Mutige und erfolgreiche Architektur
Autor: Rüdiger Klein
Bamberg, Donnerstag, 18. Oktober 2018
Die Architektouren sind auf Bayern-Tournee auch in Bamberg. Am Freitagabend wird die Ausstellung im Kesselhaus eröffnet.
Seit 25 Jahren finden in Bayern immer Ende Juni die sogenannten Architektouren der Bayerischen Architektenkammer statt. Moderne und zeitgenössische Architektur sowie historische Architektur, die vorbildlich saniert oder modern erweitert und umgenutzt wurde, soll dann einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Weil aber kein Architekturinteressent Zeit findet, kreuz und quer durchs Bayernland zu kurven, um sich in ein paar Hundert Bauwerke anzusehen, kommen die Architektouren nun auch als Wanderausstellung zum Publikum. Ab Freitag, 19. Oktober, machen sie im Kunstraum Kesselhaus Station.
Um 18 Uhr wird die Ausstellung von der ersten Vizepräsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Marion Resch-Heckel, von Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) und vom Sprecher des Bamberger Architekturtreffs, Christoph Gatz, eröffnet. 50 sehens- und zum Teil auch staunenswerte Architekturbeispiele haben die Veranstalter ausgesucht, um zu zeigen, wie umfangreich die Bandbreite der Bauaufgaben in einem modernen Hochtechnologie-Land ist.
Der Kunstraum Kesselhaus am Leinritt bietet bis auf Weiteres noch nicht genug Platz, um alle 287 von einer Jury für die diesjährigen Architektouren ausgewählten Beispiele zu präsentieren. Deshalb musste man sich auf eine Auswahl aus der Gesamtschau beschränken.
Beredte Beispiele
Spannend genug dürfte die Ausstellung aber allemal werden. Denn anders als im Booklet der Architektenkammer oder auf der Kammer-Homepage (www.bayak.de) sind die sehenswerten Architekturbeispiele in der Ausstellung nicht nur mit einem Zweizeiler und einem briefmarkengroßen Bild vertreten, sondern mit zahlreichen Bildern, leicht verständlichen Erläuterungen und mit übersichtlichen Planzeichnungen.
Die Menschen im Land sollten sich mehr für ihre gebaute Umwelt interessieren, wünschen sich Architekten und Architektenkammer gleichermaßen. So versteht sich die Architektouren-Ausstellung auch als Leistungsschau, die für ein besseres Renomee der bayerischen und der deutschen Architektenzunft sorgen kann. Eine klassische Werbung ist die Ausstellung jedoch nicht, denn Architekten unterliegen ja einem strengen Werbeverbot. Mit Sicherheit wird die Ausstellung im Kesselhaus aber zeigen, dass hervorragende Architekturqualität viel öfter abseits der großen Metropolen entsteht, als man meinen möchte.
Leidenschaft und Know-how
Und manchmal sind es auch die ganz kleinen Maßnahmen, die gerade deshalb in der Qualität überzeugen, weil sie nicht einfach nur irgendwie abgearbeitet, sondern mit Leidenschaft und technischem Know-how realisiert wurden. Schlagende Beispiele dafür sind ein zur "Event Location" umgenutzter ehemaliger Kohlebunker oder ein ehemaliges Zigaretten-Großlager, das zur Freestyle-Sporthalle umgebaut wurde.
Weitere Themenschwerpunkte der Ausstellung sind das neue Bauen im Bestand und die Revitalisierung erhaltenswerter Altbausubstanz. Also taucht in der Ausstellung im Kesselhaus auch der Erweiterungsbau der Maria-Ward-Schule in der Edelstaße 8 auf. Das Münchner Büro Peck.Daam Architekten und die Bauherrin, die Erzdiözese Bamberg, wurden für diesen mutigen Bau im Herzen der Altstadt kürzlich mit einem BDA-Bayern-Architekturpreis geehrt.