Zu einem "hässlichen Spiel" wollten die Ulmer die Brose Baskets zwingen - das ist ihnen aber nur neun Minuten lang gelungen, dann fand der deutsche Meister seinen Rhythmus und gewann das erste Finalspiel der "best-of-five"-Serie gegen die Überraschungsmannschaft aus Ulm deutlich mit 101:82 (54:39). Am Mittwoch (20.30 Uhr) genießen dann aber die Schwaben, die sich in Bamberg wesentlich besser verkauften als die Würzburger und die Bayern, Heimvorteil und wollen den haushohen Favoriten noch einmal ärgern.
Der Mannschaft von Thorsten Leibenath ist es gelungen, den gewohnten Raketenstart des Dominators zu verhindern. Nach acht Minuten führte der Gast, der zuvor schon Oldenburg und Frankfurt in den verfrühten Urlaub geschickt hatte, mit 18:13. Ein perfektes Anspiel von Patrick Heckmann, das Daniel Theis zu einem krachenden Dunking nutzte, war aber eine Art Initialzündung für die Gastgeber. Und als der überragende Darius Miller die ersten beiden seiner insgesamt acht Dreier (bei nur einem Fehlversuch) eingenetzt hatte, gingen die Gastgeber mit einer knappen 23:22-Führung in die erste Viertelpause.


Die freien Schützen gefunden

In den zweiten zehn Minuten lief dann der Ball bei den Bambergern wie gewohnt: Miller, Janis Strelnieks, Lucca Staiger und Brad Wanamaker standen am Ende der Pass-Stafetten frei und netzten von jenseits der 6,75-Meter-Linie eiskalt ein. 11:2 lautete am Ende der ersten Halbzeit die Bilanz der Vorlagen. Und ebenso deutlich ging die Trefferquote bei den Dreiern an die Bamberger (7 von 10) - die Ulmer trafen bei elf Versuchen nur zweimal. Dank dieses mit 31:17 gewonnenen Viertels führten die Bamberger sehr zur Freude der begeisterten Freaks zur Pause mit 15 Zählern.
Nach dem Seitenwechsel sahen die 6800 Fans in der Frankenhölle - darunter etwa 280 Ulmer - eine einseitige Partie, in der der Meister immer eine Antwort auf das Aufbäumen der Gäste hatte. Zu einem "hässlichen Spiel" kam es phasenweise nur, weil die drei Unparteiischen mit Abstand die schlechtesten Akteure auf dem Feld waren.


Bamberger versenken 14 Dreier

Ulms Trainer Leibenath gratulierte später seinem Kollegen Andrea Trinchieri zu einer "eindrucksvollen Leistung" und betonte: "Die Bamberger haben manifestiert, dass sie den Titel verteidigen wollen." Aber auch mit der Leistung seiner Jungs war Leibenath "über weite Strecken zufrieden. Im zweiten Viertel haben wir uns etwas um den Lohn gebracht. Ansonsten waren die anderen drei Viertel eng." Entscheidend war für den Ulmer Coach, dass bei seinem Team die Dreier nicht gefallen sind. "Wenn dann der Gegner mit einem starken Darius Miller so trifft, wird es doppelt schwer."
Andrea Trinchieri stellte nachher fest, dass er kein "gutes Spiel" seiner Mannschaft gesehen habe, zeigte dafür aber Verständnis: "Im Finale kommt es sehr selten zu guten Basketball-Begegnungen, weil es um viel für die Mannschaft geht. Heute sahen wir eine Schlacht und führen jetzt 1:0. Wir haben die zweite Halbzeit kontrolliert, ohne zu glänzen." Und der Italiener prognostizierte, dass die Ulmer am Mittwoch vor eigenem Publikum noch stärker sein werden. "Bis dahin gilt es für uns, noch einige Anpassungen vorzunehmen."



