Ob Josef Prosser wohl mit seinem Beitrag zum "Weg der Menschenrechte" einverstanden wäre? Der Grabstein des Arztes, der nach dem Zweiten Weltkrieg segensreich in der Gemeinde praktizierte, kommt jetzt jedenfalls zu neuen Ehren: Steinmetz Georg Klesse hat den zur Entsorgung bestimmten Jurakalkstein aufgehoben und nun für eine andere Bestimmung umgestaltet: Der rund eineinhalb Tonnen schwere Koloss wird als Abschluss-Stein am Ende des rund fünf Kilometer langen Weges der Menschenrechte zwischen Viereth und Trunstadt nahe dem Kindergarten stehen.



Klesse ist so gut wie fertig. Der Weg selbst wird erst am 9. Oktober offiziell eröffnet. Steine, Stelen und Tafeln werden nach und nach positioniert. Die Idee hatte Helmut Wahner schon vor längerem. Für die konkrete Umsetzung hat sich Ende 2014 ein 13-köpfiger Arbeitskreis formiert. Er ist aus Städtebau-Projekten (Wanderwege) hervorgegangen.

An diesem Nachmittag sehen sich von den 13 Akteuren Rita Zweier, Helmut Wahner, Andreas Demel und Manfred Sperber an, was der "Schorsch", also Georg Klesse, Sohn des weithin bekannten Malers und Bildhauers Reinhard Klesse, für das Projekt schon geschaffen hat. Von den 30 Stationen des Weges - für jeden Menschenrechtsartikel eine - gestaltet der 58-Jährige mehr als die Hälfte. Vieles wird aus Stein sein. Aber auch Holzstämme und selbst Graffiti-Beiträge der örtlichen Künstlerin Susa Söder kommen zum Einsatz.

Weil die Gemeinde das Projekt begleitet, ist Geschäftsleiter Gerd Franke nicht nur von Berufs wegen im Boot. Er habe inzwischen viel über Menschenrechte gelernt, sagt er. Auch, dass man vieles als selbstverständlich empfinde, wofür woanders gekämpft werden müsse. Er begleitet die Abordnung des Arbeitskreises zu Klesses Werkstatt im Grünen am Rande des Erzenthals.

Klesse, der sich selbst als "einfachen Handwerker" bezeichnet, erntet bereits jetzt viel Lob für die Umsetzung der Ideen aus dem Arbeitskreis. Auf dem hellen Stein malt er gerade die letzten Buchstaben mit dunkler Farbe aus. Das im Arbeitskreis erarbeitete Logo - ein Paragraphenzeichen, das zum Weg wird - hat er nach Ansicht der Anwesenden perfekt umgesetzt. Klesse ist bescheiden. "Ich möchte nur etwas machen, an dem sich andere freuen" und zur Ausführung: "Ist doch ganz einfach, ich hab' nur Eure Ideen verwirklicht."

Ehrenamtlich und als Beitrag für seine Gemeinde, die es ihm schließlich auch ermöglicht hat, an einem ebenso ungewöhnlichen wie reizvollen Ort seiner Arbeit nachzugehen. Klesse kann deswegen aufs Honorar verzichten, weil er ausschließlich Steine verwendet, die ihm überlassen wurden und eigentlich für den Schredder bestimmt waren. "Die Zukunft für den Stein finde ich einfach interessant." Der Prosser-Stein "ist ein würdiger Abschluss", stellt Manfred Sperber beeindruckt fest. Seine Arbeitskreiskollegen stimmen zu. "Also genehmigt?", fragt Klesse nach. Allgemeines Nicken.


Etwas ganz Besonderes

Wahner hat schon etliche ähnliche Menschenrechts-Wege und -Pfade gesehen. Zwischen denen und dem, der hier entsteht, gebe es große Unterschiede. "Man kann mit 100 000 Euro mal 'nen Weg hinknallen," ergänzt Sperber. Was hier entstehe, sei jedoch wirklich etwas ganz Besonderes. Eigentlich, so zeigen die Äußerungen der Arbeitskreis-Mitglieder, habe man sich etwas ganz Einfaches vorgestellt, ein paar Tafeln. Was nun entstanden und im Entstehen ist, übertreffe die Vorstellungen. Wie Sperber es formulierte, adle Klesse die Ideen mit seiner Arbeit. Wahner, Deml und Zweier betonen in dem Zusammenhang auch das Engagement der örtlichen Firmen sowie der Bürger, die schon 13 000 Euro spendeten. "Ich glaube, wir erzielen einen Erfolg. Unsere Ideen sind schön", lässt sich Klesse am Ende doch noch ein bisschen aus der Reserve locken.