Der Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Bamberg fand auch dieses Jahr wieder in der Bettelseehalle in Hallstadt statt. Musikalisch stimmte der Landfrauenchor unter ihrer Dirigentin Gundula Kraus mit den Liedern: "Danke, für diesen guten Morgen" und "Wenn die Tage schnell enteilen" die zahlreichen Besucher auf die Veranstaltung ein.

Kreis-, Bezirks- und Landesbäuerin Anneliese Göller begrüßte in der vollen Halle den stellvertretenden Dekan Hans-Friedrich Schäfer und Landvolkseelsorger Ewald Thoma, die Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn (CSU) und Andreas Schwarz (SPD), Landrat Johann Kalb (CSU), viele Kreisräte, Hallstadts Zweiten Bürgermeister Ludwig Wolf sowie zahlreiche seiner Bürgermeisterkollegen.

Von den Verbandsfunktionären des BBV hieß sie willkommen den Präsidenten Oberfrankens, Hermann Greif, den neu gewählten Kreisobmann Edgar Böhmer, seinen Vorgänger Heinrich Faatz, Geschäftsführer Werner Nützel, die Frauen der Kreisvorstandschaft, Matthias Weigand und Mario Remmele vom Maschinenring, Gabriele Pflaum vom Veterinäramt, Leitenden Direktor des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Hans-Jürgen Schmittnägel, Anton Hepple als Leitenden Baudirektor des Amtes für Ländliche Entwicklung, Anja Sauer vom Ring für Familien-Dienstleistungen sowie die Vertreter der Banken und der Baywa und Angelika Morgenroth als Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg.

Nach dieser langen Begrüßungsliste erläuterte Miriam Langenbucher von den Bayerischen Staatsforsten den Baumwipfelpfad in Ebrach in Wort und Bild.

Göller stellte anschließend das Motto des Tages vor: "Landfrauen tragen Verantwortung". Ihre Behauptung "Ohne die Landfrauen ist unser Land ein Stück ärmer" bewies sie mit der stolzen Zahl von 13 000 Frauen in Bayern, die sich ehrenamtlich im BBV engagieren.

Nun stellte sie den Hauptredner des Tages vor: Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Dieser stimmte der Landesbäuerin voll zu: "Ohne die Landfrauen geht nichts!". Er hatte somit im Handumdrehen den ganzen Saal hinter sich. Bei seinem Thema "Vom globalen Wert lokaler Verantwortung" kam er nochmals auf die Vorrednerin zurück. Als Beispiel nannte er Zahlen aus China. Die Mitglieder der Kommunistischen Partei seien 2015 rund 88 Millionen gewesen - Tendenz sinkend, die Zahl der Christen in China aber wurde auf 100 Millionen geschätzt - Tendenz stark steigend.

Guttenberg empfahl auf Don Camillo zu setzen und nicht auf Peppone, denn die kleine, lokale Einheit schlägt immer die große, die anonyme. "Wer auf dem Land lebt, kennt die Bedeutung von Familie, Freunden, Nachbarschaft und Heimat, von gelebter Gemeinschaft und gelebter Verantwortung", so der Redner. Zur Untermauerung seiner Behauptung nannte er noch folgendes Beispiel: Die Zeitschrift "Landlust" hat eine Auflage von knapp einer Million, hat also mehr Leser als CDU- und SPD-Mitglieder zusammen. Auf die Frage nach dem Warum nannte er: "Ganz einfach, weil sie ihren Lesern Sehnsucht und Orientierung eher bieten kann als der ,Bayerkurier' oder der ,Vorwärts'". Menschen suchten in unübersichtlichen Zeiten der Globalisierung wieder nach Orientierung, die sie aber eher in Familien oder Gemeindeversammlungen finden als auf Parteitagen. Als zu Guttenberg den Bayerischen Landfrauenverband lobte für dessen Engagement vor Ort, brandete der Beifall der Zuhörerinnen auf.

Dann schlug der Referent den Bogen zu den Waldbesitzern. Auch sie, die zwei Millionen Eigentümer, tragen Verantwortung für ihren Besitz, der mit Freiheit und Verantwortung zu tun hat. Um zu verdeutlichen, dass sich manche Politiker in Berlin und Brüssel damit schwer tun, brachte er den Vergleich mit einem Kunden, der einen Töpferladen betritt. Die Amerikaner haben dafür die Regel: "You break it, you buy it". - "Wenn du etwas kaputtmachst, musst du es bezahlen, für den Schaden geradestehen." Diese Regel auch auf Politiker in der Kommunal- und Landespolitik anzuwenden, forderte er anschließend, aber auch eine massive Stärkung des ländlichen Raumes. "Wir Waldeigentümer stehen dafür, dass die Wertschöpfung vor Ort geschieht, im Spessart, in der Rhön, im Steigerwald, nachhaltig und verantwortungsbewusst, ohne die Natur dabei zu gefährten", sagte der Redner.

