Heute vor 50 Jahren, am 26. September 1970, fand das erste Bundesliga-Basketball-Spiel einer Bamberger Mannschaft statt. Der 1. FC Bamberg trat nach dem Aufstieg aus der Oberliga Süd in der damals noch zweigliedrigen Bundesliga in der Südgruppe beim hohen Favoriten USC München an. Trotz der Unterstützung von etwa 300 mitgereisten Fans verloren die Oberfranken deutlich mit 59:87.

Die FCB-Anhänger machten die Partie in der Halle an der Dachauer Straße zu einem Heimspiel. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass die ersten Fans schon vier Stunden vor Spielbeginn mit Pauken und Trompeten ankamen. "Auf den Rängen herrschte das Inferno. Auf diese Kassenfüller können wir verzichten. Wer sich als Gast so pöbelhaft benimmt, braucht nicht wiederzukommen", ließen sich USC-Verantwortliche zitieren.

Doch die Münchner, bei denen der in Bamberg stationierte US-Soldat Frank Stron-czek gegen "seine Bamberger" um den FCler und Army-Kameraden Jim Wade auf eine Teilnahme aus Rücksichtnahme verzichtete, waren zu stark.

Die USCler starteten mit einer 12:1-Führung und zogen über 28:8 auf 36:9 davon. Zwar kamen die überraschten Bamberger zur Pause auf 24:40 und bis zur 29. Minute auf 36:51 heran, ehe sie gegen die mit Nationalspielern gespickten Münchner resignierten.

Im Münchner Merkur schrieb der Berichterstatter: "Geschwindner hatte dem Starbasketballer und schwarzen Modellathlet Wade bereits den Nerv mit hautnaher Manndeckung gezogen."

Den ersten Bundesliga-Sieg fuhren die Bamberger im dritten Spiel ein. Am 10. Oktober gingen "Wade und Brand auf Löwenjagd", wie der Fränkische Tag nach dem 85:77-Sieg beim TSV 1860 München den Bericht überschrieb.

Der erste Heimsieg in der JFK wurde am 28. Oktober 1970 gegen den FC Bayern München gefeiert. 1800 zahlende Zuschauer, hieß es im FT-Bericht, Insider sprachen von deutlich mehr Fans, trieben an einem Mittwochabend das Team zum 83:70-Sieg. Wade (37), Brand (23), Hempfling und der abwehrstarke Lorber (je 12) zeichneten maßgeblich für den Erfolg verantwortlich.

Die Saison endete erfolgreich. Mit fünf Siegen in den letzten fünf Spielen kletterten die Bamberger mit 20:16 Punkten noch auf Rang 5. Wegen der Einführung der eingleisigen Bundesliga mussten nämlich vier der zehn Teams absteigen. Jim Wade trug mit 549 Punkten in dieser Saison die Hauptlast im Angriff. Gerhard Brand folgte mit 301 Zählern vor Wolfgang Reichmann (185), Helmut Hempfling (104) und Clemens Klinger (89).

Fritz Hofmann, der Tausendsassa - Trainer, Assistent und lange Jahre Abteilungsleiter

Fritz "Fips" Hofmann trug in der Zweitliga-Meistermannschaft, damals mit 26 Jahren der Älteste im Team, noch das FCB-Trikot mit der Nr. 4. In der Bundesliga rückte der später lange Jahre die Abteilung führende Hofmann als Assistenztrainer an die Seite von Cheftrainer Sergeant Robert Lewis. Hofmann leitete auch schon im Aufstiegsjahr öfters das Training, wenn Pablo Hartmann aus Studiengründen verhindert war.

"Lewis haben wir nicht wegen seiner basketballerischen Trainerfähigkeiten geholt, sondern weil er in der US-Army die John-F.-Kennedy-Halle verwaltete und als Trainer der Standortauswahl "The Barons" auf Jim Wade Zugriff hatte."

Hofmann erinnert sich noch an einen kleinen Eklat zu Saisonbeginn. "Vom Sporthaus Kohmann haben wir damals einheitliche weiße Trainingsanzüge für die Mannschaft bekommen. Doch Peter Müller und Pablo Hartmann haben sich zunächst geweigert, die anzuziehen. Sie wollten sich nicht uniformieren lassen, meinten die Studenten damals in der hochpolitischen Zeit, mit APO, Demos gegen den Vietnamkrieg und so weiter." Man einigte sich dann aber noch, und die gesamte Mannschaft sei dann einheitlich angetreten und fuhr auch gemeinsam zu den Auswärtsspielen. "In der Oberliga sind wir meist noch in Privatautos gefahren, erst in der Bundesliga fuhren wir Bus."

Aufstiegscoach Pablo Hartmann - der Student war in der Bundesliga wieder Spieler

Werner Hartmann, den in Bamberg jeder nur als "Pablo" kennt, schaffte mit dem 1. FC Bamberg im April 1970 nach Hin- und Rückspiel gegen den SV Darmstadt 98 den Aufstieg in die Bundesliga. "In dieser Saison habe ich das Coaching aufgrund einer Notlage übernommen, nachdem wir keinen Trainer hatten", erinnert sich Hartmann. Nach dem Durchmarsch ins Oberhaus zog Hartmann, damals erst 22 Jahre alt, wieder das Trikot über. "Ich wollte wieder spielen", sagt der inzwischen 71-Jährige. Mit dem Amerikaner Robert Lewis, einem Sergeant der US-Army, fanden die Verantwortlichen einen neuen Coach, der auch die Army-Auswahl in der Bamberger Kaserne trainierte. "Es lag also auch in seiner Verantwortung, dass wir in der JFK-Halle spielen und zudem Jim Wade verpflichten konnten. Für uns war das sehr günstig, weil wir dann praktisch jederzeit in die Halle hinein konnten", sagt Hartmann. "Die Begeisterung war da, vor allem unter den jungen Spielern. Wir haben trainiert wie die Geisteskranken." Hartmanns Rolle im Bundesliga-Team war eher klein. "Nach München fuhren wir jedenfalls mit großem Selbstbewusstsein. Ich war ein Auswechselspieler auf den kleinen Positionen - ein Wasserträger." Hartmann spielte noch zwei weitere Saisons und kehrte 1979/80 als Trainer zusammen mit Peter Müller wieder zum 1. FC Bamberg zurück.

