BFV krempelt den Kinderfußball um: Nur noch drei statt sieben Spieler
Autor: Jannik Reutlinger
Bamberg, Mittwoch, 24. April 2019
Der Kinderfußball ist im Umbruch, der Bayerische Fußballverband führt zur Talentförderung eine neue Spielform ein.
Zwei Tore, zwei Torhüter, mindestens Sieben-gegen-Sieben - das war im Nachwuchsfußball Standard, könnte aber bald der Vergangenheit angehören. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat einen Reformprozess angestoßen.
Folgende Punkte sind neu in der Spielordnung: Drei-gegen-drei auf vier Tore soll zur Normalität der G- und F-Junioren werden. Der jüngere E-Jugend-Jahrgang soll seine Partien im Fünf-gegen-fünf austragen. Gewechselt wird im Rotationsprinzip. Einen festen Torwart gibt es erst ab der U11. Der Ligabetrieb wird durch Turniere ersetzt. Die neue Spielform kann ab Juli die bisherige ablösen - muss aber nicht. Die Entscheidung ob alte oder neue Spielform, wird in den Fußballkreisen getroffen.
"Niemand will von heute auf morgen das neue Spielsystem einführen und das alte abschaffen", sagt Klaus Schmalz, BFV-Bezirksjugendleiter Oberfrankens. Das sogenannte Funino sei ein Zusatzangebot. Einzelne fränkische Kreise praktizieren diese Spielform bereits. In den Kreisen Aischgrund, Neumarkt/Jura, Erlangen/Nürnberg und Pegnitzgrund gibt es Pilotprojekte. Wie die Spielform im übrigen Franken angenommen wird, müsse die Zeit zeigen. Ob sich das neue Spielsystem auf Dauer durchsetzt? "Für die Zukunft wage ich keine Prognose", sagt Schmalz.
BFV sieht Handlungsbedarf
Sicher ist aber: Der BFV sieht Handlungsbedarf. Es müsse verhindert werden, dass nur die besten Talente auf dem Platz stehen und die schwächeren am Spielfeldrand sitzen. Denn oft bleiben Kinder wegen zu geringer Einsatzzeiten dem Fußball nicht treu. Das belegen Zahlen des Verbandes: Spielen in der E-Jugend bayernweit noch 38 000 Kinder, bleibt in der A-Jugend nur noch die Hälfte übrig. Zudem hätten viele Vereine im ländlichen Raum Probleme, eine Mannschaft mit sieben Spielern zu stellen.
Aufregung statt Aufklärung
Seine "neue Richtlinie für den Minifußball" hat der BFV seinen fast 3000 Mitgliedsvereinen Ende März per Rundmail mitgeteilt - versteckt hinter dem Betreff "Bestellaktion von Toren für Minifußball". Die neue Fußballform im Nachwuchsbereich wurde erklärt, zudem gab es ein Angebot, vergünstigt kleine Tore zu bestellen. Das hat bei vielen Vereinen für mehr Aufregung als Aufklärung gesorgt. Handelt es sich um eine Muss-Bestimmung? Müssen Tore gekauft werden? Gibt es ab sofort keinen Torwart mehr? Negative Stimmen häuften sich.
Das ärgert Matthias Lochmann: "Es sind einfach viele Falschbehauptungen über die neue Variante im Umlauf." Der 48-Jährige ist an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) Professor für Sportbiologie und Bewegungsmedizin und hat langjährige Erfahrung als Jugendtrainer. Seit 2015 betreut er die Funino-Pilotprojekte in den fränkischen Kreisen sowie in Berlin, Hannover und München. "Es gibt extra Festivals, bei denen die Torhüter ab der F-Jugend im Wettkampf geschult werden", betont Lochmann. Während beim Sieben-gegen-sieben zwei Kinder im Tor stehen, würden bei der Funino-Variante bei acht Spielfeldern 16 Spieler an ihren Fähigkeiten als Torwart feilen. Werde auf Minitore gespielt, lernen die Kinder, den Strafraum zu beherrschen. "In der E-Jugend kommen die Kleinfeldtore zum Einsatz", erklärt Lochmann. "So wird die zentrale Torverteidigung geschult." Da die Torhüter gleichzeitig im Feld mitspielen, hätten sie mehr Ballkontakte und verbessern ihre fußballerischen Fähigkeiten. Das Funino-Modell verknüpfe den Breitensport mit der Förderung von Talenten.
Weitere Vorteile der Drei-gegen-drei-Variante liegen für den Professor auf der Hand: Die Kinder laufen mehr als beim Sieben-gegen-sieben, haben mehr Ballkontakte, dribbeln häufiger und erzielen mehr Tore. Das würden die von der FAU in den Politprojekten erhobenen Daten belegen.