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Rotlicht-Prozess: Wer war hier der Boss?


Autor: Jann Weckel

Bamberg, Freitag, 18. Mai 2018

Die Beweisaufnahme im Rotlicht-Prozess biegt auf die Zielgerade ein. Mit weiteren Zeugenaussagen wurde versucht, die Rolle des Hauptangeklagten zu klären.
Drahtzieher oder Bordellbetreiber im Ruhestand? Die Aussagen über die Rolle von Winfried E. gehen auseinander.Ronald Rinklef


Viel mehr als trotziges Kopfschütteln kommt vom Hauptangeklagten Winfried E. (alle Namen geändert) weiterhin nicht, dafür sorgt sein Verteidiger Stefan Tierel. Die Körpersprache zeigt aber: Zu gern würde sich die Größe der Bamberger Rotlichtszene zu alldem äußern, was da im Gerichtssaal gesagt wird. Besonders, wenn es direkt um ihn und seine Rolle bei den Buttersäure- und Brandanschlägen auf ein Bordell am Laubanger geht. Die große Frage: War E. der Hintermann, der zwar selbst nicht aktiv wurde, aber zu den Anschlägen anstiftete? Oder hatte schon Peter U. als Nachfolger das Ruder übernommen?

Insgesamt sechs Tatkomplexe umfasst die Anklage. Zwei Buttersäureanschläge auf ein Konkurrenz-Bordell, kurz darauf ein Brandanschlag an selber Stelle, dazu ein angezündetes Auto. Die Liste der Vorwürfe an die insgesamt sieben Angeklagten ist lang. Auch gefährliche Körperverletzung und unerlaubter Waffenbesitz kommen hinzu. Das alles, um einen ungeliebten Mitbewerber aus dem Weg zu räumen.


Treffen mit Mitbewerber

Das betroffene Bordell am Laubanger, das seit dem Anschlag nicht mehr existiert, ist nicht die einzige Einrichtung, die dem lange von Winfried E. geführten Etablissement in der Jäckstraße im Bamberger Rotlichtmilieu Konkurrenz macht. Auch in der Hallstadter Straße gibt es eine gewerbliche Zimmervermietung. Der Sohn der Betreiberin war in der gestrigen Verhandlung als Zeuge vorgeladen. Der Grund: Die Ermittler hatten durch Überwachung des Telefons von Peter U. zwei Gespräche mit ihm aufgezeichnet, die ein Treffen der beiden einige Wochen nach dem Brandanschlag vermuten ließen. Der 26-Jährige, der seine Mutter im Betrieb unterstützt, bestätigte das. Es sei dabei um den Vorwurf von U. gegangen, man habe versucht Prostituierte aus der Jäckstraße abzuwerben. War das Treffen ein Einschüchterungsversuch? Das habe er nicht so empfunden, obwohl das Auftreten von Peter U. "nicht so larifari-kindergartenmäßig" gewesen sei. Eben der Branche entsprechend.

Sowohl Peter U. als auch Winfried E. habe er nur vom Hörensagen über die Prostituierten gekannt und auch wer das Bordell in der Jäckstraße letztendlich geleitet hat, habe er nicht gewusst. "Die Mädchen gehen da hin, wo sie wollen. Heute hier, morgen da. So wie ich das verstanden habe, hat der Winfried die Jäckstraße früher gemacht und der Peter jetzt." Angst, selbst Opfer eines Angriffs zu werden, habe man in der Hallstadter Straße nicht gehabt. Das bestätigte auch die Betreiberin und Mutter des Zeugen, die später angehört wurde. Dabei waren die Räumlichkeiten vor über zehn Jahren selbst Opfer eines Buttersäureanschlags geworden - damals noch unter der Leitung des Vorbesitzers.


Auf der Suche nach Fläche

Das Treffen war aber nicht die einzige Maßnahme, die die Männer aus der Jäckstraße nach dem Brandanschlag ergriffen haben. Im Februar war Peter U. zurück im Gebäude des Brandanschlags am Laubanger, um sich dort nach einem Mietangebot zu erkundigen - in Begleitung von Winfried E.
Ein Ehepaar, das aktuell im Haus lebt, möchte seine Eigentumsfläche dort schon länger verkaufen oder vermieten. Auch hier wurde dem Paar als Erinnerungsstütze ein mitgeschnittener Anruf vorgespielt - nachdem der erste Schock und die Empörung, Teil eines abgehörten Gesprächs gewesen zu sein, verdaut waren. In der Aufzeichnung vereinbarte Peter U. einen Besichtigungstermin später am selben Tag. Es ist zu hören, wie U. sich im Lauf des Gesprächs den Zeitpunkt des Treffens diktieren lässt. Seiner Aussage nach von Winfried E. "Ich habe damals gleich gesagt: Die kommen aus dem Gewerbe", erinnert sich der Zeuge. Denn die beiden spielten nicht mit offenen Karten, sondern gaben vor, in den Räumlichkeiten eine IT-Firma unter dem Namen "Edelweiß" einrichten zu wollen. Wer bei dem Termin als Wortführer auftrat, daran konnten sich die Zeugen aber nicht mehr erinnern.

Wie das Gericht am Ende die Rolle von Winfried E. bewertet, wird sich nach aktuellem Stand Anfang Juli entscheiden. Nach dem nächsten Verhandlungstermin am 18. Juni sind dann nämlich drei Tage in Folge angesetzt. Allein für die Plädoyers werde laut Richter Manfred Schmidt wohl ein ganzer Tag gebraucht. Geplant ist die Urteilsverkündung am 4. Juli.