Klare Ansage der Opposition: Neun Jahre zum Abitur
Autor: Klaus Angerstein
München, Dienstag, 24. Januar 2017
SPD und Grüne bringen im Landtag zwei Gesetzentwürfe zur Einführung des neunjährigen Gymnasiums in Bayern ein. Die Erfolgsaussichten: wohl eher gering.
Die Fraktionen von SPD und Grünen brachten gestern in der aktuellen Stunde des bayerischen Landtags zwei Gesetzentwürfe ein, die beide das gleiche Ziel verfolgen: die Widereinführung des neunjährigen Gymnasiums G9. Sozialdemokraten und Grüne greifen damit den Wunsch einer Mehrheit von Eltern und Lehrern in Bayern auf, die sich in mehreren Umfragen gegen die bisherige gymnasiale Form des G8 ausgesprochen hatten.
Geht es nach den Grünen, könnte der Gesetzentwurf noch im Frühjahr verabschiedet werden und ab 1. August 2017 in Kraft treten. Den Entwürfen der beiden Oppositionsparteien gemein ist das grundsätzliche Bekenntnis zu einer neunjährigen Gymnasialzeit.
Ein Parallelangebot von G8- und G9-Schulen oder auch G8- und G9-Zweigen an Einzelschulen, wie vom Kultusministerium favorisiert, halten die Grünen weder aus pädagogischer noch aus organisatorischer Sicht für zielführend. In Reihen der SPD sieht man das ähnlich. Auf keinen Fall dürfe es allein in der Hand der Schulen und Kommunen liegen, ob vor Ort das G9 oder das G8 angeboten wird. "Das führt ins Chaos, wir brauchen jetzt aber verlässliche Strukturen", so der SPD-Bildungsexperte und Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, Martin Güll.
Die Sozialdemokraten stellen sich künftig ein Gymnasium vor, das in Unter-, Mittel- und Oberstufe jeweils 90 Pflichtwochenstunden in drei Jahren umfasst. "Wir wollen das Gymnasium so organisieren, dass in der Regel kein Nachmittagsunterricht nötig ist", so Güll.
Leistungskurs für die Qualität
Ebenfalls sehr wichtig ist den Sozialdemokraten die Möglichkeit einer Vertiefung des Stoffes in der Oberstufe in Leistungskursen. Dadurch würde die Qualität des Gymnasiums gesteigert. Güll forderte die Staatsregierung auf, nach Jahren der Unsicherheit Klarheit zu schaffen. Das Gymnasium brauche endliche Ruhe und sachgerechte Entscheidungen.Seitens der Grünen legt man Wert auf die Feststellung, dass es sich bei ihrem Gesetzentwurf nicht um eine Rückkehr zum alten neunjährigen Gymnasium handle. Man setze vielmehr auf ein "G9 neu". Zur Begründung wird angeführt, dass anders als früher inzwischen bayernweit die meisten Kinder eines Jahrgangs das Gymnasium besuchen würden. Darauf und auf die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft sei das Gymnasium noch nicht ausreichend eingestellt. Mehr Lernzeit bis zum Abitur bedeutet für die Grünen ein vertieftes und intensives Lernen mit mehr Übungsphasen. Außerdem sollen Zeit und Raum gegeben werden zur Entwicklung der Persönlichkeit.
Eine längere Schulzeit kostet natürlich auch mehr Geld. Das ist den Grünen und der SPD bewusst. Seitens der Fraktion der Grünen rechnet man mit bis zu 1,5 Milliarden Euro, die für Erweiterungs- und Schulneubauten notwendig werden. Außerdem würden 1000 zusätzliche Planstellen für Lehrkräfte benötigt. Nach Vorstellung der SPD sollten die für die Kommunen als Sachaufwandsträger entstehenden Mehrkosten durch den Staat ausgeglichen werden.
Der Fahrplan von CSU und Kultusministerium in Sachen Gymnasialreform sieht nach wie vor anders aus. Ende Juli 2016 hatte sich der Ministerrat auf eine Dialogphase und Eckpunkte zur Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums verständigt. Man wolle mit der Schulfamilie reden, mit Bildungspolitikern und mit Experten. Und man wolle sich Zeit lassen. Dabei setzt Kultusminister Ludwig Spaenle auf den einheitlichen Rahmen eines G8 mit Angeboten zur Lernzeitverlängerung (G9). Über das "Wie" sollen die Schulen selbst entscheiden. Die Umsetzung: nicht vor dem Schuljahr 2018/2019. Da bleibt nicht viel für die Opposition.