Die Suppe haben sich die Bamberger Brose-Basketballer selbst eingebrockt - jetzt müssen sie sie auch selbst wieder auslöffeln. Der Druck ist nach der 92:93-Heimpleite am Sonntag gegen die Telekom Baskets für die Trinchieri-Truppe jedenfalls gestiegen. Im zweiten Spiel der Viertelfinalserie nach dem Modus "Best-of-five" muss der deutsche Meister am Mittwoch (20.30 Uhr) in Bonn gewinnen, um die Serie auszugleichen und sich den Heimvorteil zurückzuholen. Gelingt das, geht es am Sonntag (15 Uhr) in der Frankenhölle wieder bei null los, dem Sieger winkt dann der erste Matchball.


Fehlstarts haben Tradition

Solche Play-off-Fehlstarts haben in Bamberg Tradition: 2015 starteten die Franken mit einer Heimniederlage ins Finale gegen die Bayern, 2014 gab es eine Heimpleite im Viertelfinale gegen Artland, 2013 im Halbfinale gegen die Bayern, und 2012 begann das Viertelfinale gegen Bonn mit einer Heimschlappe. Bis auf eine Ausnahme (Artland) holten sich die Bamberger stets den Heimvorteil sofort wieder zurück.

"Die Tatsache, dass wir den Bonnern erlaubt haben, hier den Sieg mitzunehmen, wird ihnen sicher weiteres Selbstvertrauen geben. Aber auch wir sind zuversichtlich, schließlich haben wir sie auch schon in ihrer Halle geschlagen. Allerdings müssen wir ganz anders auftreten und wieder zusammenfinden. Ich denke, wir haben noch alles in der eigenen Hand", urteilt Brose-Center Leon Radosevic.

Und wie soll die Wende gelingen? "Zum einen waren es die freien Bälle, die wir nicht gesichert und dadurch den Bonnern viele einfache Punkte gestattet haben. Wir müssen uns aber insgesamt mehr fokussieren, vor allem die Pick-and-roll-Verteidigung hat nicht funktioniert. Wir haben den Bonnern Dunkings, freie Halbdistanzwürfe und Dreier ermöglicht, das darf und wird nicht noch einmal passieren", betont der Kroate, der hofft, im Sommer einen deutschen Pass zu bekommen.


"Momentum ist auf unserer Seite"

Auf jeden Fall machten die Bonner am Samstag in der Frankenhölle klar, dass sie trotz der schwachen Leistungen zuletzt in der Hauptrunde, mit der sie Rang 5 verspielt haben, keineswegs Kanonenfutter sind. "Alles, was bisher passiert ist, wurde weggewischt. In den Play-offs geht es wieder bei null los. Viele haben uns prophezeit, dass wir in Bamberg eine Packung bekommen und mit einem Sweep rausfliegen. Das war ein Vorteil. Wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst, kannst du alles versuchen", erklärt der Ex-Bamberger Ryan Thompson die Leistungsexplosion (93 Punkte) der zuvor arg in der Kritik stehenden Rheinländer, die in der Hauptrunde gegen Play-off-Teams lediglich auf einen Punkteschnitt von 79,3 gekommen waren.

"Es ist uns gelungen, den Sieg zu klauen. Das Momentum ist vor dem Heimspiel auf unserer Seite. Die Bamberger werden am Mittwoch aber sicher ganz anders auftreten. Das Spiel kann ganz anders laufen. Auf jeden Fall werden wir uns genauso gewissenhaft vorbereiten wie auf das erste Spiel", so Thompson, der mit zwölf Zählern zum Baskets-Quintett zählte, das mit zweistelligen Punktwerten die Sensation perfekt gemacht hatte.


"Wir denken uns was Neues aus"

Neben Thompson müssen sich die Bamberger in der Verteidigung vor allem auf Josh Mayo konzentrieren, der mit 25 Punkten (4 Dreier) und neun Assists ebenso wie Ken Horton (17/12 Rebounds) und Julian Gamble (16/5) eine Glanzleistung ablieferte. "Wir haben analysiert, was man noch besser machen kann, und jetzt werden wir uns ein bisschen was Neues ausdenken, genau wie mein Kollege Trinchieri das mit seinem Team auch machen wird", erklärte Bonns Coach Predrag Krunic dem "Generalanzeiger" und ergänzt: "Es wird darauf ankommen, wer besser auf die Überraschungen reagiert."

Fraglich ist der Einsatz von Nikos Zisis. Der am Knöchel verletzte Brose-Routinier war am Samstag ebenso wie der erkrankte Center Vladimir Veremeenko und Elias Harris (Knieprobleme) zum Zusehen verurteilt.