"Er gehört mit Dennis Schröder zu einer Generation, die die Nationalmannschaft die nächsten Jahre prägen wird", prophezeite Bundestrainer Chris Fleming und sagte schon vor einem Jahr, als der Stern von Maodo Lo bei der EM-Vorrunde in Berlin aufging: "Er hat sehr viel Talent. Aber er sollte mutiger werden."

Am Samstag in Würzburg nach dem verlorenen Länderspiel gegen die Ukraine meinte der langjährige Bamberger Erfolgscoach: "Maodo ist ein sehr cleverer Spieler. Wenn sich ein Hindernis vor ihm aufgebaut hat, hat er stets herausgefunden, wie er drüberspringen kann." Und Fleming freute sich auch über seine Verpflichtung in Bamberg. "Das ist auf jeden Fall die bessere Wahl, in seinem Heimatland Euroleague zu spielen als in einem NBA-Farmteam in der D-League", so der Assistenz-Trainer der Brooklyn Nets.

Der in Berlin aufgewachsene Maodo Lo lernte das Basketball-Abc beim DTV Charlottenburg. Als er nach einem Internats-Aufenthalt in den USA an die renommierte Columbia-Universität in Upper Manhattan wechselte, wo Nobelpreisträger und US-Präsidenten wie Dwight D. Eisenhower oder Barack Obama studierten, ging es mit seiner Basketball-Karriere steil bergauf. In seinem letzten, dem vierten Jahr am College, kam Lo im Schnitt auf 16,9 Punkte, 3,9 Rebounds und 2,9 Assists pro Spiel. Den Sprung in die amerikanische Profiliga NBA schaffte er nicht, obwohl er in der Summer-League, in der Kandidaten vorspielen, für Philadelphia gute Leistungen gezeigt hatte.

Nun ist Lo in Deutschland angekommen, wo er 1992 in Berlin als Sohn eines senegalesischen Vaters und seiner deutschen Mutter, der Künstlerin Elvira Bach, geboren wurde. Die Malerin brachte es in den Achtzigerjahren zu einer Einladung bei der Documenta in Kassel und stellte ihre neoexpressionistischen Werke auch schon im Museum of Modern Art in New York und im Guggenheim Museum aus. Lo interessiert sich auch für Kunst. Ob im Weltkulturerbe Bamberg etwas für ihn dabei ist?

Lo raucht nicht und trinkt keinen Alkohol. Und am liebsten isst der Sohn in einem afrikanischen Restaurant in der Upper West Side. "Ich bin kein Lautsprecher und werde es wohl nie werden. Ich rede lieber dann, wenn Worte wichtig sind", sagt der 24-Jährige. Bescheiden blieb er auch nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft in diesem Jahr in Würzburg. "Ich habe heute nicht so gut gespielt, ein wenig überhastet. Mir unterliefen einige Ballverluste, die eigentlich nicht passieren dürften, und ich habe nicht so gut geworfen. Ich versuche mich auf die Sachen zu konzentrieren, die ich kontrollieren kann, wie gute, harte Defense zu spielen."

In der Würzburger Arena unterhielten wir uns mit dem Bamberger Neuzugang über die Nationalmannschaft und sein neues Team in Oberfranken.

Ihre Rolle in der Nationalmannschaft hat sich innerhalb von einer Woche, nach der Absage von NBA-Aufbauspieler Dennis Schröder, enorm verändert. Wie gehen Sie mit der Verantwortung als startender Point Guard im Team um?
Maodo Lo: Einfach hart trainieren, fokussiert zu sein, um so gut wie möglich in die Rolle reinzuschlüpfen. Das werde ich natürlich allein nicht schaffen, wir müssen als Mannschaft den Verlust von Dennis kompensieren. Ich denke, dass wir genug Talent haben, eine erfolgreiche EM-Qualifikation zu spielen, wenn wir hart trainieren.

Wie betrachten Sie selbst Ihre Entwicklung seit der EM 2015 in Berlin? Beispielsweise sind ja Ihre Wurfquoten an der Uni im letzten Jahr in die Höhe geschnellt.
Man versucht immer, sich zu verbessern. Ich denke, dass die NBA-Summer-League mir viel an Erfahrung gebracht hat. Und auch der Wechsel nach Bamberg wird meiner Entwicklung gut tun. Da kann ich dazu lernen.

Sie kamen von Berlin nach New York und wechseln nun ins kleine Bamberg. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen in Franken die Decke auf den Kopf fällt?
Das wir bestimmt eine Umstellung sein. Das ist eine Erfahrung, die man als Mensch macht. Ich werde mich auf Basketball konzentrieren. Das ist mein Fokus.

Es gibt ja Großstädte in Deutschland, wo auch Basketball gespielt wird. Waren München, Berlin oder Frankfurt keine Optionen für Sie?
Klar waren das auch Optionen, doch die beste war Bamberg für mich.

Welche Gründe gaben den Ausschlag für Bamberg?
Die Qualität der Mannschaft, und ich habe gesehen, dass Bamberg in der Lage ist, junge Spieler zu entwickeln. Diese Kombination war es. Da habe ich mir gedacht, es spricht eigentlich alles für Bamberg und nichts dagegen. Dazu kommt ein guter Trainer, junge Spieler, eine internationale Mannschaft und gute Entwicklungsmöglichkeiten. Ich bin sehr froh, hier zu sein.

Haben Sie sich vor der Unterschrift für drei Jahre noch mit jemandem beraten?
Ja klar. Ich habe mit Patrick Heckmann gesprochen, natürlich auch mit den Trainern. Natürlich ist das eine riesige Entscheidung in der Karriere eines Spielers.

Mit Nikos Zisis, Janis Strelnieks und jetzt auch noch Fabien Causeur haben Sie in Bamberg enorme Konkurrenz auf ihrer Position.
Ich bin ein junger Spieler und kann von ihnen nur lernen. Und die Konkurrenz macht einen besser. Ich bin aufgeregt und freue mich auf den Prozess in Bamberg.

Die Belastung mit 64 Bundesliga- bzw. Euroleague-Vorrundenspielen ist für Sie nach dem Wechsel vom College sicher enorm. Wie gehen Sie damit um?
Dazu kommt ja noch, dass ich quasi den ganzen Sommer durchgespielt habe. Nach Summer-League nun Nationalmannschaft und dann Bamberg. Ohne Pause wird das anstrengend. Ich werde versuchen, auf meinen Körper aufzupassen und gut zu regenerieren.

Haben Sie von Bamberg schon mal etwas gesehen?
Ich war im vergangenen Jahr mit der Nationalmannschaft da. Aber von der Stadt habe ich noch nicht viel gesehen.