Rudi Lorber, der Rollenspieler - Einsätze als Kettenhund gegen gegnerische Aufbauspieler

Als Student zum Sonderschullehrer für Hörgeschädigte spielte Rudolf "Rudi" Lorber im Aufstiegsteam als Spielmacher eine Reserverolle. Wenn Jim Wade Verschnaufpausen benötigte, kam Lorber aufs Feld. "Ich stand aber auch gemeinsam mit ihm auf dem Parkett. Damals gab es ja noch die Aufteilung in rechter und linker Flügel, tiefer Center und High Post. Ich spielte aber vor allem, wenn ich den gegnerischen Aufbauspieler an die Kette legen sollte. Das war gegen München damals der gebürtige Ungar Janos Belik. Ich war damals offensichtlich ein guter Abwehrspieler", sagt heute Lorber über den damals 24-jährigen Lorber, der mit seiner Rolle im Aufstiegsteam recht zufrieden war.

An die Euphorie im Team erinnert sich Lorber gut: "Wir waren auswärts ziemlich schwach. Der Frust nach den Niederlagen war entsprechend groß. Auf der Heimfahrt im Bus haben wir dann Coach Sergeant Lewis freiwillig angeboten, sonntags Sondertraining zu absolvieren." Was heutzutage gar nicht mehr denkbar wäre, schildert Lorber: "Die Stadt Bamberg stellte aber für den Aufbau der Tribünen keinen ab. So waren wir als Spieler am Samstagvormittag gefordert, die Tribünen aufzubauen."

Als in den Folgejahren Spieler von außerhalb geholt wurden, sanken Lorbers Spielanteile. In der Saison 1974/75 war er dann zusammen mit "Fips" Hofmann im Trainergespann tätig, auch 1981/82 saß er nochmals als Trainer auf der Bank des 1. FC Bamberg.

Wolfgang Reichmann - Jung-Nationalspieler und Linkshänder

Der erste Gegner in der Bundesliga-Saison 1970/71 war am 26. September der USC München. Doch Wolfgang Reichmann hätte um ein Haar zum Auftakt gefehlt. Reichmann hatte sich im Urlaub eine Infektion eingehandelt und lag in der Woche vor dem ersten Spiel in der Privatklinik Niederstrasser. Wenige Tage vor der Partie meldete der Fränkische Tag, dass Reichmann in einer Bamberger Klinik wegen einer schweren Infektion mit Gefahr einer Blutvergiftung behandelt wurde und sein Einsatz sehr fraglich sei.

"Ich wollte aber unbedingt beim ersten Bundesligaspiel dabei sein. Gegen den ärztlichen Rat bin ich dann ohne Training mitgefahren und habe trotzdem ein ganz gutes Spiel gemacht", sagt Reichmann 50 Jahre später. 15 Punkte wurden für den Linkshänder notiert.

"Die Münchner hatten im Zuge der Olympia-Vorbereitung viele Nationalspieler im Team. Gegen die waren wir chancenlos. Die Ernüchterung war groß. Wir fragten uns, was haben wir uns mit dem Aufstieg da eingebrockt? Doch durch unsere riesige Fanbegleitung war es fast nicht möglich, Trübsal zu blasen. Die Münchner waren konsterniert, als wir in der verkehrsreichen Dachauer Straße mit sechs Bussen geparkt haben und die Halle eingenommen haben. Auch Coach Lewis hat mit seiner guten Laune und seinem Optimismus den Frust weggewischt."

Sonderbewacher Peter Müller - gegen Geschwindner hatte er einen schweren Stand

Peter Müller war damals Spieler und auch Berichterstatter für den Fränkischen Tag - vor allem bei Auswärtsspielen. "Als mittelgroßer Spieler bekam ich in der Aufstiegssaison immer wieder die Aufgabe, die Gegner, die gerade heiß gelaufen sind, zu verteidigen. Ich vergleiche das gerne mit der Rolle von Karsten Tadda. In München war das gegen Geschwindner. Wenn er weiter draußen war, ging das noch ganz gut, doch wenn er sich Richtung Korb bewegte, wurde es undankbar. Geschwindner hatte lange Arme und war einige Zentimeter größer als ich."

"Aus der Mannschaft habe anfangs keiner erwartet, dass wir in der Bundesliga Bäume ausreißen", erinnert sich der heute 70-jährige Müller. Außerdem habe man erkannt, dass wir mit Wade alleine nicht gewinnen würden, vor allem wenn die Gegner Abwehr auf höherem Niveau gespielt haben.

"Nach der Niederlage in München gab es bei uns keine besondere Enttäuschung. Die routinierten USCler waren uns klar überlegen. Bei uns stieg das Niveau erst von Spiel zu Spiel." Dabei war die Saisonvorbereitung mit Sergeant Lewis intensiv. "Wir haben da viermal pro Woche trainiert. Pablo und ich waren zusätzlich auch vormittags in der Halle. Da kam dann auch öfters Wade vorbei. An den Wochenenden wurde dann ein Turnier gespielt. "