Guttenberg geißelte dann die Planwirtschaft in manchen Landesparlamenten. Es geschehe wie im Töpferladen. Überall werde oft unter dem Deckmäntelchen des Naturschutzes agiert. "Vertreter von Minderheitsinteressen wollen immer mehr und neue Flächen für Lurchi, Wolfi und Buchi aus der Produktion nehmen." Direkt griff er auch Bund Naturschutz (BN) und NABU an: "Es ist wenig hilfreich, wenn durch populistische Diffamierungsversuche einzelner Interessenvertreter der bereits vorhandene Riss zwischen Stadt und Land immer tiefer wird. Auch dies ist eine Art des Populismus, der in Deutschland besonders ausgeprägt ist." Später forderte er nochmals, wegzugehen vom reglementierenden Nanny- und Verbotsstaat. Rednerisch geschickt verband Guttenberg Wald und Waldbewirtschaftung mit dem Begriff der "Heimat" als Schutz in stürmischer Zeit.

Nach seiner Meinung gehören zu einer Demokratie Kooperation, Kommunikation, Kompromissbereitschaft und das Motto "der lieben Landfrauen" Verantwortung. "Diese klären auf von der Umweltpolitik bis hin zu Workshops zur Gesundheit. Das ist das beste Mittel in postfaktischen Zeiten gegen Populismus." Guttenberg schloss seine Rede mit der Forderung und dem Wunsch: "Wir brauchen stabile Familien, Freiheit und Eigentum, eine christliche Grundgesinnung und einen stabilen Rechtsstaat." Für seine Ausführungen erhielt Philipp Freiherr von und zu Guttenberg lang anhaltenden Applaus, es gab keinen Buhruf und keine Missfallenskundgebung anders Denkender.

Anstelle von Grußworten bekamen dann in einer Groß-talk-runde die anwesenden Politiker die Möglichkeit, sich zu einzelnen Themen zu äußern. Die Kreisbäuerinnen Göller und Link befragten Hallstadts Zweiten Bürgermeister Ludwig Wolf nach der Möglichkeit, in der neuen Markthalle Kochkurse abzuhalten, Landrat Johann Kalb nach der Überprüfung wegen der Vogelgrippe, Thomas Silberhorn nach der Sonderinitiative Maßnahme gegen Hunger in Kenia, Andreas Schwarz, wieso sich Deutschland beim Glyphosat-Antrag in Brüssel enthalten habe und dem Spalt zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Berlin. Die Politiker konnten sich in kurzen Statements auf die Fragen äußern und natürlich sich somit für die kommenden Wahlen präsentieren.

Hans-Jürgen Schmittnägel stellte sich als neuer Leitender Direktor des Amtes für Landwirtschaft und Forsten den Gästen vor. BBV-Präsident Hermann Greif warb für die anstehenden Sozialwahlen und ehemaliger Kreisobmann Heiner Faatz dankte für die gemeinsame Arbeit in den zurückliegenden Jahren. Geschäftsführer Werner Nützel zeigte Erholungs- und Ausflugsmöglichkeiten des BBV auf.

Dann kam endlich die von allen längst und sehnlichst erwartete Modenschau der Landfrauen. Eingeleitet wurde sie vom den BBV-Chor. Singend und geschürzt und mit allerlei Kochlöffeln, Besen und anderen Instrumenten gewappnet zogen sie in den Saal ein. Nach den Liedern: "Was wären die Männer ohne uns" und "Das bisschen Haushalt" tobte bereits der Saal. Unter dem Thema: "Plaudereien aus der Schürzentasche" präsentierten in schneller Folge einige Dutzend Landfrauen auf dem großen Laufsteg die Schürzenmode aus vielen Jahren und Arbeitsbereichen. Dazwischen durften sich auch einige Männer präsentieren. Besonders herzlich aber zeigten sich die Kinder bei ihren Vorführungen. Gezeigt wurde, dass bei der Arbeit, bei Festen wie Hochzeiten, aber auch Beerdigungen jeweils andere Schürzen getragen wurden. Der Stil und Schnitt unterschied sich auch bei Stellung bei einem Bauern von der in einem städtischen Haushalt oder in höheren Diensten.

Mit Backgroundmusik hinterlegt und mit der gekonnten Regie und Ansage und Kommentaren von Anneliese Göller war dieser Teil der gelungene Höhepunkt der Veranstaltung. Die Schärzer waren lang oder kurz, kariert oder einfarbig und heute so modern wie früher. Bei der Präsentation der Dirndlschürzen reihte sich dann Göller selbst in die Modells ein zu der Begleitmusik: "Atemlos durch die Nacht". Tosender Applaus kam als Dank aus dem Reihen der Zuschauer.

Zum Schluss klärten noch einige Originale über das Kleidungstück auf. Es heißt nämlich eigentlich der Schärzer/Schörzer und nicht die Schürze. Dass dieser auch dem Demografiewandel unterliege, zeige sich, dass es immer weniger junge Schörzer gebe. Harald Baumann, einer der wenigen Männer außer den Ehrengästen, sagte dazu: "Der Landfrauentag war wieder toll, einfach super!" Und er muss es wissen, darf er doch Frau und Tochter seit Jahren nach Hallstadt begleiten.

Stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link dankte allen Mitwirkenden und Gästen für den großartigen Landfrauentag in Hallstadt und schloss: "Jeder von uns ist verantwortlich für das, was er heute ist, und für das, was er in Zukunft sein wird."