Roswitha Wagner hat als Erste das Angebot der Stadtwerke angenommen, den Führerschein gegen ein Zwölf-Monats-Ticket des öffentlichen Nahverkehrs in Bamberg einzutauschen. Die Möglichkeit besteht seit Jahresbeginn. Die 74-Jährige erklärt, warum die Aktion für sie sinnvoll ist.
Knapp 55 Jahre ist es her, dass Roswitha Wagner ihren Führerschein gemacht hat. Seither ist sie unfallfrei und ohne einen Punkt in Flensburg gefahren. Vor drei Jahren schenkte sie das Auto ihrem Enkelkind: "Das ist mir schon schwer gefallen.
Seniorin gibt Führerschein freiwillig ab
Ich bin sehr gerne gefahren", sagt die Gereutherin und fügt schmunzelnd hinzu: "Ich war keine Sonntagsfahrerin." Nun geht sie noch einen Schritt weiter. Sie gibt ihre Fahrerlaubnis im Bamberger Straßenverkehrsamt endgültig ab. Der "graue Lappen" , den sie auf den Tisch legt, dürfte einigen im Raum ein ungewohnter Anblick sein – heute dient vor allem die Nachfolgeversion in rosa und das aktuelle Scheckkartenformat als Nachweis der Fahrberechtigung.
Busticket statt Führerschein - Seniorin Roswita achtet auf die Umwelt
Im Tausch erhält die 74-Jährige die "Bamberger Einkaufskarte". Sie ist die erste von bisher 30 Personen, die sich auf die Aktion der Bamberger Stadtwerke gemeldet haben – ältere Menschen, denen das Autofahren schwer fällt, können ab dem 1. Januar 2020 bis zum Ende des Jahres ihre Fahrerlaubnis gegen ein kostenfreies Jahresticket des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für den Bamberger Raum eintauschen. Die Fahrkarte gilt von Montag bis Samstag ab 9 Uhr und am Wochenende ganztägig. Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) will mit dem Angebot die Bürger locken, ohne Auto in die Innenstadt zu kommen: "So schonen wir das Weltkulturerbe und die Umwelt."
Der Naturschutz sei auch für Wagner ein wichtiger Grund gewesen, weshalb sie bereits früher häufig mit dem Bus gefahren sei.
Gründe für die Führerscheinrückgabe
Aufgrund einer Gesichtsfeldeinschränkung habe sie sich zunehmend unsicherer im Straßenverkehr gefühlt. "Ich wollte niemanden gefährden", zeigt sie sich verantwortungsbewusst. Für sie sei das Ticket sinnvoll – sie wohnt direkt an der Verbindungslinie 5 des Stadtbusnetzes. Mit dem städtischen Nahverkehrsangebot sei sie zufrieden. "Durch die Nutzung habe ich immer viel Zeit sparen können. Außerdem sollten wir Bamberger die wenigen Tiefgaragenplätze den Auswärtigen überlassen", sagt die Rentnerin.
Umweltschutz in Bamberg: Das haben die Stadtwerke vor
Neben der Führerscheinrückgabe hatte sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke Bamberg im Herbst auch für die Schaffung einer Ringbuslinie mit Elektrokleinbussen, das kostenlose Busfahren an den Adventssamstagen und stabile Ticketpreise im Jahr 2020 ausgesprochen.
Zudem soll im gesamten Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) zum kommenden Schuljahr das 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis eingeführt werden, mit dem Jugendliche für umgerechnet einen Euro pro Tag alle ÖPNV-Angebote im gesamten VGN-Gebiet nutzen können.
Ist ein Führerschein-Comeback für die Seniorin möglich möglich?
Sollte Wagner wieder ans Steuer wollen, bestünde die Möglichkeit, einen neuen Führerschein zu beantragen. Gegebenenfalls müsste sie dann erneut auf ihre Fahrtauglichkeit überprüft werden. Für sie stehe ein solcher Schritt jedoch nicht zur Debatte. In besonderen Fällen werde sie von ihren Kindern gefahren. Auch der Enkel fahre sie gerne, wenn es mal nötig sei – dann sogar mit ihrem ehemaligen Auto.
Leider ist man auf Grund der miserablen Qualität der Alternativen in der Regel auf den Führerschein selbst dann angewiesen, wenn man ihn nur selten nutzt. Solange sich dies nicht ändert, ist die Jahreskarte für den Stadtbus nicht mehr als ein nettes Dankeschön an die, die auf Grund gesundheitlicher / altersbedingter Einschränkungen ohnehin kein Kraftfahrzeug mehr steuern können / dürfen. Mit Umwelt- und Klimaschutz hat das nichts zu tun, was auch für die anderen genannten Maßnahmen gilt:
Der Elektroringbus erspart denen, die mit dem Auto möglichst weit in die Innenstadt fahren, die letzten Meter vom Parkhaus aus laufen zu müssen - eigentlich nicht einmal das, denn alle Parkhäuser sind bereits an Buslinien angebunden gewesen. Daher fährt der Ringbus meist leer und verbrennt statt Dieselkraftstoffs sinnlos Geld.
Das kostenlose Busfahren an den Adventssamstagen sollte lediglich den endgültigen Kollaps auf der Straße verhindern, die extremen Spitzen des Autoverkehrs abdämpfen und so die notwendige Erkenntnis in Richtung Verkehrswende verhindern oder doch hinauszögern.
Das 365-Euro-Schülerticket für den gesamten Verbundraum erscheint auf den ersten Blick schön, doch wird es den wenigsten tatsächlich nutzen. Für ihren Ausbildungsweg haben die meisten ohnehin eine Karte, darüber hinaus ist fraglich, ob sich der Preis mangels entsprechender Fahrten rechnet. Zudem haben nahezu alle Verkehrsexperten die Idee als zweiten Schritt vor dem ersten verworfen und zunächst die erforderlichen Verbesserungen im Verkehrsangebot bei Bahn und Bus angemahnt.
Die schon lange bekannten und benannten Mängel und Defizite beispielsweise im Bamberger Busnetz anzugehen, ist bislang auf Seiten der Verantwortlichen keinerlei Bereitschaft zu erkennen.
Wenn die Leute die ihren Führerschein abgeben sowieso kein Auto haben dann bringt das auch nichts für die Umwelt.
Das ist ja sehr löblich für die Dame und die bis jetzt 29 weiteren Personen, aber keine Alternative meiner Meinungen nach. Ich würde mich über den Tisch gezogen fühlen. Führerschein gegen 1 Jahr umsonst und dann noch mit Restriktionen, 9Uhr fahrten, usw. Wer das macht ist selber schuld. Ich wäre für Führerschein gegen Dauerkarte ohne Restriktionen. Das würde Senioren zweimal Glücklich machen, effektiv mehr von der Rente übrig und weniger Stress beim Erledigen von Alltäglichen Dingen usw. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf Andere.
Das ist eher ein PR Gag, als eine wirklich ernst gemeinte Alternative.
Die Stadtwerke nutzen diesen Umtausch eher dazu um neue Kunden für Jahres-/Dauerkarten zu gewinnen, diese werden sich aber die wenigsten Rentner leisten können und so bleibt es nach einem Jahr bei den ganz normalen Tarifen für einzelne Fahrten.
sicherlich sinnvoll, aber ein schlechter tausch, führerschein auf lebenszeit gegen ein jahresticket, gar am schluss noch streik im öffentlichen dienst und die option der wiedererteilung der fahrerlaubnis