Bamberg
Vorstoss

Künftig Instrumentenflug für Flugzeuge in Bamberg?

Nach einem Vorstoß von Staatsminister Huber könnten künftig an der Breitenau Flugzeuge selbst bei schlechter Sicht starten und landen.
Laut Plänen der Staatsregierung und der Coburger Flugplatzgesellschaft soll der Landeplatz in Bamberg (Foto) für den Flugzeug-Instrumentenflug fit gemacht werden.  Foto: R. Rinklef/Archiv
Laut Plänen der Staatsregierung und der Coburger Flugplatzgesellschaft soll der Landeplatz in Bamberg (Foto) für den Flugzeug-Instrumentenflug fit gemacht werden. Foto: R. Rinklef/Archiv
Vorstoß zum Sonderlandeplatz an der Breitenau: Neben dem Instrumentenflug für Hubschrauber, der schon seit Frühjahr 2016 beim Luftamt Nordbayern zur Genehmigung vorliegt, soll es nun auch Flugzeugen möglich werden, unabhängig von der Sicht starten und landen zu können. Das zumindest ist den Worten von Staatsminister Marcel Huber (CSU) bei einer Pressekonferenz in Coburg zur Zukunft des dortigen Flugplatzes zu entnehmen. Huber hatte eine Kombi-Lösung mitgebracht, um das Tauziehen um den Erhalt des dortigen Landeplatzes Brandensteinsebene zu beenden. Und diese Lösung bezieht den Platz an der Breitenau mit ein.

Zu Hilfe kam dem Minister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben dabei eine Neuregelung der Flugrichtlinien für bestehende Flugplätze auf europäischer Ebene. Diese sei schon seit Mai bekannt gewesen, erklärte Huber am Montag. Demnach sei nunmehr eine "Ertüchtigung" des Coburger Verkehrslandeplatzes nötig, wodurch Maschinen bis zu einer bestimmten Größe im Instrumentenflugbetrieb auch über 2019 hinaus "relativ sicher" starten und landen könnten.

Für größere Flugzeuge schlägt Huber die genannte Kombi-Lösung mit dem Flugplatz Bamberg-Breitenau vor. Dieser müsse für den Instrumentenflugbetrieb ebenfalls ausgebaut werden. Eine Stromleitung, die diesem Vorhaben momentan noch im Norden der Landebahn im Weg steht, müsste dafür tiefer gelegt werden. "Das ist realisierbar", schätzte der Minister die Situation ein. Er ist sich sicher: "Wir können alle Bedürfnisse abdecken, die die Firmen haben." Damit soll der Werkflugverkehr mit Geschäftsflugzeugen in Oberfranken dauerhaft gesichert werden.


Vorteil der Landebahn in Bamberg

Die Firmen, das sind mehrere Unternehmen aus Coburg und dem Coburger Land, die an der Projektgesellschaft des Verkehrslandeplatzes Coburg neben dem Aero-Club und der IHK Coburg (fast 4 Prozent), sowie der Stadt (74 Prozent) einen Anteil von (22 Prozent) halten: Verpackungsexperte Schumacher Packaging (Ebersdorf), Kapp Werkzeugmaschinen (Coburg) und Autozulieferer Brose hätten mit dem Instrumentenflug die Möglichkeit, ihre Maschinen zuverlässig nutzen zu können.

Michael Stoschek, Vorsitzender der Brose-Gesellschafterversammlung, zeigte sich zufrieden, dass in Bamberg nun ebenfalls Instrumentenflugbetrieb möglich ist: "Das war bis vor kurzem undenkbar." Zumal auch die längere Landebahn (über 1000 Meter) in Bamberg sicherer für große Flieger sei. Um Flugzeuge welcher Größe es sich handelt, darüber war auch am Dienstag nichts zu erfahren. Der Bamberger Flugplatz ist bisher für Flächenflugzeuge bis 10 Tonnen zugelassen.

Die Pläne, die am Montag nach einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung der Projektgesellschaft auch von Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Friedrich Herdan (IHK) präsentiert wurden, stoßen in Bamberg am Dienstag auf Verwunderung. "Die Stadtwerke und die Stadt haben davon aus der Presse erfahren", erklärte der Sprecher der Bamberger Stadtwerke, Jan Giersberg. Auch der Aero-Club, der für den Flugbetrieb in Bamberg zuständig ist, wusste bis vor kurzem nichts.


Ängste bei Bürgern

Den Stadtwerken als Betreiber des Flugplatzes an der Breitenau fehlten auch am Dienstag noch Fakten zu den Plänen. Sollten diese eingeholt sein, wollen die Stadtwerke die Öffentlichkeit weiter informieren. Dazu sei eine Veranstaltung mit Bürgern und Interessenvertretern sowie den betroffenen Gemeinden Gundelsheim, Hallstadt und Memmelsdorf angedacht, so Giersberg.

Eine solche Veranstaltung fordert Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) dringend: "Es entstehen bei Bürgern Ängste, da Informationen fehlen." Befürchtet werde seit längerem auch in Lichteneiche, dass der gewerbliche Flugverkehr zunimmt, der Lärm durch Flugzeuge und Hubschrauber ansteigen könnte.

Bisher machte der Werkverkehr mit 115 sowie der gewerbliche Verkehr mit 125 Starts und Landungen im Jahr 2016 laut den Stadtwerken nur einen kleinen Teil der insgesamt über 6000 Flugbewegungen aus. Die offenen Fragen zum Instrumentenflugverfahren ändern laut Giersberg außerdem nichts an den Flugzeiten. Das Nachtflugverbot gelte weiter.

Staatsminister Huber hatte am Montag betont, dass die Kombi-Lösung noch nicht beschlossen sei. Die Behörden hätten diesen Vorschlag aber geprüft und dieser sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich". Für die Zulassung von Flügen nach Instrumentenflugregeln am Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau wäre eine Änderung der Flugplatzgenehmigung notwendig, heißt es vom Luftamt Nordbayern. Dazu ist ein förmliches Verfahren nötig, wofür dem Amt noch Unterlagen fehlten. Deshalb sei auch unklar, ob und welche Maßnahmen an der Stromtrasse nördlich des Platzes in Bamberg vorgenommen werden müssten, so ein Sprecher.

Zweifel gibt es bei Experten: Diese sehen einen Instrumentenflug in Bamberg problematisch. Die Maschinen müssten in einem flacheren Winkel anfliegen - in dem Fall sei womöglich nicht nur die Stromleitung bei Gundelsheim im Weg, sondern auch die Altenburg, sagt ein Kenner des Flugplatzes.