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Bamberg: Schule schwänzen für die Zukunft - Fridays for Future - Demo am Freitag geplant


Autor: Julian Megerle

Bamberg, Mittwoch, 30. Januar 2019

Die "Fridays for Future-Demo" ist am Freitag auch in Bamberg geplant. Zwei Brüder haben sie mitorganisiert. Mehrere Hundert Schüler wollen teilnehmen.
Die Brüder Ruben und Noah Kettner haben die Demo angemeldet und mitorganisiert. Foto: Julian Megerle


Am Freitag soll auch in Bamberg die erste Fridays for Future-Demo stattfinden. Dabei schwänzen Schüler die Schule, die dem Klimawandel mit ihrer Demo den Kampf ansagen wollen.

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Das Ergebnis von gerade mal einer Woche Planung ist mehr als beachtlich: Mehrere Hundert Schüler befinden sich in den Whatsapp-Gruppen von Noah Kettner (20) und seinem Bruder Ruben (17). Gemeinsam mit ihrem Team haben sie für den Freitagvormittag, 1. Februar, um 10 Uhr - quasi nach der zweiten Stunde - eine Demo angemeldet, die in den vergangenen Wochen in Deutschland und auch weit darüber hinaus Schule gemacht hat: Die Fridays for future-Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem Klimawandel den Kampf anzusagen und die Politik zum Handeln zu bewegen.

Fridays for Future: Bundesweite Aktion

In der Bundesrepublik machen in 114 Städten vor allem junge Menschen mit. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer fällt: Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin begann vergangenes Jahr mit Schulstreiks an Freitagen und las den Delegierten auf der Klimakonferenz 2018 in Kattowitz die Leviten für die aus ihrer Sicht zu zögerliche Klimapolitik, welche das 1,5-Grad-Ziel verfehlt. Und damit der jungen Generation und der Tierwelt ihre Zukunft raube.

"Ich denke, Greta war der Funke im Stroh, der das Feuer entfacht hat", findet Ruben, der an der FOS sein Abitur ablegt. Massenaktionen im Jahr 2018 wie beispielsweise die Demonstrationen gegen die Rodung des Hambacher Forstes oder die Besetzung eines Braunkohletagebaus, in Aktivistenkreisen als "Ende Gelände" bekannt, hätten das unterschwellige Thema Klimaschutz und Kohleausstieg nach oben gespült, ergänzt sein Bruder.

Mediale Aufmerksamkeit

Darüber hinaus haben die jungen Leute mit der Fridays for Future-Bewegung in der Breite eine Stimme gefunden. "Ich erlebe das als enorm spannende Zeit!", betont Ruben. Zudem werde durch diese Art des Engagements der gängige Vorwurf entkräftet, "dass sich die Jugendlichen nicht mehr für Politik interessieren würden." Von der fünften Klasse bis zur Oberstufe werde über die Demo oft gesprochen. Die Tatsache, dass die Bewegung als Schulstreiks gesehen werden, schaffe noch mehr mediale Aufmerksamkeit für das Anliegen, erklärt Noah, der am Kaiser-Heinrich-Gymnasium sein Abitur machen wird. Dass noch die Möglichkeit bestehe, den Trend umzudrehen, bevor es zu spät ist, zeige die Welle der Unterstützung: Schüler aller Bamberger Gymnasien, beider Realschulen, der Fachoberschule sowie der Montessori-Schule sind Teil davon. Auch aus Haßfurt, Hirschaid und Scheßlitz wollen Schüler dazustoßen.

"Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass die Schüler sich einbringen wollen, weil ihnen das Thema förmlich auf den Nägeln brennt", meint Markus Knebel, Direktor des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums. An den sieben Gymnasien in Bamberg überlegt man sich derweil gemeinsam, wie mit der Situation richtig umgegangen werden kann. "Wir dürfen die Schüler natürlich nicht automatisch vom Unterricht befreien, wenn sie zur Demonstration wollen", erläutert Knebel das Vorgehen. Schulpflicht ist nun mal Schulpflicht.

Es gebe aber trotzdem Möglichkeiten auf genehmigtem Weg teilzunehmen: Wenn Schüler bei der Demo am Freitag dabei sein wollen, dann müssen sie nicht nur einen von den Eltern unterschriebenen Antrag auf Befreiung vom Unterricht mitbringen: "Zusätzlich wollen wir an unserer Schule, dass jeder Schüler einen einseitigen Aufsatz dazu abgibt, der erklärt warum er zur Demo gehen will und weshalb er sich für den Klimaschutz engagieren will." Dazu sollen sie begründen, was sie selbst persönlich dazu beitragen können, um was Gutes fürs Klima zu tun. Allerdings gilt diese Regelung ab der 10. Klasse.

Thema bleibt weiter aktuell

"Bei den jüngeren Klassenstufen können wir es aus Gründen unserer Aufsichtspflicht nicht verantworten, dass sie sich der Demo anschließen", führt Direktor Knebel aus. Die Strecke von der Schule zum Bahnhof sei einfach zu weit. Schließlich könne man keine Lehrkräfte zur Begleitung mitschicken, wenn der Unterricht ganz normal weitergehe. Wer dagegen unentschuldigt fehlt, bekommt einen Anruf zuhause und muss in den kommenden Wochen an einer Nachmittagsstunde gemeinsam über das Thema und die Demo diskutieren. Soweit steht das Verfahren am E.T.A. "An anderen Schulen können je nach Einzelfall Ordnungsmaßnahmen bis hin zu Direktoratsverweisen der Fall sein", meint Knebel.

Umwelt- und Klimaschutz sind damit aber nicht gänzlich vom Tisch: "Nächste Woche schon wollen wir eine Podiumsdiskussion zu den Hintergründen der Thematik machen, die offen für alle Klassen ist", verspricht Knebel. Und gemeinsam mit der Schülermitverantwortung könnte zum Ende des zweiten Halbjahres das bewegende Thema auch an einem Projekttag aufgegriffen werden.

Wie sollten sich Eltern verhalten?

Was rät er den Eltern, wenn die eigenen Kinder zur Demo gehen wollen? "Umwelterziehung ist nicht nur ein Thema für die Schule, sondern sollte auch zu Hause stattfinden", findet der Schulleiter. Nun könnte es sein, dass die Veranstaltung in Bamberg nicht die einzige bleiben wird, wie andere Städte gezeigt haben. Wären die Demonstrationen am Wochenende oder an unterrichtsfreien Nachmittagen, würde er selbst mit von der Partie sein.

Noah und Ruben ist der Spagat, welchen die Schulleitungen zwischen demokratischen Grundrechten und Schulpflicht leisten müssen, sehr klar. Mögliche Verweise oder Strafarbeiten fürchten sie allerdings nicht. Die Erfahrungen aus anderen bayerischen Städten hätten gezeigt, dass zumeist viele Schulen nachsichtig waren. Denn: "Was ist ein Verweis gegen die Rettung des Klimas und unserer Zukunft?", fragen die beiden Zwölftklässler.