Ohne Hemmungen läuteten die Wölflinge und Jungpfadfinder Sturm im Bischofshaus. Sämtliche Klingelknöpfe drückten sie, als ob Erzbischof Ludwig Schick schwerhörig geworden sein könnte. Schließlich transportierten die jungen Leute des Stammes St. Josef/Hain der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) eine Kostbarkeit in der Laterne, die obendrein zur Sicherheit noch in einen Metalleimer gestellt war: Das Friedenslicht aus Bethlehem, das sie am Nachmittag in der ökumenischen Aussendungsfeier in der Nürnberger Lorenzkirche bekommen hatten, sollte bloß nicht erlöschen.

Der alles andere als taube Erzbischof empfing die Kinder und Jugendlichen mit offenen Armen. Er führte sie und ihre Kuratin Barbara Göb in die Hauskapelle, dankte ihnen herzlich dafür, "dass ihr mir wieder das Friedenslicht bringt". Es werde nicht nur in diesem Haus brennen, sondern von ihm weitergereicht in Adventsfeiern des Ordinariates und der Caritas sowie "in das Bamberger Gefängnis, das ich in den nächsten Tagen besuche", erklärte Schick.

Der Erzbischof bettete die Übergabe der Flamme in eine abendliche Andacht mit Adventslied, Gebet und einer kindgerechten Weihnachtsgeschichte über einen mürrischen Hirten, der vor dem neugeborenen Säugling in der Krippe plötzlich ein weich gewordenes Herz bekommt.

"Er ist barmherzig geworden", spannte Erzbischof Schick den Bogen zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das er für das Erzbistum Bamberg am Abend zuvor feierlich eröffnet hatte. Mit Schalk in den Augen hielt er den Pfadfindern sein Smartphone mit einem Foto von der angestrahlten Marienpforte am Dom, der Heiligen Pforte, entgegen. "Das habe ich Freunden per SMS geschickt!" war der Erzbischof ganz auf der Linie seiner jungen Zuhörer.


Zeichen für Gastfreundschaft

Und dann war es soweit. Schick bat Jungpfadfinder Theo (11) und Pfadfinderin Martha (14) an den Altar, damit sie mit dem Friedenslicht die Osterkerze entzünden. Mucksmäuschenstill wurde es in der Kapelle. Die kleine Flamme der Hoffnung verbreitete viel mehr als bloßen Kerzenschein. "Hoffnung schenken - Frieden finden" lautet das Motto der Friedenslichtaktion 2015 der verschiedenen Pfadfinderverbände. Die Aktion will ein Zeichen setzen für Gastfreundschaft und Menschen auf der Flucht.

Die Weitergabe des Lichtes soll ein Ausdruck des Glaubens und der Zuwendung zum Nächsten sein. Die Aktion Friedenslicht gibt es seit 1986, sie wurde vom Österreichischen Rundfunk ins Leben gerufen. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Friedenslicht an der Flamme der Geburtsgrotte in Bethlehem und bringt es anschließend in einer Speziallaterne nach Wien. Von dort gelangt es in viele Länder der Welt.

Erzbischof Schick revanchierte sich bei den Pfadfindern für ihren Einsatz mit einem Geschenk. Jeder bekam eine Plakette mit dem offiziellen Symbol des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit: Jesus trägt einen Kranken. "Barmherzig wie der Vater" ist zudem das Jahresmotto auf Latein eingraviert. Hungrig und durstig brauchten die Pfadfinder auch nicht von dannen zu ziehen: Der Erzbischof und die beiden Ordensschwestern, die ihm den Haushalt führen, luden - ganz leibliches Werk der Barmherzigkeit - zu Tisch.