Wenn man im Alter von 90 Jahren neben Spenden für die Basketball-Jugend als einzige materielle Wünsche ein Notebook und ein Tablet äußert, und man das Fehlen bei den zahlreichen Brose-Baskets-Heimspielen im gesamten Kalenderjahr an einer Hand abzählen kann, dann weiß man fast schon alles über die Verfassung des junggebliebenen Jubilars.

Für viele Menschen hat Bert Peßler Enormes bewirkt - nicht nur für seine "Haferkörner", deren Turnier er 55 mal organisiert und geprägt hat, sondern auch für die unzähligen Skifahrer, die die ersten Schwünge bei ihm machten, und die vielen Jugendlichen, die er mit dem Basketball-Virus infiziert hat.

Heyder - ein prominenter Schüler

Einer der prominentesten Schüler ist Wolfgang Heyder, der durch Bert Peßler den ersten Kontakt mit Basketball hatte. "Gerade für mich ist Bert unnachahmlich. Es war sensationell was da passiert ist. Ein bisschen Geräteturnen und viel Basketball - für mich war dies eine Initialzündung, es hätte sportlich für mich auch in eine andere Richtung gehen können." Der Brose-Baskets-Manager ist der Überzeugung, dass es der Basketballsport ist, der Peßler geistig fit erhält. "Er weiß jedes Detail, fantastisch mit welcher Emotion er die Spiele verfolgt. Er lebt und fühlt alles mit."

Ein Leben für den Sport

Auf die Frage nach dem Höhepunkt seines Lebens, das er ganz und gar dem Sport verschrieben hat, bleibt das Urgestein eine exakte Antwort schuldig. Peßler: "Es ist so viel passiert, ich wünsche nur den anderen, dass sie derart schöne Berufserfahrungen in ihrem Leben genießen können."

Der Startschuss fiel im Jahre 1953, als er als Abgeordneter des Sportzentrums Erlangen Bamberger Studenten unterrichten sollte. In der alten KHG-Halle waren es Handballer und Leichtathleten, die als erstes Basketball spielten - schon mit gekauften Brettern und Körben. Die zweite Außenstelle entwickelte sich am Priesterseminar. "Da wurde in Eigenregie ein Grasfreiplatz bespielbar gemacht. Notwendig waren viel Schaufelarbeit und auch hoher Einsatz in der eigenen Schlosserei, in der die Korbgestänge aus Wasserrohren hergestellt wurden", berichtet Peßler. Es war die Geburtsstunde des Bamberger Basketballs . Von nun an ging es rasant aufwärts. Bereits 1955 wurde beim 1. FC 01 Bamberg eine Basketball-Abteilung gegründet.

Der Sportlehrer Peßler selbst lernte das Basketball-Abc von einem ungarischen Studenten an der bayerischen Sportakedemie Steingaden, obwohl Basketball gar nicht in der Ausbildung stand. "Ich habe Glück gehabt, der Ungar spielte mit uns in der Freizeit, machte uns mit dem Ball vertraut, oft spielten wir in einem Tanzsaal eines Hotels."

Absolute Begeisterung

Als Bert Peßler nach seinem Studium nach Erlangen versetzt wurde, hat er dort weitergespielt. Ein Lehrgang in Frankfurt und eine Aufgabe bei den Studenten-Weltspielen in Dortmund waren 1952 der endgültige Durchbruch. Mitte der 50er-Jahre kam er an die alte Oberrealschule, ab 1965 ans Dientzenhofer-Gymnasium und dann als Leitender akademischer Direktor an die Universität, wo er bis 1989 das Sportzentrum leitete.

Seine letzte Skiabfahrt in Südtirol absolvierte der "Sportverrückte" erst vor drei Jahren, er skypt mit seiner Enkelin, er fährt auf seiner Rennmaschine im Wohnzimmer, er informiert sich im Videotext, im Internet und im Fränkischen Tag über alle Sportarten - alles Mosaiksteinchen aus jüngster Vergangenheit, die beweisen, wie viel Lebensfreude der 90-Jährige besitzt. "Nach dem langen Winter war es der schöne Sommer, der ihm heuer so richtig Auftrieb verschafft hat. Er kann sich über so viele Dinge freuen. Die Liebe zum Sport und die damit verbundenen Erlebnisse und Freundschaften prägen sein Leben", sagt Tochter Monika.

Was ihm immer noch ein wichtiges Bedürfnis ist, sind persönliche Gratulationskuren nach außergewöhnlichen Bundesliga- oder Euroleague-Spielen. Er schreckt nicht davor zurück, in der Brose-Arena nach dem Schlusspfiff den Weg zu den Aktiven zu suchen. Die Sieger dehnen sich dann meist liegend auf dem Parkett - und springen auf, wenn Bert erscheint.