Dank einer Leistungsexplosion im letzten Viertel haben die Bundesliga-Basketballer von Brose Bamberg die zweite Play-off-Heimniederlage gegen die Telekom Baskets Bonn noch abwenden können. Nach dem hart erkämpften und mit 76:63 (36:29) zu hoch ausgefallenen Erfolg ging der Titelverteidiger am Sonntag in der nach dem Modus "best-of-five" ausgetragenen Viertelfinalserie mit 2:1 nach Siegen in Front. Am Dienstag (20.30 Uhr) kann die Mannschaft von Andrea Trinchieri nun in Bonn den Einzug ins Halbfinale perfekt machen.

Nach seiner starken Vorstellung in Bonn stand Lucca Staiger anstelle von Darius Miller in der Bamberger Startformation. Dem Scharfschützen gestatteten die Telekom Baskets jedoch anders als am Mittwoch zunächst kaum einen freien Wurf. Überhaupt taten sich die Gastgeber aus der Distanz schwer. Nur vier von 14 Dreiern fanden in der ersten Halbzeit den Weg in den Korb. Obwohl Leon Radosevic stark am gegnerischen Brett rackerte und sich vier der insgesamt elf Offensivrebounds vor der Pause schnappte, fand der Titelverteidiger im Angriff nicht zu seinem Rhythmus. Allerdings hielten die Hausherren ihren Gegner mit einer starken Verteidigung in Schach und lagen stets knapp in Führung.


Horton und Gamble punkten

Den Bonnern war das Fehlen ihres Topscorers Josh Mayo (Oberschenkelprobleme) nicht anzumerken. Dessen Vertreter Jamarr Sanders konnte offensiv zwar keinerlei Akzente setzen. Doch punkteten die Gäste vornehmlich auf den großen Positionen mit Julian Gamble und Kenneth Horton. Der starke Nikos Zisis sorgte mit einem Dreier mit der Schlusssirene dafür, dass der Favorit mit einem mühsam erkämpften 36:29-Vorsprung in die Kabine ging.

Nach der Pause stotterte der Motor beim äußerst statisch spielenden Meister, der das Mannschaftsspiel sträflich vernachlässigte, noch mehr. Als Bonn bis auf 39:38 dran war, sah sich Trinchieri zu einer Auszeit gezwungen. Doch diese fruchtete nicht. Als Gamble die Gäste erstmals in dieser Partie in Führung brachte (44:43, 26. Min.), hörte man erstmals die wenigen Fans der Rheinländer unterm Hallendach der Nordtribüne jubeln. Und sie hatten noch mehr Grund, sich zu freuen. Denn mit sieben Punkten in Folge brachte der Ex-Bamberger Ryan Thompson den Gast verdient mit acht Punkten nach vorne (51:43). Bis zum Viertelende war Brose aber wieder auf vier Zähler dran (48:52).


Zisis sorgt für die Wende

Diesem Rückstand liefen die Bamberger bis zur 36. Min. hinterher, ehe Zisis nach einem unsportlichen Foul von Sanders an ihm das Blatt wendete. Der Grieche verwandelte einen Freiwurf und traf per Dreier zum 62:59. Diesmal ließen sich die Hausherren die Führung nicht mehr entreißen, da sie den Ball nun wesentlich besser bewegten und Fabien Causeur, Janis Strelnieks und Darius Miller ihre Dreier trafen. Dies raubte den Gästen, die sich lange tapfer gewehrt hatten, den Glauben an eine abermalige Wende in dem lange ausgeglichenen Spiel, zumal ihnen in den letzten Minuten der Partie sichtlich die Puste ausging.


