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Bamberg
Umwelt

Mit Kultur fürs Klima

Das Bamberger Klimaschutzbündnis drängt auf rasche Maßnahmen der Stadt Bamberg.
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Gut 100 Menschen versammelten auf dem Maxplatz, um in Sachen Klima Druck zu machen. Fotos: Julian Megerle
Gut 100 Menschen versammelten auf dem Maxplatz, um in Sachen Klima Druck zu machen. Fotos: Julian Megerle
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Farbenfrohe Plakate. Zahlreiche Fahnen, Banner und die Beerdigung von Mutter Erde: Vor knapp zehn Monaten standen und saßen 3500 Menschen auf dem Maxplatz. Es war der 20. September. Der größte internationale Klimastreik, der nicht nur Bamberg, sondern zahlreiche Städte rund um den Globus erreichte. An jenem Wochenende gründete sich das Bamberger Klimaschutzbündnis. Eine Vereinigung mit 27 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, um der lokalen Politik bei Fragen ums Klima auf die Finger zu schauen und Impulse zu setzen. Aufbruchstimmung für Nachhaltigkeit lag in der Luft.

Zahlreiche Fridays-for-Future-Demos und eine Corona-Krise später kommen am selben Ort gut 100 Menschen zum Open Air des Bündnisses zusammen, um mit ihrer Petition "Klimaneustart 2020" weiter Druck zu machen.

Musik der Sängerin Dota schallt über den Platz. Anders als vielleicht erwartet, geht es aber nicht nur ums Klima: Das Abendprogramm hat mit Poetry-Slam-Beiträgen von Rahel Bennisch und Yannik Ambrusits zum Thema Reisen - "Hier will ich für immer bleiben! Von hier könnte ich Gedichte schreiben!" - sowie von Isabell Sterner über den Drang, sich in klassische Beziehungsgefüge zu pressen und daran zu scheitern, kulturelle Seiten. Und auch Zauberkünstler Pascal Thieme lässt sich die Chance auf einen Auftritt nicht entgehen. Das junge Publikum, das mit Decken und Kissen den Platz zum Freiluft-Wohnzimmer gemacht hat, spendet viel Applaus und auch den ein oder anderen Euro an die Kulturschaffenden.

Auf der Leinwand erscheinen drei Männer, die beim Stammtisch auf ein Bier über ihre Urlaubserlebnisse prahlen. Golfen und Safari in Namibia mit Leihwagen und All-inklusive. Übers Wochenende per Flieger nach Barcelona shoppen. Aber sich darüber beklagen, dass man mit einem SUV keinen Parkplatz in der Innenstadt mehr findet. Vielleicht doch Fahrradfahren? Als die Kellnerin die - Bilanz vorlegt und zur Kasse bittet, verweisen die drei Kumpels an den Nachbartisch: "Die werden das schon zahlen." Dort sitzen zwei Männer, welche dem Aussehen nach vom afrikanischen Kontinent stammen könnten. In dem Kurzfilm "Die Rechnung" der Nichtregierungsorganisation Germanwatch gedreht zur Weltklimakonferenz 2009 bleibt kein Aspekt aus. Die nächste Klimakonferenz findet wegen Corona erst 2021 statt.

Privileg der reichen Staaten

"Im Jahr 2300 werden wir in Bamberg Verhältnisse wie in der libyschen Wüste haben, wenn die Klimapolitik so weitergeht", warnt Riccardo Schreck, ein Sprecher des Klimaschutzbündnisses. Das ist weit weg? 2080 seien diese Breiten bereits mit dem mittleren Italien vergleichbar. Für Schreck, der zeitweise Umweltpolitik studiert hat, ist klar: "Reine Klimaanpassung ist ein Privileg der reichen Staaten." Kleinbauern und Fischer in ärmeren Ländern müssen Felder aufgeben und vor dem nahenden Wasser fliehen, was an anderen Orten zu Konflikten führen werde. Und die Zeit läuft davon: "Wir sind nur noch vier Jahre davon entfernt, dass wir das 1,5 Grad Ziel des Pariser Abkommens verfehlen." Sogenannte Klimakipppunkte, nach denen ein Dominoeffekt eintritt, der sich nicht mehr aufhalten lasse, seien ein Effekt davon. "Und an alle, die glauben, den Mars besiedeln zu können: Wir haben keinen Planeten B."

Und wo steht Bamberg? "Wir haben seit zehn Jahren keine Zahlen mehr, ob wir die Ziele aus der Klimaallianz erreicht haben", stellt der Klimaaktivist heraus. Bayern habe im gleichen Zeitraum gerade mal um 8 Prozent Treibhausgase eingespart. "Unser Haus brennt. Aber es brennt eben in Zeitlupe." Schreck will nicht länger zuschauen. Deshalb fordert das Klimaschutzbündnis ein konkretes Klimaschutzkonzept mit klarem Fahrplan und einen Klimaschutzmanager, welcher sich diesen Aufgaben koordiniert annimmt.

Während im Landkreis Geothermie und Windkraft noch Potenzial bieten würde, könnte in der Stadt Photovoltaik zur Wende beitragen. "Außerdem wollen wir, dass ein Klimavorbehalt bei Entscheidungen des Stadtrates angewendet wird", führt er aus. Die Bamberger Linke Liste habe bereits vor einem Jahr den Klimanotstand gefordert, aber die Stadt habe daraus noch keine konkreten Maßnahmen abgeleitet.

Ruf nach Transparanz

Schrecks Mitstreiter Luca Rosenheimer ergänzt: "Zudem braucht es Transparenz durch namentliche Abstimmungen im Stadtrat und die Einbindung von Zivilgesellschaft und Experten in einem Klimabeirat." Ein entsprechendes Antragspaket liegt schon auf dem Tisch.

Riccardo Schreck hat zwar sein Leben schon weitgehend klimafreundlich umgestellt, aber er weiß genau: "Es braucht die Politik, um wirklich etwas zu bewegen."