Auch eine Viertelstunde nach Spielende feierten die gut 400 Fans aus Freak City im Audi Dome noch und verhöhnten die Münchner, von denen sich nur noch etwa 30 Unentwegte im weiten Rund verloren: "Seht ihr Bayern, so wird das gemacht" und "die "Nummer 1 im Land sind wir", tönten die Brose-Anhänger nach dem 80:76 (41:39)-Erfolg. Nach der Gala zum Halbfinalauftakt und dem Krimi mit Happyend führt der deutsche Meister in der best-of-five-Serie mit 2:0 und kann am Sonntag (17 Uhr/Sport1 live) in der Frankenhölle den Final-einzug perfekt machen.
Am Donnerstag bewies die Mannschaft von Erfolgstrainer Andrea Trinchieri in München ihren Charakter und in der Schlussphase ihre Abgebrühtheit. Nach einem Raketenstart führten die Hausherren nach dem ersten Viertel mit 30:20, doch das Brose-Team kam dank eines unfassbar effizienten Fabien Causeur, der 21 seiner 23 Punkte in der ersten Halbzeit verbuchte (siehe Interview unten) zurück, und Nicolo Melli sorgte mit einem Dreier aus acht Metern mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr für die erste Bamberger Führung (41:39).
Im dritten Viertel (23:16) und bis weit in den Schlussabschnitt (72:63) dominierte dann wieder der Herausforderer: Angeführt von Janis Strelnieks (11 Punkte/3 Dreier im letzten Viertel) und Nikos Zisis glichen die Gäste 70 Sekunden vor dem Ende durch Causeur aus (76:76). Nach einem Block von Daniel Theis kam der abgezockte Strelnieks 5,4 Sekunden vor Schluss zu einem freien Korbleger und bescherte seinem Team die Führung. Mit einem schlechten Pass von Maxi Kleber zu Bryce Taylor brachten sich die Münchner schließlich um ihre letzte Chance. Unter dem Jubel der Bamberger Fans machte Darius Miller mit zwei verwandelten Freiwürfen den Deckel drauf.
"Wenn du in den Play-offs gegen einen solchen Gegner auswärts bestehen willst, musst du 40 Minuten ruhig und konzentriert spielen und auf deinen Moment warten. Das haben wir heute gut gemacht", analysierte Trinchieri das "großartige Spiel" und ergänzte: "Im ersten Viertel waren wir nicht bereit. Aber wir haben auch bei einem Elf-Punkte-Rückstand unser Spiel durchgezogen."
Sein Gegenüber Sasa Djordjevic resümierte: "Es war eine Schlacht heute. Wir haben sehr gut begonnen. Im zweiten Viertel haben wir die Bamberger zurück ins Spiel gelassen. Sie haben jeden defensiven Fehler von uns eiskalt bestraft. Das ist nicht nur die beste Mannschaft in Deutschland, das ist eine der besten in Europa." Den Ausschlag gaben für den ehemaligen Weltklassespieler die Fehler seiner Jungs am Ende: "Wir hatten von unseren insgesamt sieben Ballverlusten vier im letzten Viertel. In einem solchen Spiel kannst du das nicht machen. Es tut mir leid für das Team. Es hätte heute einen Sieg verdient."
FCB-Präsident Uli Hoeneß betonte gegenüber der "SZ": "In der Breite haben die Bamberger mehr Klasse. Ich mache unserer Mannschaft aber keinen Vorwurf."


Fabien Causeur ist überglücklich über den Teamerfolg

Nach seiner überragenden Vorstellung in den ersten 20 Minuten - Fabien Causeur erzielte 21 Punkte - betonte Bambergs Franzose im Halbzeit-Interview mit telekombasketball.de, dass er sich zwar über seine Vorstellung freue, es ihm aber reichen würde, in der zweiten Hälfte nur zwei Punkte zu erzielen, wenn seine Mannschaft dafür als Sieger das Parkett verlasse. Und genau so kam es: Der sympathische 29-Jährige erzielte die beiden Punkte zum 76:76 und feierte 70 Sekunden später mit seinen Mitstreitern den zweiten Sieg über die Bayern. Kurz vor der Heimfahrt stellte sich der Topkorbjäger der Bamberger unseren Fragen.

