Sie dienten dazu, sich Luft zuzuwedeln oder sich in der heißen Frankenhölle den Schweiß abzuwischen - aber die Intention, kleine weiße Handtücher mit dem Play-off-Motto "Brovissimo" für jeden der 6150 Besucher in der Brose Arena bereitzulegen, war neben einem optischen Highlight eine ganz andere: Die Frottee-Tücher sollten von den Fans immer geschwenkt werden, wenn das Brose-Team einen Drei-Punkte-Wurf versenkt. Die Tatsache, dass dies Fabien Causeur (3 Treffer), Nikos Zisis (2), Darius Miller (2) und Janis Strelnieks (2) insgesamt neun Mal gelang, war schließlich - neben einer knallharten Verteidigung in der zweiten Halbzeit - ein ausschlaggebender Faktor für den Bamberger 76:67 (40:45)-Sieg über die Münchner Bayern.
Der Erzrivale aus Oberbayern begegnete dem Meister aus Oberfranken zwar ebenso wie in Spiel 2 in München lange auf Augenhöhe, doch der Erfahrung und den in der Euroleague gestählten Nerven des Brose-Teams hatte er in der entscheidenden Phase zu wenig entgegenzusetzen. Die Mannschaft von Trainer Sasa Djordjevic hatte sich zwar deutlich besser verkauft als die Pesic-Truppe im letzten Jahr - doch das Ergebnis war am Ende das Gleiche: Die Bamberger setzten sich mit 3:0 in der Halbfinalserie durch und greifen ab Sonntag nach dem neunten Titel seit 2005.


Finalgegner lässt auf sich warten

Wer der Gegner sein wird und wo das erste Spiel stattfindet, entscheidet sich frühestens am Dienstag (19 Uhr) in Oldenburg. Setzen sich die EWE Baskets gegen den Hauptrunden-Primus aus Ulm erneut durch, steht der Rang-Fünfte im Finale. Gleicht die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath die Serie aus, fällt die Entscheidung in Spiel 5 am Donnerstag in der ratiopharm Arena.
Während der Kontrahent also weiter schwitzen muss, durften die Bamberger Jungs nach dem 72. Pflichtspiel in dieser Marathonsaison gestern die Füße ein wenig hochlegen und relaxen.
"Bamberg hat gezeigt, dass es die bessere Mannschaft ist", lobte Djordjevic das Brose-Team am Sonntagabend. Vor allem auf den kleinen Positionen ist das Meisterteam mit dem stark aufspielenden Fabien Causeur, der in allen drei Halbfinalpartien mit insgesamt 56 Punkten (Schnitt 18,7) bester Werfer war, überragend besetzt. Der Franzose glänzte aber auch als Rebounder (6 im Schnitt) und war somit effektivster Akteur (Index im Schnitt 22) seiner Mannschaft in der Halbfinalserie. Der oft mit seinem Vorgänger Brad Wanamaker verglichene 29-Jährige spielte eine herausragende Serie. Auch Regisseur Nikos Zisis (34 Punkte, 14 Assists) und der eiskalte Lette Janis Strelnieks (34/7) machten in den entscheidenden Phasen der Duelle 2 und 3 den Unterschied aus. Ein Lob verdient aber die gesamte Mannschaft, die es geschafft hat, der körperlichen Überlegenheit des Herausforders am Brett entscheidend zu begegnen.


Die Dreierschützen kalt gestellt

Außerdem zahlte sich die aufopferungsvolle Arbeit der Brose-Jungs gegen die Dreierschützen der Bayern aus. Mit einer Trefferquote von 41,8 Prozent waren Taylor & Co. das beste Dreierteam der normalen Runde, im Viertelfinale gegen Berlin sank die Quote bereits auf 32,2 Prozent - gegen Bamberg (41) fiel die Ausbeute gar auf indiskutable 22 Prozent (13 von 59).
Für Andrea Trinchieri ist die Serie nicht mit der aus dem Vorjahr zu vergleichen, weil sein Team wesentlich mehr Spiele in den Knochen habe und sich die Münchner deutlich weiterentwickelt hätten: "Das war heute ein wirklicher Kampf. Da kann nur die Mannschaft bestehen, die im wichtigsten Moment die Giftigkeit besitzt, zusammenzuspielen. Auf der anderen Seite stand eine starke Mannschaft. Für jeden Korb mussten wir sehr hart arbeiten."
Ein wichtiger Faktor war für den Brose-Coach der 80:76-Auswärtssieg am Donnerstag, bei dem die Bamberger insgesamt nur 47 Sekunden in Führung gelegen hatten. "Wenn du ein Spiel mit einem 9:0-Lauf am Ende gewinnst, fährst du mit einigem Selbstvertrauen nach Hause. Aber auch im dritten Spiel mussten wir auf das Momentum warten. Das kam zustande, weil wir uns nach der Pause auf unsere Abwehr verlassen konnten und zwei Mal nur elf Punkte zugelassen haben. "