Die Ulmer sind die Überraschungsmannschaft dieser Play-offs. Sie stehen im Finale und kämpfen ab Sonntag (15 Uhr im Liveticker auf inFranken.de) zusammen mit den gastgebenden Brose Baskets um den Titel. Obwohl die Schwaben den Heimvorteil nicht auf ihrer Seite hatten, waren sie in den "Best-of-five-Serien" zweimal mit 3:1 Siegen erfolgreich: Im Viertelfinale schickte der Hauptrunden-Siebte die Oldenburger (2.) frühzeitig in den Urlaub, in der Vorschlussrunde mussten die Frankfurter (3.) dran glauben.

Sicherlich geht die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath auch gegen den amtierenden Meister aus Bamberg als krasser Außenseiter ins Rennen, doch diese Rolle scheint Per Günther & Co. zu liegen. Beherzigen die bisher in dieser Saison übermächtigen Bamberger allerdings die Warnsignale, trumpfen gegen die Ulmer ebenso souverän auf wie bei den 3:0-Sweeps gegen Würzburg und Bayern München - die sechs Spiele wurden mit im Schnitt 24 Punkten Differenz gewonnen - , dann sollte nichts anbrennen.

Diese erste Partie in der ausverkauften Frankenhölle wird zum Schlüsselspiel, denn die Ulmer legten sowohl in Oldenburg als auch in Frankfurt mit ihren Auswärtssiegen den Grundstein zum Erfolg. Deshalb warnt auch Trinchieri davor, die Senkrechtstarter zu unterschätzen: "Die Ulmer haben den Zweiten und den Dritten der Rangliste eliminiert - ohne den Heimvorteil. Sie haben eine tolle Chemie im letzten Monat gefunden, spielen stark, treffen die wichtigen Würfe."


Günther in absoluter Topform

Und das ist nach Meinung von Trinchieri vor allem ihrem Kapitän zu verdanken: "Per Günther spielt unbeschreiblich in den Play-offs. Ich glaube, dass er in dieser Form ganz sicher der Spielmacher der Nationalmannschaft ist, weil er das Team führt, wichtige Würfe trifft. Er hat einfach den besten Moment seiner Karriere erreicht."

Der erfahrene Spielmacher und die sechs Amerikaner Chris Babb, Taylor Braun, Da'Sean Butler, Raymar Morgan, Augustine Rubit und Pierria Henry mussten in den Play-offs Schwerstarbeit verrichten, weil der Ex-Bamberger Philipp Neumann (Knieverletzung) und der ehemalige Bayreuther David Brembley (Fußbruch) in dieser Saison nicht mehr ins Geschehen eingreifen können. Entlastung bekommen die sieben Aufrechten dabei lediglich etwas von Talent Joschka Ferner.

Doch Trinchieri sieht in dieser kurzen Rotation der Ulmer auch einen Vorteil: "Manchmal ist weniger mehr - speziell in den Play-offs. Wenn du weniger Spieler zur Verfügung hast, wissen diese, dass sie auf dem Feld stehen, egal, was passiert. Der Druck der Fehler - Basketball ist ein Spiel der Fehler - fällt weg. Wenn du weißt, du spielst - egal, ob du etwas richtig oder falsch machst, ist das für die Akteure allein von der psychologischen Seite einfacher." Tauschen möchte der 47-Jährige, der meist mit einer Zehner-Rotation spielt, aber dennoch nicht.


Kleine Rotation kein Nachteil

Der Bamberger Erfolgstrainer führt den Ulmer Einbruch am Dienstag, als die Gastgeber in Spiel 4 gegen Frankfurt am Ende einen 19-Punkte-Vorsprung beinahe noch verspielt hätten und nur hauchdünn mit 73:72 gewannen, nicht auf fehlende Kraft zurück: "Sie dachten, die Serie ist vorbei und sie hätten das Spiel bereits beendet. Das ist menschlich. Aber ich bin sicher, das war nicht die Physis, sondern alleine das Mentale."

Aber auch in dieser Beziehung ist der siebenfache Meister jeder Mannschaft in der Bundesliga in dieser Saison haushoch überlegen. Durch zahllose Schlachten in der Euroleague gestählt, entwickelten die Brose Baskets eine Mentalität, die auch in aussichtslosen Situationen noch zum Erfolg führt. Bestes Beispiel war Partie 2 in München, in der der Hauptrunden-Erste in den Play-offs bei einem 17-Punkte-Rückstand bisher das einzige Mal richtig gefordert war. Brad Wanamaker und seine genialen Mitstreiter meisterten aber auch diese missliche Lage und wendeten das Blatt.

Doch für Trinchieri ist das alles Schnee von gestern: "Die Ulmer sind Finalist und werden wie ein solcher spielen, alles versuchen. Denn wie oft hast du die Chance in deinem Leben, ein Finale zu spielen. Jeder, der denkt, es wird einfach, der sollte daheim bleiben."

2012 standen sich Ulm und Bamberg schon einmal in einem Finale gegenüber. Damals hatten sich die Ulmer mit einem überragenden Isaiah Swann ins Finale gesweept. Dort gab es zwar ein 0:3 gegen Bamberg, aber Swann hätte in Spiel 3 den Gastgebern beim 97:95-Erfolg mit acht Dreiern und 36 Punkten beinahe die Meisterfeier vermasselt. So weit wollen es die Brose Baskets aber nicht kommen lassen, auch wenn Günther, Rubit oder Morgan an einem guten Tag explodieren können.

Die Termine der Finalspiele
Spiel 1
Sonntag, 15 Uhr: Brose Baskets - ratiopharm Ulm
Spiel 2 Mittwoch, 8. Juni, 20.30 Uhr: Ulm - Bamberg
Spiel 3 Sonntag, 12. Juni, 15 Uhr: Bamberg - Ulm
falls erforderlich - Spiel 4 Mittwoch, 15. Juni, 20 Uhr: Ulm - Bamberg
Spiel 5 Sonntag; 19. Juni, 15 Uhr: Bamberg - Ulm