Rolf Beyer: Ich schreibe die Ulmer noch längst nicht ab

Rolf Beyer (Geschäftsführer der Brose Baskets): "Das war für uns ein wichtiger Fingerzeig in dieser Finalserie, egal, wie sie jetzt weitergeht. Ulm hat extrem hart angefangen, und diese Linie ist auch zugelassen worden, so dass wir uns lange sehr schwer getan haben. Zu Beginn des zweiten Viertels haben wir die Dose geöffnet, das war wichtig für uns. Jetzt können wir mit relativ viel Selbstvertrauen am Mittwoch nach Ulm fahren. Viele sagen, wir können uns nur selbst schlagen. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, dass die Mannschaft so viel Professionalität und Seriosität hat, dass es für jeden Gegner schwer wird. Ich ziehe aber den Hut vor Ulm, wenn man sieht, mit welcher kurzen Rotation sie spielen. Dafür war das eine brillante Leistung. Ich schreibe sie noch längst nicht ab. Wir tun gut daran, den Fokus so hoch zu halten, wie wir es heute getan haben."

Darius Miller (Topwerfer der Brose Baskets): "Zu Beginn hatten wir offensiv einige Schwierigkeiten, waren schlampig. Als dann aber unsere Ballbewegung besser wurde, lief unser Angriff und wir bekamen freie Würfe. Danach ist die Partie dann für uns ganz gut gelaufen. Am Mittwoch in Ulm müssen wir aber von Beginn an unser Spiel spielen. Das ist ganz wichtig, denn die Ulmer sind eine gute Mannschaft - speziell daheim."

Brad Wanamaker (Kapitän der Brose Baskets): "Es hat ein wenig gedauert, bis wir ins Rollen gekommen sind. Aber dann war unsere Verteidigung ganz gut. Aber die Ulmer sind gefährlich. Wir müssen jetzt noch ein wenig mehr zusammenrücken und in Ulm einiges besser machen. In den Play-offs musst du deinen besten Basketball spielen. Das ist heute vor allem Darius Miller gelungen. Wir sind ein sehr uneigennütziges Team, in dem jeder Spiele entscheiden kann. Heute war es Darius."

Per Günther (Ulmer Aufbauspieler): " Drei Viertel waren relativ ausgeglichen, aber das zweite war klar schwach von uns, und das wird hier natürlich bestraft. Die Bamberger haben im zweiten Viertel über 30 Punkte gemacht, das ist für eine Finalserie einfach zu viel. Bamberg ist eine Mannschaft, die nicht zu stoppen ist, wenn sie in ihren Rhythmus kommt. Das müssen wir irgendwie verhindern. Raymar Morgan hat uns getragen, aber ein überragender Spieler alleine reicht nicht, um Bamberg zu schlagen. Da reichen vielleicht auch zwei oder drei nicht, wenn du es nicht schaffst, als Kollektiv erfolgreich zu sein."

Patrick Heckmann (Bamberger Flügelspieler): "Ulm ist ein unangenehm zu spielender Gegner. Sie nehmen viele Würfe, die man so nicht erwartet und switchen in der Verteidigung viel. Damit hatten wir im ersten Viertel ein wenig Probleme. Ins zweite Spiel müssen wir wieder sehr aggressiv gehen, viel hoch und runter laufen und Ulm müde machen. Wir wollen jetzt die Chance nutzen, am Sonntag den Sack zumachen zu können. Aber die Ulmer spielen zu Hause sicher um einiges besser und werden die Würfe treffen, die sie heute nicht getroffen haben. Da müssen wir konzentriert aus der Kabine kommen und noch besser verteidigen." ps/kg
Die Statistik

Brose Baskets Bamberg - ratiopharm Ulm 101:82
(23:22, 31:17, 22:19, 25:24)

Bamberg Miller (26 Punkte/8 Dreier), Wanamaker (17/1), Zisis (12/2), Strelnieks (10/1), Harris (9), Theis (9), Melli (6), Heckmann (5/1), Radosevic (4), Staiger (3/1), Obst
Ulm Morgan (20), Günther (19/3), Rubit (18), Braun (7), Butler (7), Henry (5/1), Babb (4), Krämer (2), Ferner
SR M. Reiter, Barth, Fritz
Zuschauer 6800 ausverkauft
Gesamtwurfquote Bamberg 64 Prozent (35 Treffer/55 Versuche), Ulm 45 (27/60)
Dreierquote Bamberg 67 Prozent (14/21), Ulm 21 (4/19)
Freiwurfquote Bamberg 89 Prozent (17/19), Ulm 77 (24/31)
Rebounds Bamberg 25 (20 defensiv/5 offensiv), Ulm 32 (16/16)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 4/9, Ulm 2/8
Assists Bamberg 24 / Ulm 13
Fouls Bamberg 26 / Ulm 23