Bis mindestens Ende April ist der Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga ausgesetzt. Für die 36 Klubs stelle die Entscheidung einen sportlich und wirtschaftlich massiven und bedrohlichen Einschnitt dar. Dennoch hat sich der gesamte Profisport zu diesem Schritt entschlossen, da die oberste Priorität die Gesundheit und der Schutz der Bevölkerung sein muss.
Die Aussetzung gilt in der obersten Spielklasse bis 22. April. Ziel ist es, den Spielbetrieb am 23. April aufzunehmen, um die ausgesetzte Saison nach Möglichkeit beenden zu können. In der 2. Bundesliga wird der Spielbetrieb für fünf Spieltage ausgesetzt. Die Fortsetzung soll möglichst ab dem 22. April stattfinden. Auch hier ist die Beendigung der Saison geplant.
Kegeln
Sie hatten sich auf das Derby gefreut und auf viele Zuschauer gehofft.Doch das für Samstag geplante Topspiel in der Bundesliga der Sportkegler zwischen dem TSV Breitengüßbach und dem SKC Victoria Bamberg kann aufgrund des Coronavirus nicht stattfinden. Wie der Verband DKBC am Donnerstagnachmittag mitgeteilt hat, sind die zwei letzten Bundesliga-Spieltagen vorerst ausgesetzt.
"Neue Termine werden rechtzeitig, entsprechend der Beurteilung der aktuellen Lage, bekanntgegeben", teilte der Verband auf seiner Homepage mit. "Wir hätten die Partie natürlich gerne ausgetragen, aber die Sicherheit geht vor", sagte TSV-Kapitän Tobias Stark nach der Bekanntgabe.
Der internationale Keglerverband NBC teilte mit, dass das Final Four der Champions League am 28./28. März in Apatin (Serbien) nicht stattfinden kann.
Am Donnerstag beschloss auch der Bayerische Sportkegler und Bowlingverband (BSKV), den Spielbetrieb auszusetzen. "Eine Entscheidung, ob die Saison fortgesetzt wird, wird in den nächsten Tagen fallen", sagte Michael Hofmann, BSKV-Vizepräsident.
Volleyball
Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat beschlossen, den Spielbetrieb in den 2. Bundesliga, 3. Ligen sowie Regionalligen aufgrund der aktuellen Entwicklung des Coronavirus mit sofortiger Wirkung zu beenden. In der 1. Bundesliga finden die letzten beiden Spieltage unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Für den Spielbetrieb im Hallen-Volleyball unterhalb der Regionalligen liegt die Zuständigkeit bei den Landesverbänden, hier wurde eine sofortige Beendigung ebenfalls empfohlen. Der BVV schloss sich dieser Empfehlung an und beendet ebenfalls vorzeitig den Spielbetrieb in allen Bereichen.
Regelungen zu Auf- und Abstieg werden zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert.
Tischtennis
Als einer der wenigen Sportverbände hat sich der bayerische Tischtennis-Verband am Donnerstag noch zu keiner Entscheidung durchringen können, wie mit dem Spielbetrieb aufgrund des Coronavirus umzugehen ist. Bis zum Wochenende soll aber eine Entscheidung fallen, ob der Spielbetrieb eingestellt, ausgesetzt oder regulär fortgeführt wird.
Fußball
Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat ebenfalls noch keine Entscheidung im Umgang mit der Verbreitung des Coronavirus getroffen - und das bringt einen Kreisvorsitzenden auf die Palme.
Der BFV veröffentlichte am Donnerstag eine Mitteilung, in der er Verständnis zeigte für die "Sorgen, Nöte und Ängste" der Vereine und Mitglieder. Er könne nachvollziehen, dass sehr viele Vereine eine ganzheitliche Absetzung des Spieltages am Wochenende wünschen. Es gelte aber zu beachten, "dass seitens der Bayerischen Staatsregierung und der für Sicherheit und Gesundheit zuständigen Behörden bislang nur Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern flächendeckend verboten und deshalb abgesagt worden sind". Diese "extrem unterschiedlichen Lagebeurteilungen und Vorgehensweisen der zuständigen Behörden" stellen sich "problematisch und belastend" für den BFV und seine Vereine heraus. Der BFV erwartet gerade nach den Entwicklungen der zurückliegenden 48 Stunden "klare Aussagen der Behörden", ob in Bayern weiter Fußball gespielt werden kann.
Für Manfred Neumeister ist das ein Unding. Der Vorsitzende des Kreises Bamberg/Bayreuth/ Kulmbach stellte umgehend beim Verband einen Antrag auf Einstellung des gesamten Spielbetriebes bis einschließlich 29. März im Amateurbereich. Oberstes Ziel müsse es sein, den Ausbruch des Virus' zu verlangsamen. "Abwarten oder auf Veranlassungen zu warten, ist aus meiner Sicht eine unzureichende Handlung", sagt Neumeister und legt nach: "Es wäre ein guter Ansatz, um gerade hier über Fürsorgemaßnahmen nachzudenken und dementsprechend zu handeln."
Er stehe als Kreisvorsitzender in der Fürsorgepflicht gegenüber den Vereinen. "Die Gefahr des Coronavirus' steckt in der Explosivität, und diese muss zumindest eingebremst werden. Dazu gilt es direkte Kontakte zu unterbinden - und deshalb muss auch der Amateurfußball ruhen."
Kommentar von Torsten Ernstberger
Der Bayerische Fußballverband hat eine große Chance verpasst, im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus' ein klares Zeichen zu setzen. Stattdessen präsentiert er sich schwerfällig und entscheidungsschwach.
Der Verband will erst auf den letzten Drücker - am Freitagvormittag - beschließen, ob am Wochenende gespielt wird.
Andere bayerische Sportverbände machen es vor, unterbrechen den Spielbetrieb oder beenden die Saison sogar vorzeitig. Dem bayerischen Amateurfußball tut eine zweiwöchige Spielpause nicht weh, Termine für die Nachholspiele sollten kein Problem sein. Zwei Wochen ohne Fußballspiele können dazu beitragen, die Verbreitung des Coronavirus' zu verlangsamen.
Doch der BFV schiebt die Verantwortung weiter. Er fordert von den Behörden klare Aussagen, ob in Bayern noch weiter Fußball gespielt werden kann, statt selbst zu entscheiden. Sich Wegducken statt Verantwortung zu übernehmen ist in der Corona-Krise das völlig falsche Signal eines so mitgliederstarken Verbandes.