Wie fällt Ihr Fazit nach diesem Spiel, in dem die Bamberger meist hinten lagen, aus?
Es ist perfekt, diese Arena mit einem Sieg zu verlassen, nachdem wir die meiste Zeit in Rückstand lagen. Uns ist ein riesiges Comeback in den letzten drei, vier Minuten gelungen. Janis Strelnieks hat wichtige Würfe getroffen.
War das ein Genickschlag für die Münchner oder glauben Sie, dass sie am Sonntag zurückschlagen?
Natürlich haben sie eine Chance am Sonntag zu gewinnen. Wir dürfen keinesfalls arrogant auftreten, müssen demütig bleiben und an die Leistung anknüpfen, die wir heute abgeliefert haben. Ich respektiere diese Bayern-Mannschaft, aber wir wollen nicht noch einmal nach München fahren und die Serie am Sonntag beenden.

Sie haben in der ersten Halbzeit eine unglaubliche Offensiv-Vorstellung gezeigt. Sind Ihnen schon einmal 21 Punkte in 20 Minuten gelungen?
19, 20 Punkte gab es schon einige Male, aber 21 noch nie. Wirhaben in der ersten Hälfte lange keinen wirklichen Rhythmus gefunden. Ich muss mich vor allem bei meinen Mitspielern bedanken, die großartige Blöcke für mich gestellt und mich immer wieder in guten Positionen angepasst haben. Aber der Schlüssel zum Sieg war, dass alle an diesem Erfolg beteiligt waren. Es ging nicht um meine persönliche Statistik. Basketball ist ein Mannschaftssport. Ich bin glücklich über meine Vorstellung und überglücklich, dass wir alle zusammen als eingeschworenes Team diesen Sieg feiern durften.

Sie waren auch an der letzten Aktion der Münchner, als Taylor mit dem Ball im Aus landete, beteiligt.
Es war mir klar, dass er den Ball bekommen würde, deshalb stand ich ganz eng bei ihm. Ich wollte das Anspiel verhindern. Ich hatte die Hände oben, das Anspiel war etwas zu hoch. Ich hatte auch ein bisschen Glück, dass der Ball im Aus landete. Aber ich habe die knifflige Situation ganz gut gelöst.

Die Bayern haben sich am Ende Fehler geleistet, Ihre Mannschaft nicht. Wie ist die Nervenstärke zu erklären?
Wir wussten, dass wir mit unserer Erfahrung in einem engen Spiel am Ende gute Chancen haben würden zu gewinnen. Wir haben aus den vielen knappen, schmerzhaften Niederlagen in der Euroleague gelernt.


Die Statistik

FC Bayern München - Brose Bamberg 76:80
(30:20, 9:21, 23:16, 14:23)
München Booker (12 Punkte/2 Dreier), Lucic (11/1), Djedovic (10/2), Joyce (9/1), Gavel (8/1), Zirbes (7), Barthel (6), Kleber (6), Taylor (5/1), Redding (2)
Bamberg Causeur (23/1), Strelnieks (13/3), Miller (12/2), Melli (8/2), Zisis (8/2), Theis (6), Radosevic (6), Lo (2), Harris (2), Staiger, Heckmann
SR Lottermoser, M. Reiter, Krause
Zuschauer 6700 ausverkauft
Gesamtwurfquote München 42 Prozent (27 Treffer/65 Versuche), Bamberg 56 (31/55)
Dreier München 36 Prozent (8/22), Bamberg 45 (10/22)
Freiwurfquote München 78 Prozent (14/18), Bamberg 100 (8/8)
Rebounds München 29 (18 defensiv/11 offensiv), Bamberg 32 (27/5)
Ballgewinne/-verluste München 3/7, Bamberg 3/16
Assists München 11/ Bamberg 18
Fouls München 20/ Bamberg 21