorbei und ist jetzt mit 805 Korbvorlagen sechstbester Spieler in der Euroleague in dieser Kategorie.
Während Darüssafaka in der kommenden Woche nun ein "Endspiel" um den letzten Play-off-Platz gegen Roter Stern Belgrad bestreitet, empfängt Brose Bamberg im letzten Spiel dieser Königsklassen-Saison mit Galatasaray ein weiteres Istanbuler Team. Zuvor steht aber am Sonntag (18 Uhr) die Bundesliga-Partie bei der BG Göttingen auf dem Programm. Nach der Niederlage im Spitzenspiel gegen Ulm dürfen sich die Bamberger beim Tabellenzwölften im Fernduell um Platz 2 mit den Münchner Bayern keinen Ausrutscher erlauben. Das Hinspiel gewann das Team von Trinchieri mit 93:82. Die Niedersachsen, die sich zuletzt in Tübingen mit 82:73 durchsetzten, zeigten in den letzten Heimspielen wechselhafte Leistungen. So folgte auf den 81:76-Erfolg gegen Alba Berlin eine deftige 66:101-Niederlage gegen Medi Bayreuth.
Nach sechswöchiger Pause (Schulterverletzung) könnte beim Brose-Team Janis Strelnieks in Göttingen sein Comeback geben. Geschäftsführer Rolf Beyer meinte, der Lette würde "sehr, sehr, sehr bald" ins Team zurückkehren. Bei dem am Knie verletzten Elias Harris sei dagegen weiterhin Geduld gefragt. Von einem vorzeitigen Saisonende des Nationalspielers könne aber keine Rede sein. Eine Nachverpflichtung, die bis zum Ende der Wechselfrist am Freitag noch möglich gewesen wäre, sei daher kein Thema gewesen. "Wir haben keinen Zweifel an der Tiefe und Qualität unseres Kaders. Das hat sich heute wieder bestätigt", meinte Beyer nach der guten Leistung gegen Darüssafaka.