Die Statistik

Brose Bamberg -
Telekom Bask. Bonn 76:63

(18:17, 18:12, 12:23, 28:11)
Bamberg Zisis (15 Punkte/2 Dreier), Miller (13/3), Staiger (13/3), Strelnieks (11/3), Theis (8), Causeur (8/1), Melli (5), Radosevic (3), Lo, Heckmann, Kratzer, Olinde
Bonn Thompson (15), Gamble (15), Horton (11/3), Barovic (9), DiLeo (8), Silins (3/1), Bartolo (2), Sanders, Koch
SR Madinger, Simonow, Bittner
Zuschauer 6150 ausverk.
Gesamtwurfquote Bamberg 40 Prozent (26 Treffer/65 Versuche), Bonn 37 (22/60)
Dreier Bamberg 40 Prozent (12/30), Bonn 27 (4/15)
Freiwurfquote Bamberg 67 Prozent (12/18), Bonn 79 (15/19),
Rebounds Bamberg 43 (25 defensiv/18 offensiv), Bonn 37 (24/13)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 4/11, Bonn 6/9
Assists Bamberg 15 / Bonn 12
Fouls Bambg. 24 / Bonn 22


Stimmen zum Spiel

Andrea Trinchieri (Bamberger Trainer): "Es war ein großer Kampf, eine große Schlacht. Wir haben drei solide Viertel gespielt, aber im dritten waren wir schlecht. Das war eher Handball als Basketball. Fünf Spieler stehen um die Zone herum und warten auf den Ball. Im letzten Viertel haben wir den Ball besser bewegt und besser gegen Thompson verteidigt."

Predrag Krunic (Bonner Trainer): "Meine Spieler haben eine unglaubliche kämpferische Leistung gezeigt. Aber am Ende haben uns die Kräfte verlassen. Zum Schluss haben die Bamberger viele schwierige Würfe getroffen, und wir hatten einige unglücklich Aktionen. Ob Josh Mayo am Dienstag wieder spielen kann, weiß ich nicht. Ich glaube aber nicht."

Rolf Beyer (Geschäftsführer von Brose Bamberg): "Bonn hat alle Energie in dieses Spiel gesteckt. Wir müssen uns ein wenig am Riemen reißen und uns ein Beispiel an Nikos Zisis nehmen, der mit viel Willen versucht hat, dieses Spiel zu steuern. Aber der Rest muss da mitziehen. Ich erwarte da mehr Konzentration, Disziplin und Souveränität von unserem Team. Das vierte Viertel war ein Basketball-Festival, aber das war auch nötig, um Bonn in die Schranken zu weisen."

Ryan Thompson (Ex-Bamberger in Reihen der Telekom Baskets Bonn): "Wir haben bis zum letzten Atemzug gekämpft, aber gegen ein so starkes Team musst du 40 Minuten lang dagegenhalten. Aber ich muss unserem Team ein Kompliment machen. Nach dem Ausfall von Josh Mayo wussten wir, dass jeder eine Schippe drauflegen muss. Und das haben wir getan. Im zweiten Viertel habe ich meine Chance bekommen, aber es war leider nicht genug."

Lucca Staiger (Bamberger Scharfschütze): "Es war kein einfaches Spiel. Wir mussten an unsere Grenzen gehen. Aber es war schön zu sehen, dass wir uns einen Sieg auch erkämpfen können. Die Bonner waren schon immer eine sehr talentierte Mannschaft, und jetzt verteidigen sie auch noch gut. In den Play-offs legen eben alle Mannschaften nochmal 20 Prozent drauf, da kann man nicht immer schön spielen."

Nikos Zisis (Bamberger Aufbauspieler: "Ich muss unseren Fans danken. Selbst als wir mit acht Punkten hinten lagen, haben sie uns nach vorne gepeitscht, und so ist dieses letzte Viertel zustande gekommen. Ich habe schon in vielen Hallen gespielt und weiß, dass Basketball auch viel mit Psychologie zu tun hat. Manchmal gerätst du etwas in Panik, aber die Fans haben uns aus dem Loch rausgeholfen."

Daniel Theis (Bamberger Center): "Wir wollten die Bonner diesmal bei den Punkten im Sechziger-Bericht halten. Das ist uns gelungen, leider war aber unsere Offense in den ersten drei Vierteln nicht ganz so flüssig." ps