Keine Corona- Infizierten im Landkreis Bamberg - unaufgeregte Stimmung bei Infoveranstaltung
Autor: Markus Klein
Scheßlitz, Donnerstag, 05. März 2020
Die Testergebnisse beruhigen: Keine der sieben Personen aus dem Landkreis, die sich derzeit in Quarantäne befinden, hat sich infiziert. Eine erste Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle soll bereits heute in Scheßlitz eröffnet werden.
"Ich bin erleichtert", beginnt Landrat Johann Kalb (CSU) die Mitteilung über die gestern bekannt gewordenen Testergebnisse einer sechsköpfigen Familie aus dem Landkreis Bamberg, die sich wegen Verdacht auf Corona-Infektion derzeit in häuslicher Quarantäne befindet. Denn die Laborergebnisse fielen negativ aus, keiner der zwei Erwachsenen und vier Kinder ist infiziert. Ein weiterer Verdachtsfall konnte bereits am Dienstag ausgeräumt werden. Auch hat keiner der sieben Menschen bisher Symptome gezeigt.
Trotzdem dürfen sie ihr Zuhause für insgesamt 14 Tage nicht verlassen. Denn die Inkubationszeit - also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch von Symptomen - kann zwei bis 14 Tage dauern. "Vor der Entlassung wird noch einmal getestet", erklärt Frank Förtsch, Sprecher des Landratsamts. Außerdem würden die Personen täglich vom Gesundheitsamt gefragt, ob sie sich gut fühlten. Sobald Symptome auftreten, gibt es weitere Tests (siehe Infobox).
Erste Anlaufstelle in Scheßlitz
Wie berichtet, will das Gesundheitsamt zudem drei Anlaufstellen eröffnen. Wie Förtsch gestern mitteilte, soll eine erste Station in Scheßlitz bereits heute bereit sein. Anders als zunächst geplant, wird diese nicht in einem Container untergebracht, sondern in dem bisher leerstehenden Gebäude gegenüber der Juraklinik (beim Netto-Markt) eingerichtet. Die gemeinnützige Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg (GKG) hat die Immobilie kürzlich erworben. Langfristig sollen dort eine Pflegedienstschule für die GKG sowie Wohnungen für Pflegende entstehen, "um dem Pflegenotstand zu begegnen", teilt Förtsch auf Nachfrage mit.
Weitere Anlaufstellen sind am Klinikum in Bamberg und bei Bedarf in Burgebrach geplant. "Wichtig ist, dass das in einem separaten Raum stattfindet, um eine Ansteckung von geschwächten Klinikpatienten und dringend benötigtem medizinischen Personal zu verhindern", erklärt Förtsch. Wie das Gesundheitsamt aber betont, bleiben Hausärzte die ersten Ansprechpartner. Wer Kontakt zu einem Infizierten hatte oder in einem Risikogebiet war, soll den Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktieren. Dort wird dann entschieden, ob ein Hausbesuch des Arztes oder der Weg zu den Anlaufstellen nötig ist.
Infoveranstaltung in Juraklinik
Denn auch, wenn sich die bisherigen Verdachtsfälle nicht bestätigt haben: Fachärzte rechnen mit einer weiteren Verbreitung des Virus, auch in unseren Breiten. So etwa Dr. Karin Schneiderbanger, Fachärztin für Infektiologie, bei der Infoveranstaltung zu Corona, die vorgestern in der Juraklinik Scheßlitz stattfand. Schneiderbanger spricht von einer "sehr dynamischen Entwicklung" der Virusart, also einer sehr raschen Verbreitung.
Einen Grund für Panik sieht sie nicht. Zum einen wird erwartet, dass sich die Lage im Sommer entspannt, wie auch bei der klassischen Grippe. Zum anderen: "Vier von fünf Fällen verlaufen sehr mild." Von bisher 93 000 Infizierten sind 3200 verstorben (3,4 Prozent), in Deutschland bisher niemand, "da ist die Influenza weitaus gefährlicher".