Das Leben wohnt auch dort, wo der Tod gerade eingeschlagen hat. Dieser markante Satz, den der Trauerredner und konfessionsfreie Theologe Ernst Cran aussprach, beschreibt zugleich die Gestaltung der Gedenkfeier im Kesselhaus am späten Sonntagnachmittag, mit der Angehörige, Freunde und Wegbegleiter Abschied von Peter Braun nahmen.

Die starke Persönlichkeit des Bamberger Schriftstellers war auch nach seinem plötzlichen Tod greifbar: eine an die Wand projizierte Bildergalerie mit Szenen aus Brauns Leben, eine schwarz ummantelte Stelltafel mit allen Publikationen des literarischen Multitalents - und im Zentrum das Foto mit Trauerflor und die Totenmaske, die der Bildhauer Adelbert Heil abnehmen durfte. Brennende Kerzen, weiße Rosen und Nelken, berührende Gitarrenklänge und englische Songs einer Solosängerin lassen diese Finissage nach einem ausgekosteten Leben weiterklingen: "Peter Brauns Resonanzprofil bleibt. Die Spur, die er hinterlassen hat, führt ins Leben", versicherte der Trauerredner.

Peter Braun sei "mit dem Leben verheiratet" gewesen. "Er war ein Unikat in seiner Schaffenskraft", ein begnadeter "Kunstschaffender und langjähriger Fan seiner Heimatstadt Bamberg", ein "unangepasster und unbequemer Streiter für die Kultur". Trauerredner Cran sprach von Peter Brauns "englisch gefärbtem Humor", von einem "ehrlichen, verlässlichen, verantwortungsbewussten Netzwerker". In einem ausgestrahlten Radio-Feature ergänzten Weggefährten diese Charakterisierungen um Sätze wie "Peter Braun war ein Freund, der nicht nur spricht, sondern anpackt" oder "Er war in Bamberg ein Stern." Menschlich nah geriet eine Eloge auf Brauns Vorliebe für Whiskey.


Eine kritische Stimme

Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) drückte für die Stadt Bamberg, aber auch persönlich die Trauer um den "engagierten Künstler, Ratgeber, Freund" Peter Braun aus. Um an den Verstorbenen zu erinnern, bediente sich Lange eines Bildes aus dem Markusevangelium. Darin heißt es im sechsten Kapitel: "Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat." Peter Braun sei ein solcher Prophet gewesen, der seine Berufung angenommen habe: "Propheten erheben kritisch die Stimme, legen den Finger in die Wunde, machen auf Fehlentwicklungen aufmerksam und sorgen sich um die Zukunft", erläuterte der Bürgermeister. Braun sei so ein aufgeschlossener, hilfsbereiter, ehrlicher Prophet gewesen sowie ein verlässlicher Partner des Kulturamtes der Stadt.

Lange erinnerte daran, dass letztlich auf Peter Braun das neue Kunst- und Arbeitsstipendium für Bamberger Kulturschaffende zurückgeht. Nur wenige Tage vor seinem Tod sei einstimmig beschlossen worden, dass ihm - nach Christiane Toewe - dieses Stipendium verliehen werden sollte. Braun habe auch auf der bisherigen Vorschlagsliste für den E.T.A.-Hoffmann-Preis gestanden, der in diesem Jahr vergeben werde. "Peter Braun hat sich um die Stadt Bamberg und ihre Bürger verdient gemacht, dafür sind wir ihm dankbar und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren", schloss Bürgermeister Lange.


Vielfach ausgezeichnet

Peter Braun wurde 1960 in Bamberg geboren. Als vielfach ausgezeichneter Autor erreichte er etwa mit seinen Hörfunkbeiträgen oder mit seinem Drehbuch zum Tatort "Häuserkampf" große Reichweiten. Sein Hauptinteresse galt jedoch der Literatur von der Klassik bis in die Moderne und ihrer Vermittlung. Mit zahlreichen Buchveröffentlichungen in renommierten Verlagen erreichte er eine große Leserschaft.
Peter Braun starb unerwartet am 30. Januar an einer natürlichen Todesursache.