Zwei Wochen vor dem Pflichtspielauftakt im Pokalwettbewerb zeigen die Formkurven der beiden oberfränkischen Basketball-Bundesligisten in entgegengesetzte Richtungen: Während sich Raoul Korner, Trainer von Medi Bayreuth, über den besten Auftritt seines Teams in der Saisonvorbereitung freute und jetzt an die Feinabstimmung gehen kann, dürfte Bambergs holländischer Chefcoach Johann Roijakkers in den kommenden Tagen noch alle Hände voll zu tun haben. Seine Mannschaft hatte bei der 71:96 (29:56)-Testspielniederlage am Samstag in der Oberfrankenhalle nicht den Hauch einer Chance und enttäuschte auf der ganzen Linie.

Beide Teams hatten im zweiten Oberfrankenderby der laufenden Saisonvorbereitung vor 100 ausgelosten Bayreuther Dauerkartenbesitzern ein Handicap wegzustecken: Während sich die Bamberger vor der Partie von ihrem amerikanischen Shooting Guard Gerry Blakes getrennt hatten, schonte Bayreuths österreichischer Cheftrainer einmal mehr den an der Schulter verletzten Frank Bartley. Das Fehlen ihres Topscorers ließen sich die Gastgeber jedoch nicht anmerken, ganz im Gegenteil. Das Team um Kapitän Bastian Doreth startete mit breiter Brust in die Partie und gestattete den Gästen kaum einen unbedrängten Wurf. Bereits nach vier Spielminuten (10:1) sah sich Roijakkers zur ersten Auszeit genötigt, die jedoch weitgehend wirkungslos verpuffte. Bayreuth hielt das Gaspedal durchgedrückt. Einer, der an diesem Abend kein Pardon kannte, war Dererk Pardon. Als der Bayreuther Center-Neuzugang in der achten Minute erstmals auf der Bank Platz nahm, hatte er bereits elf Zähler auf dem Konto. Zur Pause trennte ihn nur noch ein Rebound vom "Double Double", und am Ende konnte sich der US-Amerikaner über 23 Punkte sowie 14 Rebounds in nicht einmal 21 Einsatzminuten (Effektivität +37) freuen. Damit hatte er das Bamberger Center-Duo um David Kravish und den nach überstandener Muskelverletzung erstmals wieder aufgebotenen Norense Odiase im Alleingang in die Ecke gestellt: Während Odiase (9/5 Rebounds) zumindest um physischen Gegendruck an den Brettern bemüht war, flüchtete sich Kravish (10/2) in die Mitteldistanz.

Doreth trifft fünf Dreier

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machte zunächst Bayreuths Kapitän Bastian Doreth da weiter, wo er in Durchgang eins aufgehört hatte - er traf seine Dreier vier und fünf. Bei Bamberg hielt Michele Vitali ebenfalls per Distanzwurf dagegen. Der neunfache deutsche Meister war jetzt aggressiver und zumindest defensiv präsenter. Bayreuth musste sich seine Würfe härter erarbeiten, tat das aber weiterhin sehr effizient und erstickte somit eine Bamberger Aufholjagd bereits im Keim.

Die höchste Führung der Partie war Ryan Woolridge vorbehalten, der einen Pass der Bamberger abfing und mit einem krachenden Dunking zum 92:60 (38.) durch die Reuse drückte, bevor die Gäste im Endspurt noch etwas Ergebniskosmetik betreiben konnten.

"Mit dieser Leistung können wir nicht zufrieden sein. Natürlich war es nur ein Testspiel, aber wir haben uns viel mehr vorgenommen. Wir waren von Anfang an vor allem defensiv einen Schritt zu langsam. Daran müssen und werden wir arbeiten, um das im nächsten Spiel abzustellen", übte sich Bambergs Chase Fieler (4/3) in Selbstkritik. Der als Führungsspieler eingeplante Power Forward enttäuschte genauso wie sein erfahrener US-Landsmann auf der Spielmacher-Position, Tyler Larson (8/ 2 Assists). Einer der wenigen Bamberger Lichtblicke war Neuzugang Kenneth Ogbe. Der Ex-Berliner suchte immer wieder die Verantwortung, markierte als Topscorer 14 Punkte und griff auch beim Rebound (9) beherzt zu.

Testspiel vor Fans am Samstag

Erstmals vor den eigenen Fans präsentieren sich die Bamberger am Samstag, 10. Oktober, wenn sie um 18 Uhr ein öffentliches Testspiel gegen den belgischen Meister Filou Ostende bestreiten. 1230 Zuschauer sind für das Testspiel in der Brose-Arena zugelassen, nachdem die erforderlichen Hygienemaßnahmen vom Gesundheitsamt positiv bestätigt wurden. Ab Dienstag um elf Uhr haben Dauerkarteninhaber ein Vorkaufsrecht. Am Mittwoch gehen ab 9 Uhr alle nicht abgerufenen Tickets in den freien Vorverkauf im Onlineshop von Brose Bamberg oder telefonisch unter der Nummer 0951/9151012.fk Medi Bayreuth: Pardon (23 Punkte), Doreth (17/5 Dreier), Olisevicius (14/1), Seiferth (12), Wenzl, Woolridge (10), Tiby (8/2), Bruhnke (7/1), Jalalpoor (3/1), Walker (2) / Brose Bamberg: Ogbe (14), Kravish (10), Odiase (9), Larson (8/2), Sengfelder (8), Lockhart (7/1), Vitali (7/1), Fieler (4), Hundt (4), Plescher

Gerry Blakes nicht mehr im Kader

Zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel hat sich der Basketball-Bundesligist Brose Bamberg von einem seiner insgesamt zehn Neuzugängen wieder getrennt. Flügelspieler Gerry Blakes gehört nicht mehr dem Kader des neunfachen deutschen Meisters an.

"Gerry konnte sich mit der Rolle, die wir für ihn vorgesehen haben, nicht identifizieren. Er wollte derjenige sein, für den die Systeme angelegt werden, der die Würfe bekommt. Das passt nicht zu unserem Konzept. Daher haben wir uns für die frühzeitige Trennung entschieden, da es für beide Seiten nur fair ist, dass man früh weiß, woran man ist", sagte der Bamberger Trainer Johan Roijakkers in einem Kurzinterview auf der Homepage des Vereins. Blakes stehe zwar noch unter Vertrag, man arbeite aber daran, diesen aufzulösen.

Die Bamberger hatten den 26 Jahre alten US-Amerikaner am 23. Juli verpflichtet und ihn mit einem Einjahreskontrakt ausgestattet. In der vergangenen Spielzeit ging Blakes zunächst für die EWE Baskets Oldenburg auf Korbjagd, konnte sich dort aber nicht durchsetzen und wechselte im Februar dieses Jahres zu SIG Straßburg. Für den französischen Erstligisten bestritt er jedoch nur eine Partie, weil die Saison aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wurde.

Die Bamberger sind bereits auf der Suche nach einem neuen Shooting Guard. "Wir sondieren aktuell den Markt. Das Anforderungsprofil ist klar. Wir suchen einen Ballhandler für die Position zwei. Dabei werden wir uns aber die Zeit geben, die es benötigt, um das richtige Puzzleteil zu finden", erklärte Coach Roijakkers.